Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?

Einleitung
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone. Dies kann mit Medikamenten, einer Operation oder Radiojod behandelt werden. Welche Therapie am besten geeignet ist, hängt vor allem von der Ursache der Erkrankung ab.
Wenn die Schilddrüse zu viele Hormone bildet und in den Blutkreislauf abgibt, können viele unterschiedliche Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten. Das kann zum Beispiel zu Gewichtsverlust, nervöser Unruhe oder Herzrasen führen. Für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen verschiedene Ursachen infrage – die häufigste ist die Basedow-Krankheit. Oft haben auch Schilddrüsenzellen, die zu viele Hormone produzieren, einen größeren Knoten gebildet oder sich in der gesamten Drüse verteilt (sogenannte Schilddrüsenautonomie).
Milde Formen einer Schilddrüsenüberfunktion können von selbst zurückgehen. In der Regel verschlechtern sich die Symptome aber ohne Therapie.
Wann kommt welche Behandlung infrage?
Die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen wird meist zunächst mit Medikamenten gebremst, um normale Hormonwerte zu erreichen. Sie sind die Voraussetzung für weitere Behandlungen je nach Ursache:
- Eine Schilddrüsenautonomie wird häufig mit Radiojod behandelt.
- Bei stark vergrößerter Schilddrüse wird meist zu einer Operation geraten.
- Bei der Basedow-Krankheit kann es ausreichen, über etwa ein Jahr Medikamente einzunehmen. Oft ist aber eine Operation oder Radiojodtherapie nötig, um die Schilddrüsenfunktion dauerhaft zu normalisieren.
Für die Wahl der Therapie sind aber nicht nur die Ursachen entscheidend: Manche Menschen vertragen zum Beispiel die nötigen Medikamente nicht, andere möchten sich nicht operieren lassen. Dann ist es ratsam, die möglichen Behandlungen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.
Welche Medikamente gibt es?
Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion sind die sogenannten Thyreostatika. Sie hemmen die Bildung von Schilddrüsenhormonen. In der Regel werden die Wirkstoffe Thiamazol und Carbimazol eingesetzt. Wenn diese Mittel nicht vertragen werden, wird manchmal auch Propylthiouracil angewendet. Es ist sinnvoll, die Vor- und Nachteile der Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Thyreostatika-Therapie zählen Hautausschlag, Fieber und Gelenkbeschwerden. Bei Fieber ist ein sofortiger Arztbesuch wichtig, da es – wenn auch selten – auf eine gestörte Blutbildung hinweisen kann.
Manchmal kommt auch der Wirkstoff Perchlorat infrage. Er verhindert, dass die Schilddrüse Jod aufnimmt. Jod ist ein Spurenelement, das die Drüse für die Hormonbildung benötigt. Steht viel Jod zur Verfügung, kann eine überaktive Drüse auch viele Hormone herstellen. Das Medikament wird zum Beispiel bei Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, die sich wegen einer anderen Erkrankung einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel unterziehen müssen.
Wenn die Schilddrüsenüberfunktion zu Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen führt, kann zusätzlich zu Thyreostatika auch ein Betablocker (meist Propranolol) eingenommen werden. Bei einer Basedow-Krankheit werden manchmal auch kortisonhaltige Mittel eingesetzt.
Was passiert bei einer Operation?
Ist ein einzelner Knoten (autonomes Adenom) für die Überfunktion verantwortlich, reicht es, den Knoten oder die betroffene Hälfte der Schilddrüse zu entfernen. Ist die gesamte Drüse vergrößert und von autonomem Schilddrüsengewebe oder Knoten durchsetzt, wird das Organ meist komplett oder bis auf einen kleinen Rest entfernt. Wenn bei einer Basedow-Krankheit eine Operation nötig ist, wird in der Regel die gesamte Drüse entfernt.
Jeder Eingriff hat allgemeine Operationsrisiken wie Blutungen, Wundinfektionen oder Wundheilungsstörungen. Bei einer Schilddrüsen-OP kann außerdem der sogenannte Stimmnerv verletzt werden, was zu einer vorübergehenden, seltener auch dauerhaften Heiserkeit führen kann. Sehr selten kommt es zu Atemproblemen.
Auch die Nebenschilddrüsen, die den Kalziumhaushalt steuern, können geschädigt werden. Sie sind jeweils etwa so groß wie eine Linse und liegen hinten an der Schilddrüse. Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen sind nach einer Schilddrüsenoperation meist nur vorübergehend. Bleiben sie bestehen, muss man dauerhaft Kalzium und Vitamin D einnehmen.
Wie funktioniert eine Radiojodtherapie?
Um Schilddrüsenhormone herstellen zu können, nimmt die Schilddrüse Jod auf. Diese Eigenschaft nutzt man bei der Radiojodtherapie: Radioaktives Jod (Radiojod) wird als Kapsel oder in Wasser gelöst eingenommen. Es sammelt sich in der Schilddrüse an und zerstört überaktive Zellen. Dadurch verringert sich die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Strahlungsmenge ist dabei sehr gering und verlässt den Körper zum Großteil innerhalb von ein paar Tagen auf natürlichem Wege. Um andere Menschen und die Umwelt nicht mit Strahlung zu belasten, ist eine Radiojodtherapie in Deutschland mit einem Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen verbunden. Während dieser Zeit wird man abgeschirmt und muss auf Besuche von Angehörigen in der Regel verzichten. Die Radiojodtherapie wird erst nach 8 bis 12 Wochen wirksam.
Eine Radiojodtherapie ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet. Bei Menschen mit einer Basedow-Krankheit kann eine Radiojodtherapie möglicherweise das Risiko für Augenprobleme erhöhen.
Schwerwiegende Komplikationen wie Herzbeschwerden sind bei einer Radiojodtherapie sehr selten. Dazu kann es kommen, wenn die zerstörten Zellen gespeichertes Schilddrüsenhormon freisetzen und der Schilddrüsenhormonspiegel dadurch vorübergehend stark ansteigt. Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben und eine Radiojodtherapie erhalten, wird deshalb eine zusätzliche Behandlung mit Thyreostatika empfohlen. Dass eine Radiojodtherapie das Krebsrisiko erhöht, gilt als unwahrscheinlich. Die Studienlage dazu ist allerdings unklar.
Wieso kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Folge der Behandlung sein?
Eine Operation oder Radiojodtherapie führt oft zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) – vor allem dann, wenn ein großer Teil der Schilddrüse entfernt oder viele Drüsenzellen zerstört wurden. Wird man wegen einer Basedow-Krankheit operiert oder mit Radiojod behandelt, ist ein vollständiges Entfernen oder Zerstören des Schilddrüsengewebes sogar beabsichtigt.
Eine ausreichende Produktion von Schilddrüsenhormonen ist dann nicht mehr möglich. Das bedeutet, dass man meist lebenslang Schilddrüsenhormone als L-Thyroxin-Tabletten einnehmen muss. Richtig dosiert sind die Hormone aber gut verträglich. Bei zu hoher Dosierung können sie Beschwerden wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen, zum Beispiel Herzrasen.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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