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Medikamente über lange Zeit anwenden

Medikamente über lange Zeit anwenden
Nächstes Update: 2028
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Viele Menschen benötigen dauerhaft Arzneimittel. Medikamente über einen längeren Zeitraum anzuwenden, kann jedoch schwerfallen – vor allem, wenn gleichzeitig mehrere Mittel nötig sind. Unterschiedliche Hilfsmittel und Strategien können dann unterstützen.

Jeden Tag Medikamente zu nehmen und an die regelmäßige Einnahme zu denken, ist nicht einfach. Dabei helfen können unter anderem:

  • regelmäßige Gespräche mit der Ärztin oder dem Apotheker, um zum Beispiel mehr über die Medikamente und deren Anwendung zu erfahren und vielleicht Informationsmaterial für zu Hause zu erhalten
  • Verpackungen oder Behälter, auf denen genau ablesbar ist, wann und wie zum Beispiel Tabletten eingenommen werden sollen
  • elektronische Erinnerungen an die Einnahme – zum Beispiel auf dem Smartphone

Ob diese Methoden tatsächlich nutzen und in welchem Maße, ist in bisherigen Studien nicht zuverlässig nachgewiesen. Es fehlen zudem Studien, die die Auswirkungen über mehrere Jahre beobachten.

Wie helfen Informationen bei der langfristigen Anwendung?

Große Tabletten zu schlucken oder beispielsweise mit einem Insulin-Pen umzugehen, fällt nicht jedem leicht. Wer Probleme mit der Darreichungsform und Anwendungstechnik hat, kann in der Arztpraxis oder Apotheke nachfragen:

  • Gibt es mehr Informationen zur richtigen Anwendung?
  • Lässt sich das Medikament in einer anderen Form anwenden, zum Beispiel als Kapsel oder als Saft?
  • Darf das Medikament zerkleinert und mit Speisen vermischt werden, damit das Schlucken leichter fällt?

Auch bestimmte Eigenheiten eines Medikaments können es erschweren, das Mittel langfristig anzuwenden: Bei manchen Medikamenten ist die erwünschte Wirkung nicht sofort oder gar nicht spürbar, wie etwa ein niedrigerer Blutzuckerspiegel bei Diabetes-Tabletten. Bei anderen Mitteln, zum Beispiel bei Antidepressiva, setzt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein. Wer dadurch den Eindruck bekommt, dass ein Medikament nicht wirkt, bricht die Einnahme möglicherweise wieder ab. Auch hier helfen Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt.

Manche Menschen lehnen eine Dauerbehandlung mit Medikamenten aus Angst vor Nebenwirkungen ab. Es kann aber sinnvoll sein, Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn der Nutzen überwiegt – insbesondere, wenn das Medikament das Fortschreiten einer ernsthaften Erkrankung aufhalten kann.

Um entscheiden zu können, ob man ein Medikament nehmen möchte oder nicht, ist es wichtig zu wissen, welche anderen Behandlungsmöglichkeiten bestehen – und was passieren könnte, wenn man auf eine Behandlung verzichtet. Es ist sinnvoll, Ängste und Bedenken mit Ärztin oder Arzt zu besprechen und nach mehr Informationen zu fragen. So lässt sich gemeinsam eine Entscheidung treffen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie andere Menschen mit derselben Erkrankung die Medikamenten-Einnahme langfristig schaffen, kann sich auch an eine Selbsthilfegruppe wenden.

Wie behalte ich den Überblick über meine Medikamente?

Den Überblick über die richtige Einnahme der Medikamente zu behalten, ist sehr wichtig – vor allem, wenn mehrere Mittel nötig sind. Folgendes kann dabei helfen:

Medikamenten-Dispenser

Die Medikamentenverpackungen lassen meist nicht sofort erkennen, wie und wann man sie nehmen soll oder ob man eine Dosis vergessen hat. Deshalb bieten Apotheken besondere Verpackungen oder Behälter an, die das auf einen Blick zeigen.

In diese sogenannten Medikamenten-Dispenser werden die Medikamente für eine ganze Woche in kleine Schubladen einsortiert – für jeden Wochentag eine, mit Fächern für morgens, mittags und abends. Wenn zum Beispiel Medikament A täglich 3-mal eingenommen werden soll, wird in alle Fächer eine Tablette gelegt. Sind jeden Abend auch noch zwei Tabletten des Medikaments B nötig, werden sie zusätzlich in das „abends“-Fach einsortiert.

Medikamenten-Liste

Es erleichtert den Überblick, wenn die Beipackzettel der Medikamente zusammen mit anderen wichtigen Gesundheitsunterlagen (etwa Arztbriefe, Befundberichte oder Impfpass) aufbewahrt werden.

Am besten schreibt man sich zusätzlich auf, welche Medikamente wann und in welcher Dosierung eingenommen werden müssen. Für die Auflistung ist ein Formblatt geeignet oder einfach ein Heft, in dem man alles notiert.

Die Grafik zeigt die Vorlage einer Medikamenten-Liste, die man ausdrucken und selbst ausfüllen kann.

Neben den verschreibungspflichtigen Medikamenten sollten auch alle Mittel notiert werden, die man ohne Rezept selbst gekauft hat. Dazu gehören auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Solche Präparate können ebenfalls Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. In die Liste gehören auch Arzneimittel, die nicht geschluckt, sondern auf andere Weise angewendet werden – etwa Asthma-Sprays oder Augentropfen.

Man kann die Medikamenten-Liste allein erstellen oder mit jemandem zusammen.

Wichtig ist,

dass Familienmitglieder oder eine betreuende Pflegekraft über die Medikamente Bescheid wissen.

Medikationsplan

Gesetzlich Versicherte haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf einen übersichtlichen Medikationsplan, den die Ärztin oder der Arzt für sie erstellt. Ein Anspruch besteht, wenn die folgenden drei Punkte zutreffen:

  • Es werden drei oder mehr rezeptpflichtige Medikamente benötigt.
  • Die Medikamente wirken systemisch – das heißt, sie verteilen sich im ganzen Körper.
  • Die Medikamente werden für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen verordnet.

Auf Wunsch wird der Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. Man hat aber weiterhin Anspruch auf die Papierversion. Der Medikationsplan umfasst nicht nur die verordneten Medikamente, sondern auch alle anderen Arzneimittel. Er ist einheitlich aufgebaut und enthält neben persönlichen Angaben wie Name und Geburtsdatum folgende Informationen:

  • Name des Medikaments: Wirkstoff und Handelsname
  • Höhe der Einzeldosis und Darreichungsform, zum Beispiel: 100 mg Tablette
  • Zeitpunkt, zu dem das Medikament angewendet wird, zum Beispiel: morgens und abends je 1 Tablette
  • besondere Hinweise, zum Beispiel: Aufbewahrung im Kühlschrank
  • Grund für die Anwendung, zum Beispiel: Bluthochdruck, Schmerzen oder Eisenmangel

Elektronische Patientenakte

In der elektronischen Patientenakte (ePA) gibt es eine Medikationsliste. Sie enthält die Arzneimittel, die man mittels eines E-Rezepts verschrieben bekommen hat. Künftig soll auch der Medikationsplan in die ePA integriert werden. Dann wird es möglich sein, dort Informationen zur Einnahme und Dosierung sowie zu nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten zu erfassen.

Was kann ich tun, um an meine Medikamente zu denken?

Es kann helfen, die Einnahme mit täglichen Routine-Tätigkeiten zu verbinden. Wer etwa seine Zähne immer zu der Zeit putzt, zu der auch die Medikamente eingenommen werden sollten, kann einen Erinnerungszettel oder die Medikamentenschachtel neben die Zahnbürste legen.

Notizzettel an der Kühlschranktür oder an einem anderen Ort, den man häufig im Blick hat, können auch eine Lösung sein. Wer seinen Alltag zum Beispiel mit einem Kalender auf dem Smartphone organisiert, kann sich per Erinnerung, Klingelton oder Vibration an die Einnahme erinnern lassen.

Manche Menschen verlassen sich lieber darauf, dass eine andere Person sie auf die Einnahme aufmerksam macht – etwa ein Familienmitglied oder eine Pflegekraft, die regelmäßig ins Haus kommt.

Was hilft, Medikamente langfristig sicher anzuwenden?

Medikamente haben ein Verfallsdatum. Wer es ab und zu kontrolliert, kann sichergehen, dass die Medikamente nicht abgelaufen sind, und denkt rechtzeitig daran, eine neue Packung zu besorgen. Dies ist gerade vor längeren Reisen wichtig. Wer spezielle Medikamentenbehälter benutzt, sollte beim Umfüllen genau darauf achten, nichts zu vertauschen.

Sollten die Medikamente doch einmal ausgehen: Auf Arzneien anderer Personen auszuweichen, zum Beispiel die „Herz-Tabletten“ der Partnerin oder des Partners, ist riskant. Die Mittel enthalten nicht unbedingt die Wirkstoffe, die man selbst benötigt. Zudem ist das Risiko für Nebenwirkungen höher, etwa weil die Dosierung nicht stimmt oder weil man bestimmte Wirkstoffe nicht verträgt. Falls ein Arztbesuch nicht sofort möglich sein sollte, ist es deshalb besser, telefonisch in der Praxis oder in einer Apotheke nachzufragen.

Nicht nur bei einer langfristigen Einnahme gilt: Wenn man das Gefühl hat, dass ein Medikament Schwierigkeiten bereitet, ist es wichtig, in der Arztpraxis oder Apotheke um Rat zu fragen. Vor dem Start einer mit neuen Medikamenten sollte die Ärztin oder der Arzt informiert werden, wenn schon einmal eine allergische Reaktion auf einen Wirkstoff oder starke Nebenwirkungen aufgetreten sind. Gleiches gilt in der Apotheke vor dem Kauf rezeptfreier Arzneimittel.

Arzneimittel sollte man nicht aus unseriösen Quellen im Internet beziehen – vor allem keine verschreibungspflichtigen Medikamente. Sie könnten gefälscht und mit schädlichen Substanzen verunreinigt oder unwirksam sein. Ein erster Hinweis darauf können ungewohnte Nebenwirkungen sein, oder dass die Beschwerden trotz Behandlung wieder auftreten.

Zur sicheren Anwendung gehört nicht zuletzt auch, Medikamente nicht sofort abzusetzen, sobald man sich besser fühlt. Wer zum Beispiel ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt die Einnahme von Antibiotika beendet, bevor die verschriebene Menge aufgebraucht ist, kann einen bekommen.

Quellen

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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