Adrenalin (Epinephrin)

Einleitung
- Adrenalin wird auch als Stresshormon bezeichnet.
- Es ist unter anderem dafür verantwortlich, dass sich der Herzschlag beschleunigt und der Blutdruck steigt.
- Das macht den Körper leistungsfähiger.
- Zu viel Adrenalin kann auf einen meist gutartigen Tumor hinweisen.
- Erniedrigte Werte haben meist keine medizinische Bedeutung.
Was ist Adrenalin?
Adrenalin ist ein lebenswichtiges Hormon. Wird es ausgeschüttet, hat das verschiedene Wirkungen im Körper:
- der Blutdruck steigt,
- das Herz schlägt schneller,
- der Blutzucker wird erhöht,
- die Bronchien werden erweitert,
- Darmaktivitäten werden heruntergefahren und
- die Pupillen werden weiter.
All das macht den Körper leistungsfähiger, etwa bei Gefahr oder in Stresssituationen. Daher ist Adrenalin auch als Stresshormon bekannt.
Adrenalin wird vor allem im Nebennierenmark gebildet, dem inneren Teil der Nebenniere. Das ist eine pyramidenförmige Drüse, die auf jeder Niere sitzt.
Warum wird Adrenalin bestimmt?
Der Adrenalin-Wert wird bei Verdacht auf verschiedene Tumoren bestimmt. Dazu gehören meist gutartige Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) und des Nervensystems (beispielsweise Paragangliome). Sie produzieren die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und seltener Dopamin und setzen sie unkontrolliert frei.
Das Hauptsymptom bei Menschen mit solchen Tumoren ist Bluthochdruck, der anhaltend oder anfallsartig auftreten kann. Zusätzlich kann es zu Herzrasen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüchen kommen. Daher können diese Symptome einen Anlass geben, den Adrenalin-Wert zu überprüfen.
Der Wert kann auch genutzt werden, um zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand verändert oder ob eine Behandlung wirkt, etwa nach einer operativen Entfernung des Tumors.
Um den Adrenalin-Wert zu bestimmen, nimmt die Ärztin oder der Arzt etwas Blut ab, in der Regel aus der Armvene. Es ist wichtig, vor und während der Blutabnahme ruhig zu liegen. Schon wenn man kurz steht, kann sich der Wert deutlich erhöhen. Adrenalin kann auch im 24-Stunden-Sammelurin bestimmt werden.
Weiterhin kann man die Adrenalin-Konzentration auch über das Abbauprodukt Vanillinmandelsäure im 24-Stunden-Sammelurin bestimmen.
Inzwischen ist es üblicher, das Abbauprodukt von Adrenalin (Metanephrin) im Blut zu bestimmen, da die Tumoren dadurch am zuverlässigsten erkannt werden.
Was ist der Referenzbereich?
Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden, da verschiedene Testverfahren eingesetzt werden. Daher gibt jedes Labor in seinem Bericht eigene Referenzbereiche an. Als Orientierung können folgende Werte dienen:
| Nanomol pro Liter Blut (nmol/l) | |
|---|---|
| Frauen über 18 Jahre | 0,02 – 0,45 |
| Männer über 18 Jahre | 0,02 – 0,45 |
Im 24-Stunden-Sammelurin sollte der Adrenalin-Wert nicht über 20 Mikrogramm (µg) liegen. Die Konzentration des Abbauprodukts Vanillinmandelsäure sollte unter 6,5 Milligramm (mg) liegen.
Schmerz, Aufregung, Stress oder körperliche Aktivität können den Messwert vorübergehend steigen lassen. Schon etwa 30 Minuten vor der Blutentnahme wird daher eine kleine Venenverweilkanüle gelegt, über die später die Probe entnommen wird. Zudem ist es wichtig, dann bis zur Entnahme in einer ruhigen Umgebung zu liegen.
Es gilt auch, die drei Tage vor der Blutabnahme auf Tee, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten, da sie den Wert erhöhen können. Auch bestimmte Medikamente wie etwa katecholaminhaltige Nasen- und Hustentropfen oder ACE-Hemmer können den Adrenalin-Wert erhöhen. Die Medikamente sollten aber nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt pausiert werden.
Was bedeuten erniedrigte Werte?
Erniedrigte Werte haben normalerweise keine besondere medizinische Bedeutung. Es kann sinnvoll sein, sie nach einiger Zeit zu kontrollieren.
Mögliche Ursachen
Erniedrigte Werte können durch seltene Krankheiten wie etwa eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung verursacht werden.
Was bedeuten erhöhte Werte?
Erhöhte Adrenalin-Werte äußern sich unter anderem durch einen erhöhten Blutdruck, schnelleren Herzschlag, schnellere Atmung und vermehrtes Schwitzen.
Mögliche Ursachen
Erhöhte Werte geben einen Hinweis auf einen meist gutartigen Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) oder des Nervensystems (Paragangliom).
Einmalig erhöhte Werte sind meist auf Stress oder bestimmte Lebens- und Genussmittel zurückzuführen.
Andere mögliche Ursachen sind Bluthochdruck (Hypertonie), eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder eine Unterkühlung.
Was kann ich bei erhöhten Werten tun?
Ein erhöhter Adrenalin-Wert kann ein Hinweis auf ernstzunehmende Erkrankungen wie einen Tumor des Nebennierenmarks oder des Nervensystems sein. Daher ist es wichtig, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.
Durch weitere Untersuchungen kann die Ärztin oder der Arzt die Ursache der erhöhten Werte herausfinden und diese behandeln. Ein gutartiger Tumor des Nebennierenmarks wird beispielsweise operativ entfernt.
Quellen
Böhm BO, Niederau C. Klinikleitfaden Labordiagnostik. München: Urban und Fischer; 2021.
Pschyrembel online. 2024.
Thomas L. Labor und Diagnose; Release 7. 2024.