Wie helfen Dermatome bei der Diagnose von Erkrankungen?

Einleitung
Die Hautoberfläche ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die sogenannten Dermatome. Für jedes Dermatom ist ein bestimmter Spinalnerv „zuständig“. Spinalnerven sind Nerven, die vom Rückenmark zur linken und rechten Körperseite abzweigen. Jeder Spinalnerv versorgt einen bestimmten Bereich des Körpers.
Dermatome helfen bei der Diagnose mancher Erkrankungen, zum Beispiel der Wirbelsäule: Treten Beschwerden in einem bestimmten Dermatom auf – etwa ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln auf der Haut oder Taubheit –, liefert dies Hinweise darauf, an welchen Nerven sie entstehen.
Wie hängen Dermatome und Spinalnerven zusammen?
Der Körper hat insgesamt 31 Spinalnerven. Von den Spinalnerven breitet sich ein Netz aus Nervenästen und -zweigen aus, das bis in die Finger und Fußspitzen reicht (peripheres Nervensystem). Die aufgenommenen Signale werden über die Spinalnerven und das Rückenmark zum Gehirn geleitet.
Auf diese Weise gelangen unter anderem Sinneseindrücke wie Berührung, Schmerz, Hitze oder Kälte von der Haut zum Gehirn. Stößt sich zum Beispiel eine Person den Arm, sendet der für diesen Hautbereich – also für dieses Dermatom – zuständige Spinalnerv ein Signal über das Rückenmark ans Gehirn. Dort wird es verarbeitet, sodass die Person den Schmerz wahrnimmt.
Wo liegen die Dermatome?
Spinalnerven und ihre Dermatome sind nach den Wirbelsäulenabschnitten benannt, an denen die Spinalnerven jeweils aus dem Rückenmark abzweigen:
- C steht für die Halswirbelsäule (cervikal = den Hals betreffend).
- Th steht für die Brustwirbelsäule (thorakal = zum Brustkorb gehörend).
- L steht für die Lendenwirbelsäule (lumbal = zum Lendenbereich gehörend).
- S steht für das Kreuzbein (sakral = zum Kreuzbein gehörend).
Der Spinalnerv, der am 5. Lendenwirbel austritt, wird zum Beispiel mit L5 bezeichnet.
Wie helfen Dermatome bei der Diagnose von Erkrankungen?
Oft lassen sich bestimmte Beschwerden auf einen oder mehrere Nerven zurückführen. Ein typisches Beispiel ist ein Bandscheibenvorfall, der zu Schmerzen, Muskelschwäche und Taubheitsgefühlen in einem Bein führt. Denn die hervorgewölbte Bandscheibe drückt auf die Wurzel eines der Spinalnerven, die das Bein versorgen.
Am häufigsten ist die Nervenwurzel am 4. oder 5. Lendenwirbel oder die oberste Nervenwurzel des Kreuzbeins betroffen. Je nach betroffenem Wirbel sind unterschiedliche Beschwerden typisch:
- Ist die Nervenwurzel am 4. Lendenwirbel (L4) betroffen, ziehen die Schmerzen typischerweise vom Gesäß über die Vorderseite des Oberschenkels bis zum Knie, manchmal auch bis zur Innenseite des Unterschenkels oder bis ins Fußgewölbe. Gefühlsstörungen treten meist im Kniebereich auf.
- Ist die Nervenwurzel am 5. Lendenwirbel (L5) betroffen, ziehen die Schmerzen eher von der äußeren Rückseite des Oberschenkels ins Schienbein oder in die Oberseite des Fußes. Gefühlsstörungen treten vor allem an der Außenseite des Unterschenkels oder an der Oberseite des Fußes auf.
- Ist die oberste Nervenwurzel am Kreuzbein (S1) betroffen, strahlen die Schmerzen meist in die Rückseite des Beins aus. Typisch sind Gefühlsstörungen an der Wade oder der Außenseite des Fußes. Es kann schwerer fallen, sich auf die Zehen zu stellen oder im Stehen das Bein zu heben.
In welchem Hautbereich (Dermatom) die Beschwerden auftreten, liefert also Hinweise darauf, auf welche Nervenwurzel die Bandscheibe drückt. Diese Information ist zum Beispiel bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation wichtig. Wenn eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) einen Bandscheibenvorfall am entsprechenden Nerv sichtbar macht, ist es wahrscheinlicher, dass eine Operation hilft. Passen das MRT-Bild und die Beschwerden nicht zusammen, liegt die Ursache möglicherweise woanders.
Was sind Myotome?
Als Myotome werden die Muskelbereiche bezeichnet, für die bestimmte Spinalnerven zuständig sind. Myotome können wie Dermatome zur Diagnose genutzt werden: Ist eine bestimmte Muskelgruppe geschwächt oder gelähmt, lässt sich auch hieraus ableiten, welcher Spinalnerv möglicherweise geschädigt ist. Wenn jemand zum Beispiel den Arm nicht anheben kann, weist dies auf ein Problem mit dem Spinalnerv C5 hin, der den großen, dreieckigen Schultermuskel versorgt.
Quellen
Whitman PA, Launico MV, Adigun OO. Anatomy, Skin, Dermatomes. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025.





