Antibiotika richtig anwenden und Resistenzen vermeiden

Einleitung
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Entdeckungen in der Medizin: Sie bekämpfen Bakterien und können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie etwa Lungenentzündungen heilen, gegen die es früher kein Mittel gab. Durch massenhaften und unsachgemäßen Einsatz werden heute aber immer mehr Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika. Die richtige Anwendung ist daher besonders wichtig.
Antibiotika können Leben retten, die Beschwerden bakterieller Erkrankungen lindern und die Genesung beschleunigen. Doch eine Behandlung mit Antibiotika hat auch Nebenwirkungen. Häufig kommt es zum Beispiel zu Übelkeit oder Durchfall.
Die Medikamente werden außerdem viel zu oft und nicht selten fehlerhaft eingesetzt. Dadurch sind mittlerweile viele bakterielle Krankheitserreger unempfindlich gegen Antibiotika geworden. Durch diese zunehmende Widerstandsfähigkeit (Resistenz) der Bakterien können manche Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.
Um während einer Antibiotika-Therapie Resistenzen und Nebenwirkungen vorzubeugen, ist vor allem Folgendes wichtig zu wissen:
- Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Viele Infektionen werden aber durch Viren ausgelöst und sind nicht durch Antibiotika behandelbar – beispielsweise Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Bronchitis oder Grippe.
- Der übermäßige, unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika führt zu unerwünschten Wirkungen und längerfristig zu abnehmender Wirksamkeit der Mittel.
Was genau ist eine Antibiotika-Resistenz?
Der lateinische Begriff Resistenz bedeutet „Widerstand“. In der Medizin werden Bakterien als resistent bezeichnet, die gegenüber äußeren Einflüssen besonders widerstandsfähig sind. Ein Beispiel: Gelangen mit der Nahrung Krankheitserreger in den Magen, tötet die Magensäure die meisten von ihnen ab. Manche Bakterien sind jedoch von einer Schleimhülle umgeben, die sie vor der Säure schützt. Sie sind gegen die Magensäure resistent.
Bei der Antibiotika-Resistenz ist das Prinzip ähnlich: Die Bakterien haben eine neue Eigenschaft erworben, die sie vor dem Antibiotikum schützt. Einige Bakterienarten können zum Beispiel einen Stoff bilden, der bestimmte Antibiotika unwirksam macht. Ist ein Bakterium in der Lage, sich gegen mehrere Antibiotika zu schützen, spricht man auch von einem multiresistenten Erreger.
Wie entstehen Resistenzen?
Viele Bakterien, die heute resistent sind, waren in der Vergangenheit noch empfindlich gegenüber Antibiotika. Die Medikamente konnten bestimmte Bakterienarten unschädlich machen und deshalb Infektionen wirksam stoppen. Mit der Zeit und durch zufällige Einflüsse kann sich bei Bakterien aber das Erbgut verändern. So können neue Eigenschaften entstehen, die Bakterien gegen Antibiotika resistent machen. Diese Eigenschaften können auch von einer Bakterienart auf die andere übertragen werden.
Werden Antibiotika sehr häufig eingesetzt, kann sich ein resistent gewordener Erreger besonders gut vermehren. Denn seine Antibiotika-empfindlichen Artgenossen werden gehemmt und nur der resistente Erreger bleibt übrig. Dadurch hat er mehr Platz und Nährstoffe zur Verfügung, um sich weiter zu vermehren. Infiziert sich nun ein Mensch mit dem resistenten Erreger, helfen Antibiotika nicht mehr.
Welche Bakterien sind resistent und warum sind diese gefährlich?
Typische resistente Erreger gehören zu den Bakterien-Gattungen Enterokokken und Staphylokokken, darunter zum Beispiel der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Staphylokokken kommen auf Haut und Schleimhäuten vor und können Infektionen hervorrufen – zum Beispiel, wenn sie in offene Wunden gelangen.
Mittlerweile haben sich auch in anderen Bakteriengattungen resistente Stämme entwickelt, etwa bei Escherichia coli, Klebsiellen oder Pseudomonaden.
Was wird gegen Antibiotika-Resistenzen unternommen?
Antibiotika sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Für einen umsichtigen und angemessenen Einsatz sind also vor allem Ärztinnen und Ärzte verantwortlich. Sie sollten zunächst prüfen, ob ein Mensch tatsächlich an einer bakteriellen Infektion erkrankt ist. Wenn ja, ist es wichtig, dass sie das Antibiotikum in der richtigen Dosierung und ausreichend lange verschreiben. Außerdem wählen sie idealerweise gezielt das Antibiotikum aus, das die jeweiligen Erreger am besten bekämpft.
Hygienevorschriften sollen zusätzlich verhindern, dass sich die resistenten Erreger weiter ausbreiten und vermeidbare Infektionen auftreten. Diese Maßnahmen sind vor allem im Krankenhaus wichtig: Da dort relativ häufig Antibiotika angewendet werden, bilden sich schnell resistente Keime. Um sich vor ihnen zu schützen und die Verbreitung der Keime zu verhindern, hilft zum Beispiel das Tragen von Einmalhandschuhen, medizinischen Mund-Nasen-Bedeckungen und Kitteln sowie die Händedesinfektion. Dies gilt vor allem, wenn man Kontakt mit einem Menschen hat, der mit resistenten Bakterien infiziert ist.
Antibiotika werden auch in der Tiermedizin und Landwirtschaft eingesetzt. Deswegen müssen sich auch Tierärztinnen und -ärzte an die Regeln für einen sinnvollen Umgang mit Antibiotika halten.
Was kann ich selbst tun, um Antibiotika-Resistenzen vorzubeugen?
Wer Antibiotika mit Bedacht einnimmt, trägt dazu bei, Resistenzen zu vermeiden – und verringert zugleich sein Risiko für Nebenwirkungen.
Bei schweren bakteriellen Infektionen wie zum Beispiel Lungen- oder Gehirnhautentzündungen ist ein Antibiotikum notwendig. Anders ist es beispielsweise, wenn ansonsten gesunde Menschen durch Viren verursachte Atemwegsinfektionen wie eine Erkältung oder Grippe bekommen. Bei normalem Krankheitsverlauf helfen Antibiotika nicht, da sie nur gegen Bakterien wirken. Trotzdem können Antibiotika dann zu Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Pilzinfektionen führen.
Was ist bei der Anwendung von Antibiotika zu beachten?
Antibiotika sollten so lange eingenommen werden, wie die Ärztin oder der Arzt sie verordnet hat. Wenn Beschwerden früher abklingen, muss das nicht heißen, dass alle Erreger abgetötet wurden. Übrig gebliebene Keime können dafür sorgen, dass eine Krankheit wieder ausbricht. Man sollte deshalb die Einnahme nicht einfach selbst beenden, sondern Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt halten.
Falls doch einmal Tabletten übrigbleiben, sollten sie nicht für eine spätere Anwendung aufgehoben oder anderen Menschen gegeben werden. Die restlichen Medikamente können über den normalen Hausmüll entsorgt oder in einigen Apotheken abgegeben werden. Apotheken sind allerdings nicht dazu verpflichtet, die angebrochenen Packungen abzunehmen. Wichtig ist, Medikamentenreste nicht über den Ausguss oder die Toilette zu entsorgen. Das belastet die Umwelt und trägt ebenfalls zur Resistenzbildung bei.
Medikamente können nur optimal wirken, wenn sie wie vorgesehen angewendet werden. Wenn man Antibiotika nimmt, sind die folgenden Fragen wichtig zu klären:
- Darf eine Tablette zur leichteren Einnahme zerteilt werden? Das kommt auf den Wirkstoff an: Bei manchen Antibiotika kann dies die Wirksamkeit beeinträchtigen.
- Mit welchen Lebensmitteln dürfen sie eingenommen werden? Antibiotika werden in der Regel mit Wasser eingenommen. Denn die Einnahme mit Säften, Milchprodukten oder Alkohol kann die Aufnahme mancher Wirkstoffe in den Körper beeinflussen. Zu Milchprodukten gehören neben Milch auch Butter, Joghurt, Käse und Quark. Auch nach der Einnahme des Antibiotikums kann es erforderlich sein, bis zu drei Stunden mit dem Verzehr von Milchprodukten zu warten. Grapefruit-Saft und Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen wie Kalzium können die Wirkung von Antibiotika ebenfalls hemmen.
- Wann soll das Antibiotikum eingenommen werden? Manche Mittel sollten immer zur gleichen Tageszeit eingenommen werden – andere vor, während oder nach dem Essen. Wenn ein Medikament zum Beispiel 3-mal am Tag eingenommen werden soll, müssen in der Regel feste Abstände eingehalten werden, damit es im Tagesverlauf möglichst gleichmäßig wirkt. Wer ein Antibiotikum alle 8 Stunden einnehmen soll, kann sich als feste Zeiten zum Beispiel 6 – 14 – 22 Uhr merken.
- Werden gleichzeitig andere Medikamente eingenommen? Antibiotika können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Daher ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn man noch andere Medikamente einnimmt. Wechselwirkungen sind etwa mit bestimmten Blutverdünnern möglich und mit Mitteln gegen Sodbrennen (Antazida). Manche Antibiotika können die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen.
Quellen
Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). DART 2020. Abschlussbericht. 2022.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC). About Antimicrobial Resistance. 2025.
Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). S3-Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus (in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 092-001. 2019.
Kayser FH, Böttger EC, Deplazes P et al. Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. Stuttgart: Thieme; 2022.
World Health Organization (WHO). Antimicrobial resistance. 2023.