Dostarlimab (Jemperli) bei Gebärmutterkrebs

Einleitung
Der Wirkstoff Dostarlimab (Handelsname Jemperli) ist seit April 2021 für Frauen mit fortgeschrittenem oder wieder aufgetretenem Endometriumkarzinom zugelassen, bei denen im Tumorgewebe spezielle genetische Veränderungen nachgewiesen wurden und eine platinbasierte Chemotherapie nicht ausreicht. Seit Dezember 2023 kann Dostarlimab auch mit Carboplatin und Paclitaxel kombiniert werden, wenn noch keine Chemotherapie eingesetzt wurde. Im Januar 2025 erfolgte die Zulassung für Dostarlimab in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel bei fortgeschrittenem oder wieder aufgetretenem Krebs ohne spezielle Veränderungen im Tumorgewebe.
Ein Endometriumkarzinom, auch Gebärmutter- oder Gebärmutterschleimhautkrebs genannt, zählt zu den Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Es entsteht durch veränderte Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die die Innenwand der Gebärmutter auskleidet.
Jüngere Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, erkranken sehr selten. In einem frühen Stadium können vor der Menopause Zwischenblutungen, nach der Menopause erneute Blutungen auftreten. Schreitet der Krebs fort, kann es unter anderem zu eitrigem Ausfluss, regelmäßigen Unterleibsschmerzen oder auch Blut im Urin oder Stuhl kommen. Gebärmutterkrebs wird in der Regel operiert, ergänzend kann eine Strahlentherapie infrage kommen. Ist der Krebs fortgeschritten, wird zusätzlich eine Chemotherapie eingesetzt.
Dostarlimab kann bei Endometriumkarzinom mit einer Mikrosatelliteninstabilität oder einer gestörten Mismatch-Reparatur eingesetzt werden. Bei einer gestörten Mismatch-Reparatur (mismatch repair deficiency, dMMR) werden Fehler beim Vervielfältigen des Erbguts in den Krebszellen nicht mehr korrigiert. Infolge häufen sich im Tumorgewebe Mutationen, die bei der Gewebsuntersuchung als sogenannte hohe Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) erkannt werden können. Dostarlimab kann aber auch eingesetzt werden, wenn die Mismatch-Reparatur nicht beeinträchtig ist.
Dostarlimab soll die Krebszellen hemmen und so den Krebs aufhalten.
Anwendung
Dostarlimab wird als Infusion gegeben. In den ersten drei Monaten werden 500 mg Dostarlimab alle drei Wochen verabreicht. Dann wird die Behandlung in einer Dosierung von 1000 mg alle sechs Wochen fortgeführt. In Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel beträgt die empfohlene Dosis 500 mg Dostarlimab alle 3 Wochen für 4,5 Monate, gefolgt von 1000 mg Dostarlimab als Einzeltherapie alle 6 Wochen. Treten zu starke Nebenwirkungen auf oder schreitet der Krebs fort, wird die Behandlung beendet.
Andere Behandlungen
Die Therapie bei fortgeschrittenem oder wieder aufgetretenem Endometriumkrebs mit dMMR wird von einer Ärztin oder einem Arzt individuell angepasst. Infrage kommen hierbei eine hormonelle Therapie, unterschiedliche Chemotherapien sowie auch eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC). Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern. Wurde noch keine Chemotherapie eingesetzt, kommt Carboplatin mit Paclitaxel infrage.
Liegt keine dMMR vor, kommt als Ersttherapie Durvalumab in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel, gefolgt von Durvalumab in Kombination mit Olaparib infrage.
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2021 geprüft, ob Dostarlimab als Einzeltherapie für Frauen mit fortgeschrittenem oder wieder aufgetretenem Endometriumkarzinom mit dMMR im Vergleich zu den individuell angepassten Therapien Vor- oder Nachteile hat. 2025 folgte die Bewertung für Dostarlimab als Kombinationstherapie mit Carboplatin und Paclitaxel bei Endometriumkarzinom ohne dMMR. Um diese Fragen zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.
2024 wurde geprüft, ob Dostarlimab als zusätzliche Therapie zu Carboplatin und Paclitaxel Vor- oder Nachteile bei einem Endometriumkrebs mit dMMR hat. Der Hersteller legte dazu eine geeignete Studie mit 118 Patientinnen vor. Die eine Hälfte wurde mit Dostarlimab behandelt, die andere Hälfte erhielt ein Placebo. Alle Frauen bekamen Carboplatin plus Paclitaxel. Zu Beginn der Studie waren alle Patientinnen in einem guten Allgemeinzustand. Sie wurden bis zu knapp 2 Jahren untersucht. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Dostarlimab?
Lebenserwartung: Hier weist die Studie nur auf einen Vorteil für die Frauen mit Dostarlimab hin, bei denen sich der Krebs in andere Organe ausgebreitet und bereits Fernmetastasen gebildet hatte oder der Krebs wieder aufgetreten war. Mit Dostarlimab waren 9 von 100 Frauen gestorben. In der Gruppe ohne Dostarlimab waren es 45 von 100 Frauen.
Für die Frauen ohne Fernmetastasen zeigte sich kein Unterschied.
Kribbel- / Taubheitsgefühl: Bei dieser Krankheitsbeschwerde deutet die Studie bei Frauen, bei denen sich der Krebs in andere Organe ausgebreitet und bereits Fernmetastasen gebildet hatte auf einen Vorteil durch eine Behandlung mit Dostarlimab hin.
Für Frauen ohne Fernmetastasen oder bei denen der Krebs wieder aufgetreten war, zeigte sich kein Unterschied.
Soziale Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Hier deutet die Studie auf einen Vorteil für alle mit Dostarlimab behandelten Patientinnen hin. Sie fühlten sich in ihrem Familienleben, bei Unternehmungen mit Freunden und anderen sozialen Aktivitäten weniger beeinträchtigt als die Frauen ohne Dostarlimab.
Harnwegsinfektionen: Bei dieser Nebenwirkung deutet die Studie ebenfalls auf einen Vorteil für Dostarlimab hin.
Welche Nachteile hat Dostarlimab?
Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil für die Frauen ohne Fernmetastasen hin. Mit Dostarlimab traten schwere Nebenwirkungen bei 90 von 100 Patientinnen auf. Ohne Dostarlimab war das bei 43 von 100 Frauen der Fall.
Bei den immunvermittelten schweren Nebenwirkungen deutet die Studie auf einen Nachteil für alle Frauen mit Dostarlimab hin. Bei immunvermittelten Nebenwirkungen greift der eigene Körper das Immunsystem an.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Es gab keinen Unterschied bei Aspekten wie:
- schwere Erschöpfung (Fatigue)
- Übelkeit und Erbrechen
- Schmerzen
- Atemnot
- Schlaflosigkeit
- Appetitverlust
- Verstopfung und Durchfall
- Lymphödem
- urologische Symptome
- Magen-Darm-Beschwerden
- Rücken- und Beckenschmerzen
- Muskelschmerzen
- Haarausfall
- Geschmacksveränderung
- Gesundheitszustand
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen
Bei den folgenden Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich kein Unterschied:
- Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität insgesamt
- körperliche Funktion
- Rollenfunktion
- emotionale Funktion
- kognitive Funktion
- sexuelles Interesse
- sexuelle Aktivität
- sexueller Genuss
- negatives Körperbild
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Dostarlimab (Jemperli) als Einzeltherapie und in Kombination bei dMMR und ohne dMMR.
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dostarlimab (Endometriumkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A21-84. 13.09.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1199).
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dostarlimab (Endometriumkarzinom) – Addendum zum Auftrag A21-84; Auftrag A21-139. 12.11.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1240).
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dostarlimab (Endometriumkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A23-143. 27.03.2024. (IQWiG-Berichte; Band 1756); DOI: 10.60584/A23-143.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dostarlimab (Endometriumkarzinom, pMMR) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A25-24. 13.05.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2008); DOI: 10.60584/A25-24.
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