Ist eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs sinnvoll?

Einleitung
Zur Früherkennung von Eierstockkrebs wird oft eine Ultraschalluntersuchung angeboten. Studien zeigen allerdings, dass die Früherkennung keinen Nutzen hat. Zudem führt sie oft zu Fehlalarmen und unnötigen Operationen.
Eierstockkrebs kann sich lange entwickeln, ohne Beschwerden auszulösen. Deshalb wird er oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Die Häufigkeit von Eierstockkrebs steigt mit dem Alter.
Die folgende Tabelle soll das Risiko verdeutlichen: Sie zeigt, wie viele von 1000 Frauen verschiedenen Alters in den nächsten zehn Jahren an Eierstockkrebs erkranken, und wie viele daran sterben.
Einleitung
| Alter | Wie viele Frauen bekommen in den nächsten 10 Jahren Eierstockkrebs? | Wie viele Frauen sterben in den nächsten 10 Jahren an Eierstockkrebs? |
|---|---|---|
| 35 Jahre | Weniger als 1 von 1000 | Weniger als 1 von 1000 |
| 45 Jahre | 1 von 1000 | Weniger als 1 von 1000 |
| 55 Jahre | 3 von 1000 | 1 von 1000 |
| 65 Jahre | 4 von 1000 | 3 von 1000 |
| 75 Jahre | 4 von 1000 | 4 von 1000 |
Verbessert der Früherkennungs-Ultraschall die Heilungschancen?
Nein. In zwei guten Studien mit insgesamt fast 300.000 Teilnehmerinnen wurde untersucht, ob der Früherkennungs-Ultraschall das Risiko verringert, an Eierstockkrebs zu sterben. Ihr Ergebnis: Frauen, die diese Früherkennungsuntersuchung regelmäßig wahrgenommen hatten, starben genauso häufig an Eierstockkrebs wie Frauen, die nicht daran teilnahmen.
Dies kann verschiedene Gründe haben: Zum Beispiel lassen sich aggressive Formen von Eierstockkrebs im Ultraschall manchmal erst dann erkennen, wenn sie schon Metastasen gebildet haben. Oder sie wachsen so schnell, dass sie sich innerhalb weniger Monate zwischen zwei Früherkennungsuntersuchungen entwickeln und ausbreiten.
Welche Nachteile hat die Früherkennung?
Bei den Studienteilnehmerinnen, die regelmäßig einen Eierstock-Ultraschall wahrgenommen hatten, wurden die Eierstöcke häufiger unnötig entfernt. Der Grund: Beim Ultraschall wurden häufiger unklare Veränderungen entdeckt, die dann durch eine Operation abgeklärt werden. Denn ein Verdacht auf Eierstockkrebs kann manchmal nur durch eine Entfernung des gesamten Eierstocks bestätigt oder ausgeräumt werden. Das Gewebe wird danach in einem Labor auf Tumorzellen untersucht.
Letztlich wurde nur bei etwa 10 % der Frauen, die aufgrund eines Verdachts beim Früherkennungs-Ultraschall operiert wurden, tatsächlich Eierstockkrebs festgestellt. Bei den anderen 90 % hätten die Eierstöcke also im Nachhinein gar nicht entfernt werden müssen.
Da sich die meisten Auffälligkeiten als harmlos herausstellten, führt die Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs auch häufiger zu unnötiger Verunsicherung und psychischer Belastung.
Der Früherkennungs-Ultraschall in Zahlen
Die größte Studie zu Vor- und Nachteilen der Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs lief in Großbritannien. Die folgende Tabelle zeigt ihre Ergebnisse:
| In 10 Jahren … | Frauen, die an der Früherkennung teilnahmen | Frauen, die nicht an der Früherkennung teilnahmen |
|---|---|---|
| ... bekamen so viele Frauen die Diagnose Eierstockkrebs | 6 von 1000 | 6 von 1000 |
| … starben so viele Frauen an Eierstockkrebs | 3 von 1000 | 3 von 1000 |
| … wurden so vielen Frauen die Eierstöcke (einer oder beide) entfernt | 47 von 1000 | 14 von 1000 |
Das bedeutet:
- Die Früherkennungsuntersuchung verbesserte die Heilungschancen nicht.
- Infolge der Früherkennungsuntersuchung wurden 33 von 1000 Frauen die Eierstöcke entfernt, ohne dass sie dadurch einen gesundheitlichen Vorteil hatten.
- Die Studie dauerte insgesamt 16 Jahre. Die letzte Auswertung bestätigte die Ergebnisse: Der Früherkennungs-Ultraschall konnte auch nach diesem Zeitraum die Heilungschancen nicht verbessern.
Wie läuft die Ultraschall-Untersuchung ab?
Für die Untersuchung setzt man sich auf einen gynäkologischen Stuhl oder legt sich auf eine Liege. Um die Eierstöcke im Ultraschallbild gut sehen zu können, führt die Ärztin oder der Arzt eine Ultraschallsonde in die Scheide ein (vaginaler Ultraschall). Die Sonde wird mehrmals bewegt. So lassen sich nicht nur die Eierstöcke, sondern auch die Gebärmutter, Eileiter und die Harnblase untersuchen. Die Bilder werden auf einem Bildschirm dargestellt. Die Untersuchung ist schmerzlos, kann aber als unangenehm empfunden werden. Bei der Untersuchung lässt sich häufig schon beurteilen, ob es sich beispielsweise um eine gutartige Zyste handelt oder möglicherweise um Krebs.
Wenn eine Auffälligkeit gefunden wurde, können sich weitere Untersuchungen wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) anschließen. Sie sollen vor allem zeigen, ob sich ein Tumor schon ausgebreitet hat. Bleibt der Krebsverdacht bestehen, wird der verdächtige Eierstock bei einer Operation entfernt und anschließend auf Krebszellen untersucht.
Welche Nebenwirkungen hat die Eierstockentfernung?
Wie bei jedem Eingriff kann es zu Komplikationen wie Infektionen, Wundheilungsstörungen, Thrombosen oder Narkoseproblemen kommen. In den Studien traten solche Komplikationen bei 4 bis 15 von 100 Frauen auf.
Wird bei der Operation nur ein Eierstock entfernt, können Frauen im gebärfähigen Alter anschließend noch schwanger werden. Deshalb versucht man besonders bei Frauen, die noch Kinder möchten, wenn möglich einen Eierstock zu erhalten. Werden beide Eierstöcke entfernt, kann eine Frau keine Kinder mehr bekommen. Da dann auch die Hormonproduktion der Eierstöcke plötzlich wegfällt, kommen Frauen unmittelbar nach der Entfernung beider Eierstöcke in die Wechseljahre. Dann treten meist Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche auf.
Mehr Informationen zu Eierstockkrebs finden Sie in der Patientinnenleitlinie des Leitlinienprogramms Onkologie.
Quellen
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