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Cholinesterase (CHE)

Cholinesterase (CHE)
Aktualisiert am: 20.03.2025· Nächstes Update: 2028
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

  • Cholinesterasen sind Enzyme, die wichtige Botenstoffe im Nervensystem aufspalten.
  • Ein niedriger Cholinesterase-Wert kann auf eine Vergiftung mit Schädlingsbekämpfungsmitteln hinweisen.
  • Manche Menschen haben einen genetisch bedingten Mangel.
  • Genetisch bedingte erniedrigte Werte lösen zwar keine Beschwerden aus, können aber zu Problemen bei Narkosen im Rahmen einer Operation führen.

Was ist Cholinesterase?

Cholinesterasen sind Enzyme – also Stoffe, die andere Substanzen im Körper aufspalten. Im menschlichen Organismus kommen zwei Arten von Cholinesterase vor: Acetylcholinesterase und Butyrylcholinesterase.

Acetylcholinesterase findet sich unter anderem in den roten Blutkörperchen, der sogenannten grauen Hirnsubstanz und an Muskelzellen. Das Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Nervensignalen: Es spaltet den Botenstoff Acetylcholin und trägt dadurch zur Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln bei.

Die Butyrylcholinesterase wird in der Leber gebildet und kommt unter anderem im Blutplasma, der Leber, der Bauchspeicheldrüse, dem Herzen und der inneren Gehirnsubstanz (weiße Substanz) vor. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechselung bestimmter Arzneimittel, die zur Muskelentspannung bei Narkosen eingesetzt werden.

Warum wird Cholinesterase bestimmt?

In der Regel wird nur die Butyrylcholinesterase bestimmt. Die Messung des Enzyms hilft, Störungen der Leberfunktion zu entdecken. Dabei wird sie immer zusammen mit anderen Leberwerten wie zum Beispiel ALAT und GGT bestimmt. Ein weiterer wichtiger, aber sehr seltener Grund, Cholinesterase zu bestimmen, ist eine mögliche Vergiftung mit Schädlingsbekämpfungsmitteln. Bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel hemmen die Wirkung beider Cholinesterasetypen. Dadurch sammelt sich Acetylcholin an und die Nerven können Signale nicht mehr richtig weitergeben. Mögliche Symptome sind Übelkeit, ein verringerter Herzschlag, Lähmungen und im bedrohlichsten Fall ein Koma. Bei Menschen, die in der Landwirtschaft oder mit Chemikalien arbeiten, wird die Cholinesterase manchmal regelmäßig bestimmt, um eine schleichende Vergiftung frühzeitig zu erkennen.

Ein weiterer Grund für die Bestimmung von Cholinesterase ist eine genetische Veranlagung, die zu einem erniedrigten Butyrylcholinesterase-Wert führt. Diese Veranlagung löst an sich keine Beschwerden aus. Bei einer Narkose im Rahmen einer Operation kann es jedoch zu Problemen kommen: Wegen des Enzymmangels können bestimmte Medikamente zur Muskelentspannung nach der Narkose nur sehr langsam abgebaut werden. Das kann zu Atemproblemen und Muskellähmungen führen und erfordert zusätzliche Behandlungen. Cholinesterase kann bestimmt werden, um mögliche Narkose-Risiken rechtzeitig zu erkennen. Das ist sinnvoll, wenn Familienmitglieder in der Vergangenheit solche Probleme hatten.

Um die Cholinesterase zu messen, nimmt die Ärztin oder der Arzt etwas Blut ab, in der Regel aus der Armvene. Die Butyrylcholinesterase kann nur in spezialisierten Laboren ermittelt werden. Dort können auch weitere Tests durchgeführt werden, die Aufschluss darüber geben, wie stark oder schwach das Enzym wirkt und wie hoch das Narkose-Risiko ist.

Was ist der Referenzbereich?

Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden, da verschiedene Testverfahren eingesetzt werden. Daher gibt jedes Labor in seinem Bericht eigene Referenzbereiche an. Als Orientierung können folgende Werte dienen:

  Kilounits pro Liter Blut (kU/l) Mikrokatal pro Liter Blut (µkat/l)
Frauen ab 18 Jahre 3,93 – 10,8 65 – 180
Männer ab 18 Jahre und Kinder 4,62 – 11,5 77 – 192

Units und Mikrokatal sind beides Maßeinheiten, um die Aktivität des Enzyms zu beschreiben – also wie schnell das Enzym arbeitet. Sie geben jeweils an, wie viel CHE gebraucht wird, um pro Minute – beziehungsweise pro Sekunde – eine bestimmte Anzahl Moleküle chemisch umzuwandeln.

Bei Frauen verändern sich die Referenzbereiche im Lauf des Lebens: In den Wechseljahren erhöht sich der CHE-Wert und liegt dann nach der Menopause auf etwa dem gleichen Niveau wie bei Männern. Während einer Schwangerschaft oder auch, wenn man die Antibabypille einnimmt, ist der Wert hingegen niedriger.

Was bedeuten erniedrigte Werte?

Erniedrigte Werte können auf eine verminderte Leberfunktion hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Mögliche Ursachen

Erniedrige Butyrylcholinesterase-Werte können auf eine verminderte Bildung in der Leber hindeuten sowie auf eine Vergiftung oder eine genetisch bedingte Ursache.

Die Werte können auch aus anderen Gründen etwas verringert sein. Leicht erniedrigte Werte können zum Beispiel in der Schwangerschaft oder bei chronischen Darmerkrankungen auftreten.

Was kann ich bei erniedrigten Werten tun?

Erniedrigte Werte können auf eine verminderte Leberfunktion hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden. Ist die Ursache eine akute Vergiftung, so wird schnell mit Gegenmitteln behandelt. Bei Vergiftungen dient die Erniedrigung der Butyrylcholinesterase als Bestätigungstest für die Diagnose. Im Vordergrund stehen die Vergiftungssymptome, wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Muskelzuckungen oder Benommenheit. Bei einem genetisch bedingten Mangel an Butyrylcholinesterase ist es wichtig, Ärztinnen und Ärzte vor einer Narkose darüber zu informieren.

Was bedeuten erhöhte Werte?

Erhöhte Werte haben in der Regel keine Bedeutung in der Diagnose und Therapie von Erkrankungen.

Mögliche Ursachen

Die Werte können zum Beispiel bei Nierenerkrankungen oder Diabetes mellitus erhöht sein.

Was kann ich bei erhöhten Werten tun?

Erhöhte Werte sind wenig aussagekräftig, sollten aber ärztlich abgeklärt werden. Sie können auf einen Eiweißverlust über die Nieren hindeuten.

Quellen

Böhm BO, Niederau C. Klinikleitfaden Labordiagnostik. München: Urban und Fischer; 2021.

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Gesundheit.gv.at (Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs). Laborwerte-Tabelle. 2024.

Pschyrembel online. 2024.

Thomas L. Labor und Diagnose; Release 7. 2024.

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