Einleitung
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden. Auslöser dafür ist ein zu hoher Harnsäurespiegel.
Bei einem Gichtanfall schwellen bestimmte Gelenke innerhalb weniger Stunden an und werden sehr schmerzempfindlich. Dann kann jede Art von Druck auf diese Gelenke schmerzhaft sein – selbst sanfte Berührungen oder das Gewicht einer Bettdecke. Auch Gehen, Fahrradfahren, die Schuhe anzuziehen oder etwas zu greifen und zu halten, kann während eines Gichtanfalls zur Herausforderung werden.
Die meisten Menschen mit Gicht haben hin und wieder Anfälle. Dazwischen können Monate oder sogar Jahre vergehen. Gichtanfälle können aber auch häufiger sein. Um ihnen vorzubeugen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manchen Menschen hilft es bereits, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Für andere sind Medikamente sinnvoll, die den Harnsäurespiegel dauerhaft senken.
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Symptome
Ein Gichtanfall beginnt oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, sehr schmerzhaften Gelenkschwellung. Das entzündete Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und bei heller Haut gerötet. Die Schwellung und die Schmerzen sind meist 6 bis 12 Stunden nach Beginn eines Gichtanfalls am stärksten. Wenn die Schwellung nach einigen Tagen zurückgeht, kann sich die Haut im Bereich des Gelenks etwas abschälen.
Beim ersten Gichtanfall ist oft nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Auch die Mittelfuß- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen, Hand- und Fingergelenke können sich entzünden. In den Schultern und Hüften treten nur selten Gichtanfälle auf. Bei einer chronischen Gicht sind die Gelenke dauerhaft leicht entzündet. Sie können sich mit der Zeit verformen und sind dann nicht mehr so beweglich.
Ursachen
Auslöser der Entzündung sind winzige nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die sich vor allem in den Gelenken ablagern. Solche Kristalle können entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet. Nach Schätzungen erkrankt aber nur etwa ein Drittel aller Menschen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel an Gicht.
Harnsäure ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purine, eines Bestandteils der Nukleinsäuren. Diese sind wichtige Grundstoffe des Körpers. Normalerweise wird ein Teil der Harnsäure über das Harnsystem mit dem Urin ausgeschieden. Bei manchen Menschen scheiden die Nieren aber nicht genug Harnsäure aus. Dadurch steigt der Harnsäurespiegel im Körper an.
Auch bestimmte Erkrankungen können dazu beitragen, dass sich zu viel Harnsäure im Körper ansammelt. Dazu gehören Blutbildungsstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie. Nur selten entsteht Gicht, weil der Körper zu viel Harnsäure produziert. Grund dafür kann dann zum Beispiel eine Erbkrankheit sein, bei der die Funktion bestimmter Eiweiße (Enzyme) gestört ist, die mit dem Harnsäure-Stoffwechsel zu tun haben.
Neben einem erhöhten Harnsäurespiegel spielen noch andere Faktoren eine Rolle. So bilden sich in Gelenken, deren Gewebe wenig Flüssigkeit enthält, eher Harnsäurekristalle. Auch der Säuregrad (pH-Wert) der Gelenkflüssigkeit und die Gelenktemperatur haben einen Einfluss.
Risikofaktoren
Alle Faktoren, die den Harnsäurespiegel ansteigen lassen, erhöhen auch das Risiko, eine Gicht zu entwickeln. Ist man bereits erkrankt, machen sie weitere Anfälle wahrscheinlicher. Zu den Risikofaktoren für Gicht gehören:
- Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen: Dazu zählen vor allem entwässernde Medikamente (Diuretika), Acetylsalicylsäure (ASS), bestimmte Medikamente, die nach einer Organtransplantation eingenommen werden, sowie manche Krebsmedikamente.
- Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte: Diese Lebensmittel enthalten viele Purine. Wenn sie in größeren Mengen gegessen werden, erhöhen sie leicht das Gicht-Risiko. Auch manche pflanzliche Lebensmittel sind purinreich. Sie zeigten in Studien jedoch keinen Einfluss auf die Entstehung von Gicht.
- Alkohol: Alkoholische Getränke fördern die Bildung von Harnsäure und haben eine entwässernde Wirkung. Zudem führt Alkohol dazu, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden. Vor allem Bier enthält zudem relativ viele Purine. In Studien hat sich gezeigt, dass Alkohol ein Risikofaktor für Gicht ist. Es spielt aber eine Rolle, wie viel man trinkt.
- zuckerhaltige Getränke: Getränke, die viel (Frucht-)Zucker enthalten, können ebenfalls eine Rolle spielen. Dies gilt besonders für gezuckerte Getränke wie Cola und möglicherweise auch für Fruchtsäfte. Süßstoffhaltige Limonaden und Obst stehen eher nicht mit Gicht in Verbindung.
- Übergewicht: Das Risiko, an Gicht zu erkranken, ist bei Übergewicht erhöht – und steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index.
Auch wenn bestimmte Lebensmittel und andere Faktoren das Risiko für Gicht oder Gichtanfälle geringfügig erhöhen können: Wichtig ist vor allem, dass die Nieren gut funktionieren und einen Überschuss an Harnsäure verlässlich ausscheiden können.
Häufigkeit
Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis) in Industrieländern wie Deutschland. Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 % der Bevölkerung betroffen. Männer haben ein deutlich höheres Risiko für Gicht: Sie erkranken ungefähr 3-mal so oft und auch früher als Frauen. Während Gicht bei Männern meist ab dem 40. Lebensjahr auftritt, kommt sie bei Frauen in der Regel erst nach den Wechseljahren vor. Grund dafür sind hormonelle Einflüsse auf die Nieren.
Verlauf
Nach einem Gichtanfall erholt sich das Gelenk normalerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen von allein. Die meisten Menschen, die einen Gichtanfall hatten, erleben 6 Monate bis 2 Jahre danach einen weiteren. Erneute Anfälle können etwas länger anhalten und mehrere Gelenke betreffen.
Nach Jahren kann eine Gicht chronisch werden und zu einer dauerhaften Entzündung der Gelenke führen. Dann kann es zu Gelenkschäden kommen.
Allerdings wird Gicht nur bei manchen Menschen chronisch. Wie hoch dieses Risiko ist, hängt unter anderem davon ab, wie stark der Harnsäurewert erhöht ist und wie gut eine Gicht behandelt wird.
Folgen
Eine mögliche Folge sind Harnsäure-Ablagerungen in den Weichteilen, sogenannte Gichtknoten. Sie entstehen ebenfalls über Jahre und treten vor allem an den Ellbogen, den Achillessehnen, den Zehen- und Fingergelenken sowie am Ohr auf. Die meisten Gichtknoten sind nicht schmerzhaft. Unbehandelt entwickeln etwa 30 von 100 Personen mit akuter Gicht innerhalb von 5 Jahren Gichtknoten. Die Knoten können durch eine harnsäuresenkende Behandlung mit der Zeit auch wieder verschwinden.
Selten lagern sich Harnsäurekristalle an für Gicht untypischen Körperstellen ab, wie zum Beispiel im Bereich des Rückenmarks oder dem Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn sich dort Gichtknoten bilden, können sie auf die Nerven drücken und Komplikationen wie ein Karpaltunnelsyndrom oder Lähmungserscheinungen durch eine Quetschung des Rückenmarks auslösen.
Menschen mit Gicht haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Nierensteine. Nierensteine können schmerzhaft sein und zu Harnwegsinfektionen führen. Im Durchschnitt entwickelt knapp 1 von 100 Männern mit Gicht innerhalb eines Jahres Nierensteine.
Diagnose
Ärztinnen und Ärzte erkennen eine akute Gicht oft schon an den typischen Symptomen. Vor allem eine schmerzhafte, gerötete Schwellung am Grund- oder Endgelenk des großen Zehs ist ein ziemlich sicheres Anzeichen für Gicht.
Um Gicht eindeutig nachzuweisen, ist eine Gelenkpunktion erforderlich. Dabei wird mit einer feinen Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und anschließend im Labor untersucht. Finden sich Harnsäurekristalle in der Flüssigkeit, wird die Diagnose „Gicht“ gestellt. Diese Untersuchung wird aber nur gemacht, wenn die Beschwerden nicht eindeutig sind oder andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden sollen. Hierzu gehört insbesondere eine Infektion des Gelenks mit Bakterien, zum Beispiel durch eine Verletzung. Sie sollte rasch behandelt werden.
Manchmal wird auch ein Ultraschall der Gelenke empfohlen. Seltener werden eine Röntgen-Untersuchung oder eine Computer-Tomografie durchgeführt. Nur den Harnsäurespiegel im Blut zu bestimmen, ist zu wenig aussagekräftig, da er während eines Gichtanfalls oft in den Normalbereich absinkt.
Behandlung
Die Behandlung der Gicht hat zwei Ziele:
- Kurzfristig soll sie die Schmerzen bei einem Gichtanfall lindern.
- Langfristig soll sie weiteren Anfällen vorbeugen und das Risiko für chronische Entzündungen und Gelenkschäden senken.
Behandlung akuter Gichtanfälle
Gichtanfälle werden mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Dazu gehören:
- entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, zum Beispiel Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen
- Kortisonpräparate, in der Regel Tabletten mit dem Wirkstoff Prednisolon
- Gichtmedikamente mit dem Wirkstoff Colchicin
Wenn ein einzelner Wirkstoff die Schmerzen nicht ausreichend lindert, können die Mittel auch kombiniert werden. Das betroffene Gelenk zu kühlen, hilft wahrscheinlich ebenfalls und wird von vielen Menschen als angenehm empfunden.
Langfristige Gichtbehandlung
Das Ziel der langfristigen Gichtbehandlung ist, Gichtanfällen und Folgeproblemen vorzubeugen, indem man den Harnsäurespiegel senkt. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
- die Ernährung verändern: vor allem weniger Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte essen und weniger Alkohol trinken
- harnsäuresenkende Medikamente einnehmen, in der Regel Allopurinol
Nicht alle Menschen mit Gicht benötigen harnsäuresenkende Mittel. Vor allem nach einem ersten Gichtanfall ist eine Behandlung mit Medikamenten meist nicht nötig. Der Grund: Manche Menschen haben danach jahrelang keine oder nur selten Probleme.
Harnsäuresenkende Medikamente kommen vor allem infrage, wenn eine Umstellung der Ernährung nicht ausreicht, sich die Gichtanfälle häufen oder sie besonders belastend sind. Sie sind auch sinnvoll, wenn bereits Komplikationen wie Gichtknoten oder Nierensteine aufgetreten sind oder wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist.
Leben und Alltag
Die Schmerzen bei einem Gichtanfall können so stark sein, dass sie viele Alltagsaktivitäten unmöglich machen. Manche Menschen entwickeln aber mit der Zeit ein Gefühl dafür, wann sich ein Gichtanfall anbahnt – etwa, weil das betroffene Gelenk vorher zwickt, kribbelt, sich dumpf oder steif anfühlt. Sie bereiten sich dann auf den Gichtanfall vor: Zum Beispiel erledigen sie bestimmte Tätigkeiten, bevor die Schmerzen stärker werden, damit sie die betroffenen Gelenke während des Anfalls schonen können.
Ein Gichtanfall schränkt aber nicht nur körperlich ein. Er kann einen erholsamen Schlaf unmöglich machen und aufs Gemüt schlagen. Meist ist man nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen oder den Haushalt zu erledigen. Es kann hilfreich sein, wenn die Familie und der Freundeskreis darüber Bescheid wissen, wie schmerzhaft ein Gichtanfall ist. Dann können sie besser verstehen, warum an diesen Tagen Ruhe und Schonung wichtig sind.
Früher galt Gicht als Wohlstandserkrankung, die vor allem wohlgenährte und dem Alkohol zugeneigte ältere Männer trifft. Manche Menschen mit Gicht haben deshalb das Gefühl, als Person mit ausschweifendem Lebensstil abgestempelt zu werden. Dabei ist das ein Vorurteil – die Erkrankung kann ganz andere Ursachen haben.
Weitere Informationen
Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.
Quellen
Herausgeber:gesundheitsinformation.de
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