Helfen Sportprogramme bei Herzschwäche?

Einleitung
Viele Menschen mit Herzschwäche vermeiden körperliche Belastung. Dabei ist das Gegenteil sinnvoll: Gezielte Trainingsprogramme können die Leistungsfähigkeit erhöhen und die Lebensqualität verbessern.
Wer eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) hat, ist meist schneller erschöpft und kurzatmig – auch schon bei einer körperlichen Belastung, die früher keine Probleme bereitet hat. Denn das Herz schafft es nicht mehr, genug sauerstoffreiches Blut zu Organen, Muskeln und anderen Geweben zu pumpen. Dies kann beängstigend sein und dazu führen, dass Menschen mit einer Herzschwäche körperlich nicht mehr so aktiv sind. Wenn man sich aber kaum noch bewegt, nimmt die Leistungsfähigkeit weiter ab – und mit ihr auch die Lebensqualität und Selbstständigkeit.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wurden spezielle Herzsport-Programme für Menschen mit Herzschwäche entwickelt. Mit diesen Programmen können sie ihren Kreislauf trainieren, ohne sich körperlich zu überfordern.
Was ist Herzsport?
Herzsport besteht vor allem aus Ausdauertraining. Dazu gehören etwa schnelles Gehen (Walken) oder Radfahren auf einem Heimtrainer oder im Freien. Auch das Trainieren mit einer Rudermaschine oder auf einem Stepper, der Treppensteigen simuliert, ist möglich. Wer mit dem Ausdauersport beginnt, fängt am besten behutsam an – also beim Gehen zum Beispiel mit kurzen Strecken und in entspanntem Tempo. Dann gilt es, dabeizubleiben und die Belastung unter ärztlicher Kontrolle nach und nach zu steigern.
Herzsport-Programme werden oft in Gruppen angeboten. Herzsport-Gruppen sind ärztlich betreut und haben qualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter.
Wir wirksam ist Herzsport?
Menschen mit leichter oder mittelschwerer Herzschwäche kann es helfen, wenn sie mehrmals pro Woche etwa 30 bis 60 Minuten lang trainieren. Das zeigen Studien: Die Personen, die an Herzsport-Programmen teilnahmen, wurden körperlich leistungsfähiger und konnten sich besser bewegen, laufen und arbeiten als diejenigen, die nicht teilnahmen. Zudem bewerteten sie ihre Lebensqualität höher und mussten seltener in ein Krankenhaus:
- Ohne Herzsport-Programm mussten etwa 20 von 100 Personen innerhalb eines Jahres in ein Krankenhaus.
- Mit Herzsport-Programm mussten etwa 14 von 100 Teilnehmenden innerhalb eines Jahres in ein Krankenhaus.
Die Studien geben keine Hinweise darauf, dass Herzsport-Programme mit Risiken verbunden sein könnten. Menschen, die an solchen Programmen teilnahmen, hatten langfristig sogar eine etwas höhere Lebenserwartung.
Kann man auch zu Hause trainieren?
Ein Training zu Hause ist vermutlich ähnlich wirksam wie die Teilnahme an einem Herzsport-Programm. Wichtig ist, vorab mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, welcher Sport in welcher Intensität geeignet ist. Beim Training kann man zum Beispiel Pulsuhren und Schrittzähler nutzen, um die körperliche Aktivität und Belastung zu überwachen. Viele Menschen mit Herzschwäche entwickeln mit der Zeit auch ein Gefühl dafür – und fühlen sich beim Training immer sicherer.
Für Menschen, die Angst haben, allein zu trainieren, kann es jedoch hilfreich sein, das Training zusammen mit anderen zu beginnen.
Wenn sich beim Training Beschwerden zeigen oder die Belastbarkeit über mehrere Tage stetig abnimmt, ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen. Bei akuten Erkrankungen und Fieber sollte man zudem auf Herzsport verzichten.
Wie finde ich eine Herzsport-Gruppe?
Herzsport-Gruppen gibt es in vielen deutschen Städten und Gemeinden und sie werden zum Teil auch über Sportvereine organisiert. Ärztinnen und Ärzte können dazu informieren und eine entsprechende Verordnung ausstellen. Die Teilnahme an einer Herzsport-Gruppe wird in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt – am besten fragt man bei der eigenen Krankenkasse nach.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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