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Fehlstellungen der Füße

Fehlstellungen der Füße
Aktualisiert am: 09.10.2024· Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Die Form des menschlichen Fußes ist eine wichtige Voraussetzung für den aufrechten Gang. Der Fuß wird von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern geformt und zusammengehalten. Diese machen ihn einerseits stabil und belastbar, andererseits beweglich und formbar. Äußere Einflüsse, bestimmte Bewegungsmuster oder Krankheiten können dazu führen, dass sich ein Fuß verformt. Dies kann, muss aber nicht zu Beschwerden wie Schmerzen und Gehstörungen führen. Es gibt verschiedene Fehlstellungen der Füße. Manche sind auch angeboren.

Die meisten Menschen haben leicht verformte Füße. Dies ist vollkommen normal und verursacht in der Regel keine Probleme. Der „ideale“ Fuß ist die Ausnahme.

Welche Ursachen haben Fehlstellungen?

Fehlstellungen und Verformungen (Deformitäten) des Fußes können angeboren sein oder mit der Zeit entstehen. Einseitige Belastungen oder zu enge Schuhe können eine Rolle spielen. Aber auch Krankheiten wie Arthrose, Rheuma oder Hirnerkrankungen können das Risiko für Fehlstellungen erhöhen – ebenso wie Verletzungen, Übergewicht oder Entzündungen. Eine wichtige Rolle spielt meist die Veranlagung: Manche Menschen haben zum Beispiel schwächere Sehnen und Bänder und deshalb auch einen weniger stabilen Halteapparat im Fuß, der die Knochen verbindet. Manche Auffälligkeiten sind aber auch normal und durch die körperliche Entwicklung im Kindes- und Jugendalter bedingt – denn im Wachstum sind Gelenke und Knochen formbarer.

Spreizfuß

Beim Spreizfuß „spreizen“ sich die Mittelfußknochen und der Vorfuß wird breiter. Dadurch werden die mittleren Knochen im Vorfuß stärker belastet. Das ist meist schmerzhaft und kann zu stärkerer Hornhaut und Schwielen führen. Ein Spreizfuß erhöht außerdem das Risiko, dass ein Hallux valgus (Ballenzeh) entsteht. Dabei biegt sich der erste Mittelfußknochen nach außen (zum anderen Fuß) und der große Zeh nach innen zu den mittleren Zehen.

Ein gesunder Fuß und ein Spreizfuß im Vergleich
Ein gesunder Fuß und ein Spreizfuß im Vergleich
Ein gesunder Fuß und ein Fuß mit Hallux valgus im Vergleich
Ein gesunder Fuß und ein Fuß mit Hallux valgus im Vergleich

Senkfuß / Plattfuß

Beim Senkfuß flacht die Wölbung der Fußsohle (das Fußlängsgewölbe) ab. Der größte Teil des Fußes liegt dann beim Stehen und Gehen von der Ferse bis zum Fußballen am Boden auf. Ein Senkfuß kann nach Jahren zu Schmerzen führen, die meist beim Gehen und Laufen auftreten.

Der Plattfuß ist eine ausgeprägte Form des Senkfußes. Dabei liegt die gesamte Fußsohle am Boden auf.

Meist ist ein Senk- oder Plattfuß erworben, selten angeboren. Ursachen können eine schwache Fußmuskulatur, Fehlbelastungen, falsches Schuhwerk und Gelenkentzündungen sein.

Vergleich von einem gesunden Fuß, einem Senkfuß und einem Plattfuß
Vergleich von einem gesunden Fuß, einem Senkfuß und einem Plattfuß

Knickfuß

Bei dieser Fehlstellung knickt die Ferse nach innen weg. Er tritt schon bei Kindern auf, häufig zusammen mit einem Senk- oder Plattfuß. Allerdings kommt es meist erst nach Jahrzehnten – im Alter von 30 bis 40 Jahren – zu Beschwerden.

Viele Eltern suchen ärztlichen Rat, weil sie bei ihrem Kind einen Platt- oder Knickfuß vermuten. Allerdings ist es normal, dass bei Kindern die Fußsohle flacher auf dem Boden aufliegt als bei Erwachsenen. Denn das Längsgewölbe und der Rückfuß sind erst etwa im zehnten Lebensjahr voll aufgerichtet. Meist ist ein Knick-Senk-Fuß bei Kindern also nicht behandlungsbedürftig und normalisiert sich in der Pubertät. Bei Übergewicht und X-Beinen bleibt ein Knick-Senk-Fuß jedoch häufig bestehen.

Ein gesunder Fuß und ein Knickfuß im Vergleich
Ein gesunder Fuß und ein Knickfuß im Vergleich

Hohlfuß

Bei einem ist der Fuß sehr stark gewölbt sehr und der Fußrücken (Spann) höher als normal. Dadurch wird die Last nur von einem kleinen Teil der Fußsohle aufgenommen und der Fußballen stärker belastet. Dies kann zu Schmerzen und Schwielen führen. Eine häufige Ursache sind Nervenerkrankungen. Mit einem hat man ein höheres Risiko für Sprunggelenkverletzungen. Außerdem kommt es häufiger zu Krallenzehen – dabei sind die Zehen besonders stark gekrümmt, sodass sie den Boden kaum mehr berühren.

Die Grafik zeigt die anatomische Darstellung eines gesunden Fußes und eines Hohlfußes im Vergleich sowie die dazugehörigen Fußabdrücke.

Spitzfuß

Beim Spitzfuß ist die Ferse erhöht und kann nicht auf den Boden abgesenkt werden, da die Wadenmuskulatur verkürzt ist. Gehen und Stehen ist nur auf dem Vor- oder Mittelfuß möglich, der Fuß kann nicht abgerollt werden. Ein Spitzfuß kann nach Hirnschädigungen auftreten, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln stören. Er kann sich aber auch durch längere Bettlägerigkeit oder nach Verletzungen (zum Beispiel am Sprunggelenk) entwickeln.

Klumpfuß

Bei dieser starken Fehlstellung steht die Ferse hoch, zusätzlich ist der Vorfuß nach innen gedreht. Der Fuß kann oft nur auf dem Außenrand oder im Extremfall sogar nur auf dem Fußrücken aufgesetzt werden. Stehen und Gehen sind schwieriger, es kommt zu Schmerzen und langfristig versteift der Fuß.

Ein Klumpfuß ist meist angeboren. Bei den betroffenen Kindern bilden sich während der Schwangerschaft bestimmte Muskeln nicht richtig aus. Die Ursache ist oft unbekannt. Man vermutet, dass die genetische Veranlagung sowie Entwicklungsstörungen im Mutterleib eine Rolle spielen. Bei Jungen ist ein Klumpfuß häufiger. Er kann auch mit einer Störung der Hüftreifung (Hüftdysplasie) einhergehen.

Welche Folgen haben Fehlstellungen?

Fehlstellungen können Schmerzen verursachen und das Gangbild verändern. Es können sich Schwielen, Druckgeschwüre und viel Hornhaut bilden. Durch manche Fehlstellungen können sich mit der Zeit auch die Zehen und Teile des Fußes verformen. Dadurch werden Sehnen und Muskeln anders belastet und können sogar reißen. Fehlbelastete Gelenke können verschleißen, was später zu Arthrose führen kann. Da sich die Statik im gesamten Körper ändert, kann es auch zu Knie-, Hüft-, Rücken- und Kopfschmerzen kommen.

Allerdings führen Fehlstellungen nicht immer zu Problemen. Viele Menschen haben leicht verformte Füße oder geringe Fehlstellungen und keine Beschwerden. Zudem stimmt die Annahme „je ausgeprägter die Fehlstellung, desto mehr Beschwerden“ nicht immer: Manche Menschen mit leichten Fehlstellungen haben Beschwerden – bei anderen sind die Füße stärker verformt, aber sie haben keine Probleme.

Manchmal werden Fehlstellungen vermutet, wo keine sind. So haben Kinder zwar häufig einen leichten Knick-Senk-Fuß. Er bleibt aber meist ohne Folgen, und oft normalisiert sich der Fuß in der Pubertät.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). S2e-Leitlinie Hallux valgus (S2e-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 187-051. 2024.

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). S2e-Leitlinie Kindlicher Knick-Senk-Fuß (S2e-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 187-053. 2022.

Hefti F. Kongenitale Hüftdysplasie und -luxation. In: Kinderorthopädie in der Praxis. Berlin: Springer; 2015. S. 216-241.

Niethhard F, Biberthaler P, Pfeil J. Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme: Stuttgart 2022.

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