Pertuzumab / Trastuzumab (Phesgo, Perjeta) als adjuvante Therapie bei Brustkrebs

Einleitung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2022 erneut geprüft, ob die Kombination Pertuzumab / Trastuzumab (Handelsnamen Phesgo, Perjeta) als subkutane oder intravenöse Therapie für Erwachsene mit HER2-positivem, frühem Brustkrebs nach einer Operation mit hohem Risiko für ein Wiederauftreten im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.
Für die Bewertung der adjuvanten Therapie mit Pertuzumab / Trastuzumab legte der Hersteller eine Studie vor, aus der die Behandlungsergebnisse von 3634 Personen verglichen werden konnten. Auch wenn in dieser Pertuzumab und Trastuzumab nicht als Injektion, sondern als kombinierte Infusionen untersucht wurden, konnten die Ergebnisse wegen der gleichen Wirksamkeit der Arzneimittel auf die neue Fragestellung übertragen werden. Es nahmen fast nur Frauen an der Studie teil. Die eine Hälfte erhielt ein Jahr lang Pertuzumab plus Trastuzumab plus Chemotherapie, die andere Hälfte ein Scheinmedikament (Placebo) plus Trastuzumab plus Chemotherapie. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Pertuzumab / Trastuzumab?
Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Pertuzumab hin: In der Gruppe mit Pertuzumab / Trastuzumab waren in einer Studienzeit bei einer mittleren Beobachtungszeit (Median) von etwa 8 Jahren 8 von 100 Frauen verstorben. Ohne Pertuzumab waren es 10 von 100 Frauen.
Rückfall: Die Studie weist hier auf einen Vorteil von Pertuzumab hin. Nach einer mittleren Beobachtungszeit (Median) von etwa 8 Jahren hatten bei der Therapie mit Pertuzumab plus Trastuzumab plus Chemotherapie 14 von 100 Frauen einen Rückfall (Rezidiv), bei der Therapie ohne Pertuzumab waren es 19 von 100 Frauen. Die gleichen Ergebnisse zeigten sich für das krankheitsfreie Überleben.
Emotionale Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Erste Abschätzungen deuten darauf hin, dass sich mit Pertuzumab behandelte Frauen 3 Jahre nach Ende der Therapie beispielsweise weniger niedergeschlagen fühlten als Frauen, die eine Standardtherapie erhielten. Direkt nach Therapieende zeigte sich kein Vorteil für diesen Aspekt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Rollenfunktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Hier deutet die Studie darauf hin, dass sich mit Pertuzumab behandelte Frauen unter 65 Jahren 3 Jahre nach der Behandlung in ihrem Alltag weniger eingeschränkt fühlten als Frauen, die eine Standardtherapie erhielten. Bei Frauen ab 65 Jahren und direkt nach Therapieende zeigte sich dieser Zusammenhang bei diesem Aspekt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität nicht.
Schwere Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen: Bei diesen schweren Nebenwirkungen weist die Studie auf einen Vorteil von der zusätzlichen Gabe von Pertuzumab hin.
Welche Nachteile hat Pertuzumab / Trastuzumab?
Nur bei den untersuchten Frauen ab 65 Jahren deutet die Studie kurz nach Therapieende auf einen Nachteil von Pertuzumab bei Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie bei den körperlichen Aktivitäten des Alltags (gesundheitsbezogene Lebensqualität) hin. 3 Jahre nach der Behandlung gab es keinen Unterschied mehr.
Für die Frauen unter 65 Jahren zeigte sich zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied.
Schwere Nebenwirkungen: Die Studie weist auf einen Nachteil von Pertuzumab für schwere Nebenwirkungen hin. Bei der Therapie mit Pertuzumab plus Trastuzumab plus Chemotherapie hatten 29 von 100 Frauen schwere Nebenwirkungen, bei der Standardtherapie ohne Pertuzumab waren es nur 25 von 100 Frauen.
Bei folgenden einzelnen schweren Nebenwirkungen weist die Studie auf einen Nachteil von Pertuzumab hin:
- Schwerer Durchfall
- Herzinsuffizienz
- Schwere Anämie
- Schwere Ermüdung
- Erniedrigte Leukozytenanzahl im Blut
- Schwere Entzündung der Mundschleimhaut
- Schwere Stoffwechsel- oder Ernährungsstörungen
- Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes: Nur für Personen unter 65 Jahre
Juckreiz der Haut und Schleimhaut: Bei dieser Nebenwirkung wies die Studie ebenfalls auf einen Nachteil von Pertuzumab hin.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Bei den folgenden Aspekten zeigte sich kein Unterschied:
- Schmerz
- Atemnot
- Schlaflosigkeit
- Verstopfung
- Beschwerden im Arm- und Brustbereich
- Belastung durch Haarausfall
- Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen
Kein relevanter Unterschied zeigte sich bei der Krankheitsbeschwerde Erschöpfung (Fatigue).
Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Bei der sozialen und kognitiven Funktion, dem eigenen Körperbild, der Freude am Sex oder bei Zukunftsperspektiven gab es keinen Unterschied zwischen den Behandlungen. Auch bei der Gesamteinschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich kein Unterschied.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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