InformationenMuskel- und GelenkerkrankungenTennisarm und Golferarm

Tennisarm und Golferarm

Tennisarm und Golferarm
Aktualisiert am: 29.10.2025· Nächstes Update: 2028
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen können die Beschwerden bei einem Tennisarm lindern – auch wenn dazu etwas Ausdauer und Geduld nötig sind. Wie die folgenden Übungsbeispiele zeigen, sind sie leicht machbar und lassen sich gut in den Alltag einbauen.

Einen Tennisarm erkennt man daran, dass die Außenseite des Ellenbogens beim Bewegen des Armes schmerzt und das Zupacken schwerfällt. Bis sich die Beschwerden eines Tennisarms bessern, kann es einige Zeit dauern. Bei den meisten Menschen verschwinden die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen innerhalb eines Jahres auch ohne größere Behandlung wieder. Dehn- und Kräftigungsübungen können dazu beitragen, dass sie schneller wieder abklingen. Am besten untersucht ist die sogenannte exzentrische Trainingstherapie. Bei dieser Behandlungsform wird die Streckmuskulatur im Unterarm gedehnt und gestärkt – also die Muskulatur, die beispielsweise beim Rückhandschlag beim Tennis oder bei Schraubbewegungen belastet wird. Dehnen (Stretching) wird ebenfalls häufig empfohlen – auch wenn die Wirksamkeit von Dehnübungen bislang nicht erwiesen ist.

Welche Übungen sinnvoll sind, kann mit Physiotherapeutinnen oder Physiotherapeuten, Ärztinnen oder Ärzten besprochen werden.

Symptome

Tennisarm und Golferarm sind gut zu unterscheiden: Bei einem Tennisarm schmerzt die Außenseite des Ellenbogens, bei einem Golferarm die Innenseite.

Gemeinsam haben sie: Die Schmerzen treten meist bei Bewegung oder Berührung auf. Sie können bis in den Ober- und Unterarm sowie in die Hand ausstrahlen. Typisch sind Schmerzen, wenn man das Handgelenk streckt (Tennisarm) oder beugt (Golferarm). Manchmal ist der Arm weniger beweglich. In Ruheposition können die Schmerzen zwar nachlassen, manchmal treten sie aber auch nachts auf und stören den Schlaf.

Ursachen und Risikofaktoren

Im Ellenbogen setzen die Sehnen der Muskeln an, die an der Streckung und Beugung des Handgelenks beteiligt sind. Fachleute gehen davon aus, dass kleine Verletzungen und Verschleiß am Ansatz der Muskelsehnen die Schmerzen auslösen.

Schmerzregion bei Tennisarm (Außenseite des Ellenbogens)
Schmerzregion bei Tennisarm (Außenseite des Ellenbogens)
Schmerzregion bei Golferarm (Innenseite des Ellenbogens)
Schmerzregion bei Golferarm (Innenseite des Ellenbogens)

Die Beschwerden treten oft bei Menschen auf, die ihre Unterarmmuskulatur plötzlich ungewohnt stark belasten. Sie können sich aber auch durch regelmäßige einseitige Belastungen über längere Zeit entwickeln. Mögliche Ursachen sind:

  • Sportarten wie Tennis oder Rudern (bei Tennisarm), Golf oder Wurfsportarten (bei Golferarm), Krafttraining
  • Handwerksarbeiten wie Malern, Schreinern, Holzhacken
  • schweres Heben
  • Spielen von Musikinstrumenten, zum Beispiel Klavier
  • Arbeit am Computer oder an einer Supermarktkasse
  • Kochen, zum Beispiel Gemüseschneiden oder -schälen

Ein Tennisarm oder Golferarm kann also tatsächlich durch Tennis- oder Golfspielen verursacht sein. Bei den meisten Menschen haben die Beschwerden aber andere Gründe.

Häufigkeit

Etwa 2 % der Bevölkerung haben einen Tennisarm, weniger als 1 % einen Golferarm. Die Beschwerden treten meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf – wahrscheinlich, weil die Muskulatur ab dem mittleren Lebensalter anfälliger für Überlastungen ist. Frauen und Männer sind ähnlich häufig betroffen.

Verlauf

Manchmal verschwinden die Beschwerden schon nach wenigen Wochen. Oft dauern sie jedoch einige Monate an. Etwa 80 % der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Bei den anderen dauert es länger.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst, bei welchen Tätigkeiten die Beschwerden spürbar sind und ob es Vorerkrankungen gibt. Dann untersucht sie oder er den Arm und prüft, welche Bewegungen genau die Schmerzen auslösen. Dabei wird beispielsweise der Arm mit der Handfläche nach unten ausgestreckt und die Hand gegen Widerstand nach oben und unten gedrückt. Schmerzen am Ellenbogen beim Nach-oben-Drücken sprechen für einen Tennisarm, beim Nach-unten-Drücken für einen Golferarm.

Meist reicht die körperliche Untersuchung aus. Röntgenuntersuchungen, Ultraschall oder eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) sind nur sinnvoll, wenn ein Verdacht auf eine andere Erkrankung oder Verletzung besteht.

Behandlung

Es kann einige Monate dauern, bis die Beschwerden wieder verschwinden – meist auch ohne größere Behandlung. Sinnvoll ist es, die schmerzauslösenden Tätigkeiten möglichst erst einmal zu vermeiden oder die Belastungen zumindest so zu verringern, dass die Beschwerden nachlassen.

Spezielle Kräftigungsübungen für den Unterarm und das Handgelenk können helfen, die Beschwerden zu lindern – dies wird exzentrisches Training genannt. Ziel dabei ist es, die Schmerzen zu lindern sowie die Beweglichkeit und Belastbarkeit von Arm und Handgelenk zu verbessern. Übungen bei Tennis- und Golferarm kann man eigenständig zu Hause machen. Auch eine manuelle Therapie durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten kann helfen.

Schmerzmittel wie Ibuprofen aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können die Beschwerden kurzfristig lindern. Kortisonspritzen wirken ebenfalls schmerzlindernd, können den Heilungsprozess aber stören. Einige wenige Studien deuten an, dass sich die Schmerzen bei einem Tennisarm durch eine Ultraschalltherapie etwas bessern können.

Wenn die Beschwerden trotz Behandlung über lange Zeit anhalten, werden manchmal Operationen angeboten. Ihr Nutzen ist bislang aber kaum in Studien untersucht.

Daneben gibt es viele weitere Behandlungen, für die bisher aber nicht nachgewiesen ist, dass sie helfen. Dazu gehören verschiedene Spritzen (zum Beispiel mit Eigenblut oder Botox), Lasertherapie, Elektrotherapie, Massagen, Stoßwellentherapie und Akupunktur. Diese Behandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht bezahlt.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Quellen

Ahmad Z, Siddiqui N, Malik SS et al. Lateral epicondylitis: a review of pathology and management. Bone Joint J 2013; 95-B(9): 1158-1164.

Amin NH, Kumar NS, Schickendantz MS. Medial epicondylitis: evaluation and management. J Am Acad Orthop Surg 2015; 23(6): 348-355.

Barreto ES, Antunes Junior CR, Alencar VB et al. The efficacy of Botulinum Toxin in Tennis Elbow: a meta-analysis of randomized clinical trials. Int Orthop 2024; 48(12): 3139-3149.

Bisset L, Coombes B, Vicenzino B. Tennis elbow. Clin Evid 2011: 1117.

Buchbinder R, Johnston RV, Barnsley L et al. Surgery for lateral elbow pain. Cochrane Database Syst Rev 2011; (3): CD003525.

Dingemanse R, Randsdorp M, Koes BW et al. Evidence for the effectiveness of electrophysical modalities for treatment of medial and lateral epicondylitis: a systematic review. Br J Sports Med 2014; 48(12): 957-965.

Donaldson O, Vannet N, Gosens T et al. Tendinopathies Around the Elbow Part 2: Medial Elbow, Distal Biceps and Triceps Tendinopathies. Shoulder Elbow 2014; 6(1): 47-56.

Dong W, Goost H, Lin XB et al. Injection therapies for lateral epicondylalgia: a systematic review and Bayesian network meta-analysis. Br J Sports Med 2016; 50(15): 900-908.

Hegmann KT, Hoffman HE, Belcourt RM et al. ACOEM practice guidelines: elbow disorders. J Occup Environ Med 2013; 55(11): 1365-1374.

Karanasios S, Tsamasiotis GK, Michopoulos K et al. Clinical effectiveness of shockwave therapy in lateral elbow tendinopathy: systematic review and meta-analysis. Clin Rehabil 2021; 35(10): 1383-1398.

Kim YJ, Wood SM, Yoon AP et al. Efficacy of Nonoperative Treatments for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Plast Reconstr Surg 2021; 147(1): 112-125.

Loew LM, Brosseau L, Tugwell P et al. Deep transverse friction massage for treating lateral elbow or lateral knee tendinitis. Cochrane Database Syst Rev 2014; (11): CD003528.

Mattie R, Wong J, McCormick Z et al. Percutaneous Needle Tenotomy for the Treatment of Lateral Epicondylitis: A Systematic Review of the Literature. PM R 2017; 9(6): 603-611.

Navarro-Santana MJ, Sanchez-Infante J, Gomez-Chiguano GF et al. Effects of manual acupuncture and electroacupuncture for lateral epicondylalgia of musculoskeletal origin: a systematic review and meta-analysis. Acupunct Med 2021; 39(5): 405-422.

Orchard J, Kountouris A. The management of tennis elbow. BMJ 2011; 342: d2687.

Raman J, MacDermid JC, Grewal R. Effectiveness of different methods of resistance exercises in lateral epicondylosis - a systematic review. J Hand Ther 2012; 25(1): 5-25; quiz 26.

Shiri R, Viikari-Juntura E. Lateral and medial epicondylitis: role of occupational factors. Best Pract Res Clin Rheumatol 2011; 25(1): 43-57.

Tang H, Fan H, Chen J et al. Acupuncture for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review. Evid Based Complement Alternat Med 2015: 861849.

Inhalt teilen

Passende Anbieter zu diesem Thema