Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen

Einleitung
Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis reicht eine äußerliche Behandlung nicht immer aus. Dann kommen Medikamente infrage, die im ganzen Körper wirken. Sie werden entweder als Tablette eingenommen oder gespritzt. Wegen der möglichen Nebenwirkungen ist es sinnvoll, sich gut über ihre Vor- und Nachteile zu informieren.
Eine leichte Psoriasis vulgaris lässt sich bei den meisten Menschen gut mit Medikamenten zum Auftragen behandeln. Bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte kann eine zusätzliche Behandlung nötig sein. Oft wird zunächst versucht, die Beschwerden mit UV-Licht zu lindern. Wenn auch die Lichttherapie nicht ausreichend hilft, kommen Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen infrage.
Welche Medikamente können die Beschwerden lindern?
Eine Behandlung mit Tabletten oder Spritzen wird auch systemische Therapie genannt, da die Medikamente in den Blutkreislauf gelangen und im ganzen Körper wirken. Die Behandlung beginnt in der Regel mit einem dieser Wirkstoffe:
- Methotrexat
- Fumarsäureester, kurz Fumarate
- Ciclosporin
Wenn diese Mittel die Beschwerden nicht ausreichend lindern oder aus anderen Gründen nicht geeignet sind, ist eine Behandlung mit Apremilast oder einem Mittel aus der Gruppe der Biologika möglich. Zu den biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen gehören:
- Adalimumab
- Brodalumab
- Etanercept
- Guselkumab
- Infliximab
- Ixekizumab
- Risankizumab
- Secukinumab
- Tildrakizumab
- Ustekinumab
Welches Mittel zuerst ausprobiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel davon, ob es Gesundheitsprobleme gibt, die gegen bestimmte Medikamente sprechen.
Wenn die Schuppenflechte mit einer Gelenkentzündung einhergeht (Psoriasis Arthritis), werden bevorzugt Mittel eingesetzt, die auch gegen die Gelenkveränderungen helfen (Methotrexat und Biologika).
Was ist vor und während der Behandlung wichtig?
Da systemische Behandlungen im ganzen Körper wirken, besteht ein erhöhtes Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen. Deshalb ist es wichtig, die Entscheidung für eine Behandlung gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen. Dazu gehört, sie oder ihn darüber zu informieren, ob
- andere Medikamente eingenommen werden, die zu Wechselwirkungen führen könnten (einschließlich pflanzlicher Mittel),
- andere Erkrankungen vorliegen, oder
- eine Schwangerschaft besteht, ein Kind gestillt wird oder (noch) ein Kind geplant ist. Letzteres gilt auch für Männer. Bei bestimmten Medikamenten ist es auch in den Monaten nach der Behandlung wichtig, sicher zu verhüten.
Die meisten Mittel gegen Schuppenflechte haben ein geringes Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen. Dazu gehören schwere Infektionen, Leber- oder Nierenschäden. Um Komplikationen möglichst zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen, werden regelmäßig bestimmte Blutwerte kontrolliert. Zeigt sich dabei zum Beispiel, dass die Nieren- oder Leberwerte auffällig sind, kann die Dosis angepasst oder das Medikament abgesetzt werden. Für Menschen, die schwere Nieren- oder Lebererkrankungen haben, kommen nur einige der Mittel infrage.
Methotrexat (MTX)
Methotrexat wird nicht nur zur Behandlung von Psoriasis vulgaris, sondern auch bei Gelenkentzündungen eingesetzt. Es hemmt entzündliche Reaktionen und kann bei Arthritis auch vor Gelenkschäden schützen.
Methotrexat wird einmal pro Woche als Tablette eingenommen oder gespritzt – entweder unter die Haut, in den Muskel oder in die Vene. Möglich ist eine Dosierung zwischen 5 und 30 mg. In der Regel wird die Behandlung mit 7,5 mg begonnen und die Dosis erhöht, wenn nötig.
Die Tablette sollte abends mit viel Wasser geschluckt werden, keinesfalls mit Milch und möglichst nicht zusammen mit einer Mahlzeit.
In Studien konnte Methotrexat eine Schuppenflechte bei ungefähr 20 bis 30 von 100 Personen lindern.
Nebenwirkungen
Methotrexat kann Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit auslösen und Infektionen begünstigen. Wird Methotrexat gespritzt, ist es für Magen und Darm verträglicher. Eine seltenere, aber mögliche Nebenwirkung ist vorübergehender Haarausfall.
Einige Nebenwirkungen werden dadurch verursacht, dass Methotrexat die Wirkung von Folsäure im Körper hemmt. Folsäure ist ein B-Vitamin, das die Neubildung von Zellen und die Zellteilung unterstützt. Wer zusätzlich einmal pro Woche niedrig dosierte Folsäure (5 bis 10 mg) einnimmt, kann das Risiko für diese Nebenwirkungen senken.
Für wen ist das Mittel nicht geeignet?
Weil Methotrexat die Leberfunktion beeinträchtigen kann, wird Menschen, die viel Alkohol trinken oder bereits eine schwere Lebererkrankung haben, davon abgeraten. Auch bei einem akuten Geschwür des Magens oder Zwölffingerdarms sollte das Medikament nicht angewendet werden.
Fumarate (Fumarsäureester)
Fumarate werden als Tablette eingenommen. Um sie besser verträglich zu machen, wird die Dosierung langsam gesteigert: von einmal täglich 30 mg in der ersten Woche auf höchstens 600 mg pro Tag. Die Dosierung wird erhöht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern. Es wird empfohlen, Fumarate während oder nach einer Mahlzeit und mit Flüssigkeit einzunehmen. Auch eine Einnahme mit Milch soll das Mittel für Magen und Darm verträglicher machen.
Aus der Gruppe der Fumarate sind zwei Mittel zur Behandlung von Schuppenflechte zugelassen: Fumaderm und Skilarence. In Studien linderten sie die Psoriasis vulgaris bei 15 von 100 Menschen deutlich. Die beiden Präparate sind in ihrer Wirkung vergleichbar.
Nebenwirkungen
Fumarate führen häufig zu Durchfall und Bauchschmerzen, manchmal auch Übelkeit und Erbrechen. Außerdem können sie Hitzewallungen im Gesicht („Flush“) auslösen. Etwa 25 von 100 Personen müssen mit mindestens einer Nebenwirkung rechnen. Die Nebenwirkungen können mit der Zeit verschwinden oder nachlassen. Sie waren in Studien teilweise so stark, dass die Teilnehmenden die Behandlung beendeten.
Für wen sind diese Mittel nicht geeignet?
Wegen häufiger Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt eignen sich Fumarate nicht für Menschen, die bereits eine Magen-Darm-Erkrankung haben, zum Beispiel ein Magengeschwür. Das Medikament kann außerdem die Zahl der Abwehrzellen im Blut senken. Für Menschen mit einer Erkrankung des Blutbilds wird es daher nicht empfohlen.
Ciclosporin
Ciclosporin wird morgens und / oder abends vor den Mahlzeiten und möglichst immer zur gleichen Tageszeit eingenommen. Wichtig: Das Medikament verträgt sich nicht mit Grapefruit.
Die Dosierung von Ciclosporin richtet sich nach dem Körpergewicht. Üblicherweise wird die Behandlung mit einer Dosis von 2,5 Milligramm (mg) täglich pro Kilogramm Körpergewicht (kgKG) begonnen: Bei einem Körpergewicht von 80 kg sind das anfangs 200 mg pro Tag. Zeigt sich nach vier Wochen keine Besserung, kann auf maximal 5 mg pro kgKG täglich erhöht werden.
In Studien konnte Ciclosporin die Hautveränderungen bei Psoriasis vulgaris lindern. Das Medikament besserte die Beschwerden bei ungefähr 25 von 100 Personen deutlich. Die Wirkung zeigt sich in der Regel nach etwa vier Wochen.
Meist wird empfohlen, Ciclosporin höchstens 2 bis 4 Monate anzuwenden, da es bei längerer Anwendung die Nieren schädigen kann. Bei schwerer Psoriasis und guter Wirksamkeit kann eine längere Behandlung infrage kommen, um einen Rückfall zu verhindern. Auch dann sollte Ciclosporin aber nicht länger als ein, höchstens zwei Jahre eingesetzt werden.
Nebenwirkungen
Ciclosporin kann Missempfindungen der Haut wie Kribbeln, Taubheit oder Ameisenlaufen auslösen. Andere mögliche Nebenwirkungen sind Schwellungen des Zahnfleischs und ein erhöhter Blutdruck. Außerdem steigert es das Risiko für Infektionen, wie zum Beispiel eine akute Bronchitis.
Für wen ist das Mittel nicht geeignet?
Ciclosporin eignet sich nicht für Menschen mit einer überstandenen oder bestehenden Krebserkrankung. Das Gleiche gilt bei einem unbehandelten oder schlecht eingestellten Bluthochdruck, da es den Blutdruck erhöhen kann.
Das Medikament sollte außerdem nicht während einer Psoralen-UVA-Therapie (PUVA) eingenommen werden, da die Kombination aus Ciclosporin und PUVA das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht. Menschen, die bereits viele PUVA-Bestrahlungen hatten, wird ebenfalls von einer Behandlung mit Ciclosporin abgeraten.
Apremilast
Apremilast (Handelsname Otezla) gehört zur neuen Wirkstoffklasse der sogenannten PDE-Hemmer. Apremilast-Tabletten werden 2-mal täglich eingenommen, mit einem Abstand von etwa zwölf Stunden und unabhängig von den Mahlzeiten. Die Dosierung wird in der ersten Woche der Behandlung von anfangs 10 mg auf 60 mg pro Tag gesteigert.
Bei der Behandlung mit Apremilast sollte sich die Psoriasis innerhalb von 24 Wochen deutlich bessern. Falls nicht, wird die Behandlung in der Regel beendet. Apremilast kann eingesetzt werden, wenn andere Medikamente zum Einnehmen oder eine Lichttherapie mit Psoralen erfolglos sind oder aus anderen Gründen nicht infrage kommen.
In Studien linderte Apremilast die Schuppenflechte bei etwa 20 von 100 Personen.
Nebenwirkungen
Etwa 10 von 100 Personen müssen mit Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit rechnen. Sie treten vor allem in den ersten Wochen der Behandlung auf und können zu einem Gewichtsverlust führen.
Selten kann sich Apremilast auch auf die Stimmung auswirken und Selbsttötungsgedanken auslösen. Bei solchen Symptomen sollte die Behandlung mit dem Medikament beendet werden.
Acitretin
Früher wurde Psoriasis vulgaris öfter mit Acitretin behandelt. Seine Wirksamkeit ist aber kaum in Studien untersucht. Fachleute gehen davon aus, dass es deutlich weniger gut gegen Psoriasis hilft als andere Medikamente. Heute wird Acitretin daher nur noch selten verschrieben. Acitretin kann eine Alternative sein, wenn andere Medikamente nicht infrage kommen.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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