Durvalumab (Imfinzi) bei fortgeschrittenem Leberzellkrebs

Einleitung
Durvalumab (Handelsname Imfinzi) ist seit November 2023 als Einzeltherapie für Erwachsene zur Erstbehandlung eines Leberzellkrebs zugelassen. Durvalumab kommt infrage, wenn der Leberzellkrebs fortgeschritten ist oder nicht operiert werden kann.
Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) entsteht durch bösartige Veränderungen von Zellen der Leber. Anfangs macht sich ein Leberzellkrebs meist nicht bemerkbar. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten häufig allgemeine Beschwerden auf wie Übelkeit oder Appetitverlust. Große Tumoren verursachen oft einen Druckschmerz im rechten Oberbauch. Außerdem kann der Bauch durch Ansammlung von Flüssigkeit anschwellen (Aszites).
Ein Leberzellkrebs lässt sich nur schwer behandeln. Er kann in seinem Wachstum bereits so weit fortgeschritten sein, dass der Krebs durch eine Operation nicht mehr geheilt werden kann. Dann wird in der Regel eine systemische Therapie eingesetzt, die im ganzen Körper wirken soll, um den Krebs aufzuhalten.
Oft haben Patientinnen und Patienten mit Leberzellkrebs auch eine Leberzirrhose, bei der die Leber zunehmend schlechter arbeitet. Wenn die Leberzirrhose fortgeschritten ist, kann auch ein Krebs nicht mehr optimal behandelt werden. Wie weit eine Leberzirrhose fortgeschritten ist, wird anhand des Child-Pugh-Scores mit A, B oder C beurteilt, wobei die Schwere der Erkrankung von A nach C zunimmt.
Durvalumab soll die T-Zellen der Immunabwehr aktivieren, den Krebs anzugreifen und so das Wachstum zu hemmen.
Anwendung
Andere Behandlungen
Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem Leberzellkrebs, die zuvor noch keine Therapie erhalten haben, hängt die Standardtherapie davon ab, ob eine Leberzirrhose vorliegt und wie weit diese fortgeschritten ist:
- Für Patientinnen und Patienten ohne oder mit leichter Leberzirrhose (Child-Pugh A) kommt als Ersttherapie Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab infrage.
- Für Patientinnen und Patienten mit einer mittelschweren Leberzirrhose (Child-Pugh B) kommt eine bestmögliche, unterstützende Behandlung (BSC) infrage. Eine unterstützende Behandlung soll sich individuell an der Patientin oder dem Patienten orientieren und Beschwerden lindern sowie die Lebensqualität verbessern.
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2024 geprüft, ob Durvalumab als Ersttherapie für Erwachsene mit Leberzellkrebs im Vergleich zu Atezolizumab plus Bevacizumab oder der unterstützenden Therapie Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte dem IQWiG einen indirekten Vergleich für Patientinnen und Patienten mit Child-Pugh A oder ohne Leberzirrhose vor. Alle Personen in diesen Studien waren trotz der fortgeschrittenen Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand.
In einer Studie wurde Durvalumab mit Sorafenib verglichen. In einer anderen Studie wurde Atezolizumab plus Bevacizumab mit Sorafenib verglichen. Die Resultate solch indirekter Vergleiche sind grundsätzlich weniger aussagekräftig als ein direkter Vergleich.
Aus diesem indirekten Vergleich waren nur die Daten für die Lebenserwartung verwertbar:
Welche Fragen sind noch offen?
Der Hersteller legte keine geeigneten Daten vor zu:
- Krankheitsbeschwerden
- Gesundheitszustand
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Schwere Nebenwirkungen
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen
Die Daten des Herstellers ermöglichen außerdem keinen Vergleich der Wirksamkeit bei Personen, deren Leberkrebs die Folge einer Hepatitis B oder C ist mit denen, deren Leberkrebs nicht durch Viren verursacht wurde. Ob es bei diesen Personengruppen Unterschiede in der Wirkung von Durvalumab im Vergleich zu Atezolizumab plus Bevacizumab gibt, ist deshalb nicht bekannt.
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Durvalumab (Imfinzi).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Durvalumab (hepatozelluläres Karzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A23-138. 08.03.2024. (IQWiG-Berichte; Band 1743).
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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