Rezeptfreie Schmerzmittel sicher anwenden

Einleitung
Viele Schmerzmittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie können Schmerzen wirksam lindern, aber auch zu Nebenwirkungen führen. Für eine sichere Anwendung ist es wichtig, auf die Dosierung und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu achten.
Rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke, wie zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol, können akute Schmerzen lindern. Wie wirksam ein Mittel ist, hängt unter anderem von der Art und Stärke der Schmerzen ab, aber auch davon, wie das Medikament dosiert wird. Ohne Rezept erhältliche Schmerzmittel sind zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen zugelassen. Sie sollten nur wenige Tage hintereinander und nur bis zu einer festgelegten Tages-Höchstdosis eingenommen werden.
Schmerzmittel können Nebenwirkungen haben – selten auch ernste wie Magenblutungen oder Herzprobleme. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. Dies gilt besonders für Menschen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder häufiger zu Schmerzmitteln greifen. Ausführliche Informationen zum Anwendungsgebiet eines Medikaments, zur Dosierung und Einnahmedauer enthält der Beipackzettel. Bei Fragen zur richtigen Einnahme kann man sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten lassen.
Welche Schmerzmittel sind rezeptfrei erhältlich?
Die größte Gruppe rezeptfreier Schmerzmittel sind die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie werden so genannt, weil sie früher vor allem zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen eingesetzt wurden und im Gegensatz zu anderen Rheumamitteln keine Steroide enthalten. Heute werden rezeptfreie NSAR bei ganz unterschiedlichen Schmerzen eingesetzt – ob bei Kopfweh, einer schmerzhaften Periode oder Zahnschmerzen. NSAR wirken außerdem entzündungshemmend und fiebersenkend.
Es gibt mehr als zehn verschiedene NSAR, aber nicht alle Mittel sind rezeptfrei erhältlich. Manche sind nur in geringer Dosierung rezeptfrei – höhere Dosierungen müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben werden. Die folgenden NSAR bekommt man in der Apotheke ohne ärztliches Rezept:
- Acetylsalicylsäure, kurz: ASS, etwa in „Aspirin“ (in einer Dosierung bis zu 500 Milligramm (mg) pro Tablette)
- Diclofenac (bis zu 25 mg pro Tablette)
- Ibuprofen (bis zu 400 mg pro Tablette)
- Naproxen (bis zu 250 mg pro Tablette)
Diese Medikamente sind auch die am häufigsten eingesetzten NSAR.
Ein anderes rezeptfreies und sehr verbreitetes Schmerzmittel ist Paracetamol. Es wirkt ebenfalls schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber im Gegensatz zu NSAR keine entzündungshemmende Wirkung.
Manche Präparate enthalten eine Kombination aus einem NSAR und Paracetamol, zum Beispiel ASS und Paracetamol. Manchmal enthalten sie zusätzlich Koffein. Ob solche Kombinationen gegenüber einzelnen Wirkstoffen Vor- oder Nachteile haben, ist unklar. Es gibt bisher noch keine ausreichend aussagekräftigen Studien, in denen Kombinations- mit Einzelpräparaten verglichen wurden.
Wie wirken NSAR?
NSAR wirken, indem sie bestimmte Enzyme hemmen, die sogenannten Cyclooxygenasen oder COX-Enzyme. Sie werden daher auch als COX-Hemmer bezeichnet. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung bestimmter Gewebshormone, zum Beispiel der Prostaglandine. Diese haben unterschiedliche Aufgaben, wie etwa Entzündungsreaktionen auszulösen und zu steuern. Aber auch andere Körperfunktionen, zum Beispiel die Blutgerinnung und die Bildung von Magensäure, werden von diesen Gewebshormonen beeinflusst. Es gibt zwei unterschiedliche COX-Enzyme:
- COX-1 ist vor allem in Magen, Nieren und Blutplättchen vorhanden und sorgt für ein natürliches Gleichgewicht der beeinflussten Abläufe.
- COX-2 wird vor allem dort gebildet, wo es zu Entzündungen kommt. Es verstärkt Reaktionen wie Schmerzen, Schwellungen und Fieber.
Weil die rezeptfreien NSAR beide COX-Enzyme hemmen, können sie Schmerzen und Fieber lindern und Entzündungsreaktionen abschwächen. Allerdings werden auch andere Abläufe gebremst, die von COX-Enzymen gesteuert werden. Dadurch können die Mittel zu Nebenwirkungen führen, vor allem zu Magenproblemen.
Die Nebenwirkungen sind aber nicht bei allen Schmerzmitteln gleich: Acetylsalicylsäure (ASS) hemmt zum Beispiel das COX-1-Enzym etwas stärker, der Wirkstoff Diclofenac dagegen vor allem COX-2.
Gut zu wissen:
Bestimmte rezeptpflichtige NSAR hemmen ausschließlich (selektiv) das COX-2-Enzym und gelten deshalb als magenverträglicher. Sie können aber trotzdem Magenprobleme und andere Nebenwirkungen verursachen, etwa Herzprobleme.
Wie wirkt Paracetamol?
Der Wirkmechanismus von Paracetamol ist bislang nicht geklärt. Es gibt verschiedene Theorien hierzu – etwa, dass es ebenfalls Gewebshormone beeinflusst.
Wie dosiere ich Schmerzmittel richtig?
Das Risiko für Nebenwirkungen lässt sich senken, indem Schmerzmittel so niedrig wie möglich dosiert werden. Grundsätzlich ist es wichtig, die Höchstdosis pro Einnahme und Tag nicht zu überschreiten.
| Wirkstoff | Höchstdosis pro Einnahme | Tägliche Höchstdosis |
|---|---|---|
| ASS | 1000 mg |
|
| Diclofenac | 25 mg | 75 mg |
| Ibuprofen | 400 mg | 1200 mg |
| Naproxen | 500 mg | 750 mg |
| Paracetamol | 1000 mg | 4000 mg |
| Kombinationspräparat mit ASS, Paracetamol und Koffein | 500 mg ASS / 400 mg Paracetamol / 100 mg Koffein | 1500 mg ASS / 1200 mg Paracetamol / 300 mg Koffein |
Wer also beispielsweise Ibuprofen in einer Dosierung von 400 mg pro Tablette anwendet, sollte über den Tag (24 Stunden) verteilt nicht mehr als 3 Tabletten einnehmen.
Diese Angaben gelten, wenn man die Medikamente ohne Rezept anwendet. Werden die Schmerzmittel ärztlich verschrieben, können bei manchen Wirkstoffen auch höhere Dosierungen möglich sein.
Unterschiedliche NSAR sollten nicht kombiniert werden. Möglich ist aber die Kombination von NSAR mit Paracetamol, wenn ein Mittel die Schmerzen nicht ausreichend lindert.
Für Kinder gelten – je nach Alter und Gewicht – andere, zum Teil deutlich niedrigere Dosierungen. Manche der genannten Medikamente sollte man Kindern nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt geben.
Welche Nebenwirkungen haben NSAR?
Wenn man sie in der richtigen Dosierung und nur über einen kurzen Zeitraum anwendet, sind rezeptfreie NSAR in der Regel gut verträglich. Wichtig ist, dass nichts gegen die Einnahme spricht, zum Beispiel eine Vorerkrankung der Nieren.
Probleme im Magen-Darm-Trakt
Die häufigste Nebenwirkung von NSAR sind Magenprobleme. Meist sind das leichte Beschwerden wie Magenverstimmungen oder Bauchschmerzen. Seltener kommt es zu ernsten Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Blutungen können sich durch diese Anzeichen bemerkbar machen:
- schwarz gefärbter Stuhl
- Anzeichen einer Blutarmut wie Abgeschlagenheit, Luftnot bei körperlichen Anstrengungen oder Blässe
Selten beschädigt ein Geschwür ein größeres Blutgefäß, aus dem es dann stark blutet. Ein Alarmzeichen dafür ist, wenn man Blut erbricht (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes). Auch der Durchbruch der Magenwand (Magenperforation) mit plötzlich auftretenden starken Bauchschmerzen zählt zu den seltenen schweren Nebenwirkungen. Eine schwere Magenblutung und ein Magendurchbruch sind lebensbedrohlich. Bei Verdacht auf diese ernsten Nebenwirkungen muss daher sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Das Risiko für schwere Nebenwirkungen ist höher, wenn NSAR in hohen, verschreibungspflichtigen Dosierungen und über längere Zeit eingenommen werden. Dann treten bei etwa 1 bis 2 von 100 Personen solche ernsten Probleme im Magen-Darm-Trakt auf.
Gut zu wissen:
Durch zusätzliche Medikamente, die den Magen schützen, lässt sich das Risiko für schwere Nebenwirkungen deutlich senken. Hierzu werden in der Regel Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt.
Die kurzfristige Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel führt sehr selten zu solchen ernsten Nebenwirkungen. Folgende Faktoren erhöhen jedoch das Risiko:
- Alter über 65 Jahre
- akute oder zurückliegende Magengeschwüre oder Magenschleimhautentzündungen
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- mehrere NSAR gleichzeitig einzunehmen
- bereits niedrig dosiertes ASS zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu nehmen
- zusätzlich gerinnungshemmende Medikamente, Medikamente mit Kortison oder Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI einzunehmen
Weitere Nebenwirkungen bei NSAR
Andere mögliche schwere Nebenwirkungen von NSAR betreffen vor allem das Herz-Kreislauf-System. Die Mittel können zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkte erhöhen. Hier ist es ähnlich wie bei den Magenproblemen: Das Risiko ist vor allem erhöht, wenn man NSAR wie Diclofenac oder Ibuprofen in ärztlich verordneter, höherer Dosierung einnimmt. Auch bei verschreibungspflichtigen NSAR – sogenannten Coxiben – ist es höher.
Beim rezeptfreien Gebrauch ist es anders: In niedrigen Dosierungen erhöht beispielsweise Ibuprofen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht. Bei Diclofenac bleibt ein – wenn auch geringes – Restrisiko. Ein höheres Risiko hat, wer bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Bluthochdruck hat oder schon einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte.
Schwere Nebenwirkungen von NSAR sind insgesamt wahrscheinlicher, wenn schon eine andere Erkrankung vorliegt. Zum Beispiel können die Medikamente die Nierenfunktion stören – das wird zum Problem, wenn man bereits geschwächte Nieren hat. NSAR wie Acetylsalicylsäure können auch Asthma-ähnliche Hustenanfälle auslösen. Bei Menschen mit Asthma kann das die Atemprobleme verstärken.
Eine seltene Komplikation ist das sogenannte Reye-Syndrom. Es kann auftreten, wenn Kinder mit einer fieberhaften Virusinfektion Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen. Das Reye-Syndrom kann zu lebensbedrohlichen Leber- und Hirnschäden führen.
Welche Nebenwirkungen gibt es bei Paracetamol?
Paracetamol ist in der Regel gut verträglich. Wie bei NSAR gilt aber: Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, das Mittel in der richtigen Dosierung und nur über einen kurzen Zeitraum einzunehmen. Vorher sollte man im Beipackzettel nachlesen, ob etwas gegen die Einnahme spricht.
In Studien wurden selten leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel beobachtet. Schwere Nebenwirkungen von Paracetamol sind möglich, wenn das Mittel in zu hoher Dosis eingenommen wird. Dann kann es zu einer Vergiftung kommen. Unbehandelt kann diese Überdosierung zum Tod führen, weil die Leber stark geschädigt wird.
Wann sollte ich auf bestimmte Schmerzmittel verzichten?
Es gibt einige Vorerkrankungen, die gegen die Einnahme von NSAR oder Paracetamol sprechen. Es ist ratsam, sich dazu in der Apotheke oder Arztpraxis beraten zu lassen.
NSAR sind etwa bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung nicht geeignet. Auch Menschen mit einem Magengeschwür oder schwerer Herzschwäche sollten keine NSAR nehmen. In der Schwangerschaft dürfen, je nach Schwangerschaftswoche, nur bestimmte NSAR angewendet werden. Wer an Asthma erkrankt ist, kann durch NSAR Atemprobleme bekommen.
Paracetamol eignet sich nicht für Menschen mit Lebererkrankungen, da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und sie schwer schädigen kann. Auch für alkoholkranke Menschen ist Paracetamol nicht geeignet. Bei einer fortgeschrittenen Nierenschwäche ist es nötig, einen Abstand von acht Stunden zwischen der Einnahme der Tabletten einzuhalten.
Für Kinder unter zwölf Jahren mit fieberhaften Virusinfekten ist Acetylsalicylsäure aufgrund der Gefahr des Reye-Syndroms nicht geeignet.
Wie lassen sich Probleme durch Schmerzmittel vermeiden?
Das Risiko für Nebenwirkungen durch Schmerzmittel lässt sich verringern, wenn man den Beipackzettel beachtet. Folgende Maßnahmen sind hilfreich:
- Schmerzmittel immer nach der Faustregel „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ anwenden
- Medikamente nicht länger als nötig einsetzen
- mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bedenken
- prüfen, ob bestehende Risiken oder Erkrankungen gegen die Einnahme bestimmter Wirkstoffe sprechen
Welche Wechselwirkungen haben NSAR und Paracetamol mit anderen Medikamenten?
Rezeptfreie Schmerzmittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Von einer Wechselwirkung spricht man, wenn zwei Medikamente sich gegenseitig beeinflussen und zum Beispiel in ihrer Wirkung verstärken, sie abschwächen oder aufheben. Eine Wechselwirkung kann dazu führen, dass die Medikamente nicht mehr so gut helfen oder das Risiko für Nebenwirkungen steigt.
NSAR können mit verschiedenen Medikamenten wechselwirken:
- Wenn NSAR zusammen mit bestimmten Mitteln eingenommen werden, steigt das Risiko für Nierenschäden. Das sind etwa Medikamente wie Ciclosporin und Tacrolimus, die das Immunsystem unterdrücken. Weitere Beispiele sind entwässernde Medikamente (Diuretika) oder bestimmte Blutdrucksenker (ACE-Hemmer und Sartane).
- Gerinnungshemmende Medikamente wie Clopidogrel und Marcumar können durch NSAR in ihrer Wirkung verstärkt werden. Sie lösen dann eher Blutungen aus.
Alkohol und einige Medikamente, aber auch Mangelernährung können den Abbau von Paracetamol beeinflussen, sodass es zu einer Überdosierung des Schmerzmittels kommen kann. Das ist einer der Gründe, warum Paracetamol in Kombination mit manchen Medikamenten oder Alkohol zu Leberschäden führen kann. Deshalb sollte man auf Alkohol verzichten, solange man Paracetamol einnimmt.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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