Asthma

Einleitung
Viele schwangere Frauen mit Asthma sind wegen ihrer Medikamente verunsichert und fragen sich, ob sie dem Kind schaden könnten. Doch die meisten Asthma-Medikamente gelten auch während der Schwangerschaft als sicher. Ein unbehandeltes Asthma kann dagegen ernsthafte Folgen haben.
Nach Schätzungen hat etwa 1 von 5 schwangeren Frauen mit Asthma behandlungsbedürftige Asthma-Anfälle. Diesen Anfällen lässt sich jedoch durch eine gute Asthma-Kontrolle vorbeugen, vor allem durch die regelmäßige Anwendung von Kortison zum Einatmen. Außerdem kann man einiges tun, um mögliche Auslöser für Asthma-Anfälle zu vermeiden.
Bei vielen Frauen mit Asthma hat eine Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Beschwerden, oder sie bessern sich anfangs sogar. Bei etwa 1 von 3 Frauen verschlechtert sich das Asthma jedoch durch die körperlichen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Gegen Ende der Schwangerschaft fällt es vielen Frauen zunehmend schwer, aktiv zu sein. Das zusätzliche Gewicht kann auch Frauen ohne Asthma kurzatmig werden lassen. Viele können nicht mehr gut schlafen, fühlen sich müde und erschöpft.
Symptome
Bei Kindern macht sich Asthma in der Regel durch Husten und eine leicht pfeifende oder brummende Atmung bemerkbar. Andere typische Krankheitszeichen zeigen sich meist noch nicht. Bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich Asthma durch folgende Beschwerden:
- Atemnot (oft anfallsartig)
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- geräuschvolle (Aus-)Atmung (Giemen, Pfeifen, Brummen)
- Engegefühl in der Brust
- Husten und / oder Hustenreiz
Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf, häufig auch nachts. Dies ist einer der Gründe, warum sich manche Menschen mit dieser chronischen Erkrankung oft müde und abgeschlagen fühlen. Bei einem Asthma-Anfall kann sich eine zunächst nur leicht erschwerte Atmung bis zu ernsthafter Atemnot steigern.
Ursachen und Risikofaktoren
Asthma tritt in einigen Familien häufiger auf als in anderen, was auf ein gewisses familiäres Risiko schließen lässt. Weitere Risikofaktoren für Asthma sind zum Beispiel andere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis in der Familie oder beim Kind selbst sowie ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht. Jungen erkranken häufiger an Asthma als Mädchen. Außerdem gibt es einen wichtigen Risikofaktor, der vermeidbar ist: das Rauchen der Eltern.
Asthmatische Beschwerden treten auf, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Bei Menschen mit Asthma neigt das Immunsystem dauerhaft zu einer übersteigerten Abwehrreaktion. Dieser Hang zum „Übereifer“ macht sich aber erst bemerkbar, wenn die Schleimhäute, die die Bronchien von innen auskleiden, Kontakt zu bestimmten Reizen haben. Diese werden als Auslöser (englisch: trigger) bezeichnet.
Je nach Auslöser unterscheiden Fachleute zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma.
- Allergisches Asthma wird auch „extrinsisch“ genannt, weil die Auslöser von außen kommen und mit der Luft eingeatmet werden. Verschiedene Menschen können auf ganz unterschiedliche Reize reagieren. Dazu zählen zum Beispiel Tabakrauch (aktives und passives Rauchen), Pflanzenpollen, Tiere, Exkremente von Hausstaubmilben, Nahrungsbestandteile, aber auch kalte Luft, Parfüms, Abgase und bestimmte Chemikalien.
- Nicht allergisches Asthma (auch „intrinsisch“ genannt) wird durch Reize ausgelöst, die aus dem Körper selbst kommen. Dazu zählen vor allem bakterielle und virale Entzündungen der Atemwege. Eine spezielle Form ist das Analgetika-Asthma. Es wird durch die Einnahme bestimmter Schmerzmittel (Analgetika) ausgelöst. Dazu gehören Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Bei manchen Menschen lösen körperliche oder seelische Belastungen, die den Atem beschleunigen, asthmatische Beschwerden aus.
Bei vielen Menschen spielen auch innere und äußere Faktoren zusammen, sodass eine klare Abgrenzung zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma nicht immer möglich ist. Die Folgen für die Lunge und Atmung sind ohnehin sehr ähnlich:
- Zellen des Abwehrsystems (Immunsystems) in der Bronchialschleimhaut werden aktiviert,
- die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich,
- die Schleimhäute der Atemwege entzünden sich und schwellen an,
- es bildet sich häufig besonders zäher Schleim.
Durch die Verkrampfung der Muskulatur, die Schleimhautschwellung und die Schleimbildung verengen sich die Atemwege mehr und mehr, bis schließlich ein Asthma-Anfall auftreten kann.
Häufigkeit und Verlauf
Etwa 4 % der Kinder und 6 % der Erwachsenen in Deutschland haben Asthma. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung.
Asthma verläuft sehr unterschiedlich und führt nicht automatisch zu immer stärkeren Beschwerden. Manche Kinder oder Jugendliche haben später als Erwachsene kaum noch oder gar keine Beschwerden mehr. Bei anderen bleiben sie bestehen oder verstärken sich. Viel hängt davon ab, wie gut sich der auslösende Reiz vermeiden lässt, wie gut das Asthma behandelt wird und wie man selbst mit der Erkrankung umgeht. Bestimmte Medikamente und unterstützende Maßnahmen wie Atemtechniken können helfen, ein nahezu normales Leben zu führen.
Asthma kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Häufig fällt Asthma aber zuerst im Kindes- oder Jugendalter auf. Menschen mit Asthma haben oft schon zuvor mit Allergien Probleme: etwa mit Heuschnupfen, allergischer Bindehautentzündung oder Neurodermitis. Ihre Beschwerden können sich daher je nach Jahreszeit oder anderen äußeren Einflüssen verändern oder auch für einige Zeit oder sogar ganz verschwinden. Manchmal treten dann andere allergische Beschwerden wieder in den Vordergrund und es kommt erst nach einiger Zeit wieder zu Asthma-Beschwerden.
Diagnose
Ob Asthma oder eine andere Erkrankung für Atembeschwerden verantwortlich ist, können Ärztinnen und Ärzte erst feststellen, wenn sie die Symptombeschreibungen und die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen betrachten. Die wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma sind:
- ausführliches Gespräch (Anamnese): Darin geht es unter anderem um die Art der Beschwerden, die Krankheitsgeschichte und das Lebensumfeld.
- körperliche Untersuchung: Neben dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand wird die Funktion von Lunge, Herz und Kreislauf überprüft.
Mithilfe von Lungenfunktionstests (Spirometrie, Peak-Flow-Messung) lässt sich feststellen, wie leistungsfähig die Lunge ist. Bei der Spirometrie werden die Geschwindigkeit des Luftstroms bei der Ausatmung und die Menge der ausgeatmeten Luft gemessen. Das Peak-Flow-Meter misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen.
Weitere Untersuchungen der Atemwege oder Allergietests können nötig werden, um die Diagnose zu sichern.
Behandlung
Welches das erste Behandlungsziel ist, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Meist geht es zunächst darum, die Häufigkeit und Stärke der Beschwerden so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus soll eine Asthma-Behandlung helfen, den Alltag möglichst normal zu gestalten. Es ist wichtig zu wissen, dass die medikamentöse Therapie nur wenige Nebenwirkungen mit sich bringt. Das gilt auch für schwangere Frauen mit Asthma. Die Ärztin oder der Arzt berät, welche Medikamente infrage kommen.
Zur Asthma-Behandlung werden zwei Hauptgruppen von Medikamenten eingesetzt:
- schnell wirksame Bedarfsmedikamente (Reliever) und
- lang wirksame Dauermedikamente (Controller).
Bedarfsmedikamente können bei leichtem Asthma ausreichen: So nehmen manche Menschen mit Asthma nur dann Medikamente ein, wenn sie Beschwerden haben.
Ein stärkeres Asthma lässt sich aber meist nur mit Dauermedikamenten kontrollieren. Sie beruhigen unter anderem die ständig entzündeten Atemwege und beugen dadurch Asthma-Anfällen vor. Üblicherweise werden sie regelmäßig jeden Tag angewendet. Die Behandlung richtet sich immer nach der Stärke der Beschwerden. Nur eine konsequente Anwendung der Medikamente kann ausreichend vor Asthma-Anfällen schützen.
Zudem kann es helfen, den Kontakt zu Asthma-Auslösern so gut es geht zu vermeiden. Das ist im Alltag aber nicht leicht, manchmal auch unmöglich. Es kann zwar helfen herauszufinden, ob man zum Beispiel auf Tiere, Hausstaub oder kalte Luft empfindlich reagiert. Das Vermeiden von Auslösern schützt allerdings nicht immer und überall vor Beschwerden. Die meisten Menschen mit Asthma müssen sich aber weniger Gedanken um Auslöser machen, wenn sie ihre Medikamente richtig anwenden.
Sport und Bewegung sowie bestimmte Atemtechniken können ebenfalls helfen, die Beschwerden unter Kontrolle zu halten. Medikamente lassen sich dadurch zwar meist nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Welche Behandlungen geeignet sind, um die eigenen Ziele zu erreichen, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.
Es kann zudem sinnvoll sein, sich gegen Grippe oder Pneumokokken impfen zu lassen.
Leben und Alltag
Wie die meisten chronischen Erkrankungen betrifft Asthma nicht nur ein einzelnes Organ – in diesem Fall die Lunge –, sondern den ganzen Menschen. Wer zum Beispiel nachts Asthma-Anfälle hat und dadurch schlecht schläft, ist tagsüber müde und unkonzentriert. Auch die körperliche Fitness kann leiden.
Oft dauert es eine Zeit, sich auf das Leben mit einer chronischen Erkrankung einzustellen. Das gilt manchmal auch für Angehörige. Ausreichende Informationen über Asthma können Kinder und Erwachsene im Umgang mit ihrer Erkrankung stärken und selbstständiger machen. Wer gut informiert ist, kommt oft besser mit kritischen Situationen wie einem akuten Asthma-Anfall zurecht. Notfälle und Klinikeinweisungen lassen sich dann oft vermeiden. Selbsthilfegruppen können beim Umgang mit der Erkrankung eine wichtige Unterstützung sein.
Weitere Informationen
Zum Krankheitsmanagement gehört auch, zu wissen, wo man die geeignete Unterstützung, Beratung und die bestmögliche Behandlung bekommt. Ärztlicher Rat, eine gute Asthma-Schulung oder die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe können dabei helfen, selbst Expertin oder Experte im Umgang mit dem Asthma zu werden. Asthma-Schulungen werden unter anderem von Lungenfachärztinnen und -ärzten sowie von Rehakliniken angeboten. Eine Asthma-Schulung sollte vermitteln,
- wie Asthma entsteht und wie es behandelt werden kann,
- woran man frühe Symptome eines Asthma-Anfalls erkennt,
- wie sich Auslöser vermeiden lassen und
- wie sich Erkrankte und Angehörige im Notfall verhalten sollen.
Asthma-Selbsthilfegruppen sind selbst organisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die Asthma haben oder deren Angehörige an Asthma erkrankt sind. Sie bieten die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Dies kann bei der Bewältigung des Lebens mit Asthma helfen und zur Aufklärung über die Erkrankung beitragen.
Erfahrungsberichte
- Die Asthma-Anfälle können bei mir zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten
- Früher war die Situation für Asthmatiker noch ziemlich schlecht
- Ich kenne meinen Körper so gut, dass ich die Medikamente selber manage
- Wenn ich Eis esse, muss ich manchmal husten
- Lennard ist nicht öfter krank als seine Klassenkameraden
Mehr Wissen
Extras
Quellen
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Asthma. AWMF-Registernr.: nvl-002. 2020.
Dennis RJ, Solarte I, Rodrigo G. Asthma in adults. BMJ Clin Evid 2011: 1512.
Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention (Update). 2021.
Turner SW, Friend AJ, Okpapi A. Asthma and other recurrent wheezing disorders in children (chronic). BMJ Clin Evid 2012: 0302.