Wie funktionieren die Nebenschilddrüsen?

Einleitung
Die Nebenschilddrüsen bilden ein Hormon, das sogenannte Parathormon. Es sorgt dafür, dass immer die richtige Menge an Kalzium im Blut zur Verfügung steht. Kalzium ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Knochen, sondern beeinflusst auch die Blutgerinnung und die Nervenfunktion. Es darf daher nicht zu wenig oder zu viel Kalzium im Blut sein. Deshalb zählen die Nebenschilddrüsen zu den lebenswichtigen Organen.
Menschen haben vier Nebenschilddrüsen. Sie werden auch Epithelkörperchen genannt. Der medizinische Fachbegriff lautet Glandulae parathyroideae.
Wo liegen die Nebenschilddrüsen?
Jede der vier Nebenschilddrüsen ist ungefähr so groß wie eine Linse. Die Drüsen liegen hinten an der Schilddrüse – zwei am oberen, zwei am unteren Bereich. In der Nähe der Nebenschilddrüsen liegen der Kehlkopf und die Luftröhre, aber auch Blutgefäße und wichtige Nerven, unter anderem der Nerv, der den Kehlkopf versorgt.
Wozu bilden die Nebenschilddrüsen Parathormon?
Das Parathormon sorgt dafür, dass immer genügend Kalzium im Blut ist. Das macht es vor allem über zwei Wege:
- Im Knochen ist Kalzium als Baumaterial gespeichert. Ist zu wenig Kalzium im Blut, bewirkt das Parathormon, dass die Knochen Kalzium abgeben.
- Bei einem zu niedrigen Kalzium-Spiegel sorgt das Parathormon dafür, dass Kalzium nicht mit dem Urin ausgeschieden, sondern aus dem Urin „zurückgeholt“ wird und wieder ins Blut gelangt.
Das Parathormon beeinflusst auch die Phosphat-Konzentration im Blut. Das Mineral Phosphat ist wie Kalzium wichtig für den Knochenstoffwechsel. Es wird unter anderem bei der Steuerung des Energiehaushalts und für die Wirkung von Enzymen benötigt. Ist zu viel Phosphat im Blut, steigert das Parathormon die Ausscheidung von Phosphat über die Nieren.
Zudem fördert das Parathormon die Kalzium- und Phosphat-Aufnahme im Darm – allerdings nur indirekt: Für die Aufnahme dieser Mineralien ist Vitamin D nötig und das Parathormon steigert dessen Bildung in der Niere.
Wie wird die Parathormon-Bildung in den Nebenschilddrüsen gesteuert?
Wie viel Parathormon die Nebenschilddrüsen bilden, hängt davon ab, wie viel Kalzium im Blut ist. Die Nebenschilddrüsen sind gut durchblutet und ihre Zellen messen laufend, wie hoch der Kalzium-Spiegel ist. Beginnt er zu sinken, bilden die Nebenschilddrüsen mehr Parathormon. Die Folge: Aus den Knochen wird mehr Kalzium freigesetzt und es wird weniger Kalzium über die Nieren ausgeschieden – der Kalzium-Spiegel im Blut steigt wieder. Sobald der Kalzium-Spiegel wieder normal ist, passen die Nebenschilddrüsen ihre Parathormon-Produktion an. Steigt der Kalzium-Wert weiter an, bilden die Nebenschilddrüsen weniger Parathormon.
Damit Kalzium und Phosphat immer genau in der richtigen Menge im Blut sind, braucht es das fein abgestimmte Zusammenspiel von Parathormon, Vitamin D und einem weiteren Hormon: Kalzitonin. Dieses Hormon aus der Schilddrüse ist der Gegenspieler von Parathormon: Ist viel Kalzium im Blut, hemmt es den Knochenabbau, sodass weniger Kalzium aus dem Knochen in die Blutbahn gelangt. Außerdem sorgt Kalzitonin dafür, dass die Nieren mehr Kalzium ausscheiden.
Quellen
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Pschyrembel Online. 2025.