Multimodale Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen

Einleitung
Rückenschmerzen, die trotz Behandlung nicht verschwinden oder immer wiederkehren, können sehr belastend sein. Eine multimodale Schmerzbehandlung kann helfen, besser mit ihnen zurechtzukommen. Manchmal kommt auch eine kognitive Verhaltenstherapie infrage.
Eine multimodale Schmerztherapie und eine Verhaltenstherapie kommen vor allem infrage, wenn chronische Schmerzen sehr belastend werden. Bei einem multimodalen Behandlungsprogramm wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut – meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine Methode aus der Psychotherapie, die auch zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt wird. Elemente aus der KVT werden oft auch im Rahmen multimodaler Schmerztherapien eingesetzt. Welche Therapien sich in der persönlichen Situation eignen, ist individuell. Dies kann man zum Beispiel mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen.
Wie funktioniert eine kognitive Verhaltenstherapie bei Rückenschmerzen?
Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt man unter anderem, Ängste und Gedanken abzubauen, mit denen man sich selbst schadet. Dies kann helfen, besser mit Schmerzen zurechtzukommen und sie dadurch auch zu lindern. Denn manche Betroffene meiden aus Angst vor Schmerzen vieles, was ihnen eigentlich guttut – zum Beispiel sportliche Bewegung oder schöne Unternehmungen mit anderen. Dadurch geraten sie in einen Teufelskreis aus Angst und Rückzug, wodurch es ihnen noch schlechter geht. In einer Verhaltenstherapie erlernt man Strategien, um sich aus solchen Mustern zu befreien und sich damit langfristig selbst zu helfen. Sie kommt auch infrage, wenn die Rückenprobleme mit einer psychischen Erkrankung wie einer Depression einhergehen. Wenn man eine Psychotherapie zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen macht, wird empfohlen, sie mit anderen wirksamen Behandlungen zu kombinieren, wie einer Bewegungstherapie.
Verhaltenstherapeutische Behandlungen werden in der Regel von Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten. Wenn chronische Kreuzschmerzen zu einem erheblichen Leidensdruck führen oder im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung wie einer Depression auftreten, kann eine Verhaltenstherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Es kann allerdings eine Weile dauern, bis man einen Behandlungsplatz für eine psychotherapeutische Schmerzbehandlung bekommt.
Gut zu wissen:
Was in einer Psychotherapie genau passiert, wird im Text „Was ist eine Psychotherapie und wie läuft sie ab?“ erläutert. Wie man eine passende Praxis findet, erklärt der Text „Psychische Probleme: Wo gibt es Hilfe?“.
Wie gut hilft eine kognitive Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen?
Zur Wirkung einer kognitiven Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen gibt es über 20 Studien. Sie zeigen: Die KVT kann chronische Kreuzschmerzen zwar nicht zum Verschwinden bringen. Sie kann sie aber lindern und dazu beitragen, dass man die Beschwerden als weniger belastend empfindet. In einer aussagekräftigen Studie bewirkte die kognitive Verhaltenstherapie bei 1 bis 2 von 10 Menschen eine spürbare Besserung, die auch Monate nach dem Therapieende noch anhielt. Eine kognitive Verhaltenstherapie scheint besonders gut zu helfen, wenn sie mit einer Bewegungstherapie kombiniert oder als Teil einer multimodalen Schmerztherapie eingesetzt wird.
Was sind internetbasierte verhaltenstherapeutische Programme?
Es gibt internetbasierte Behandlungsprogramme, die Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie einsetzen, um chronische Schmerzen zu behandeln. Meist sind das Apps oder browserbasierte Anwendungen. Einige gehören zu den sogenannten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). DiGA wurden behördlich geprüft und erfüllen bestimmte Anforderungen an den Datenschutz und die Qualität der Inhalte. Mit einem ärztlichen Rezept übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine DiGA.
Eine Liste aller DiGA zur Behandlung von Rückenschmerzen und chronischen Schmerzen bietet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Dort gibt es auch weiterführende Informationen zu den Inhalten und zur Anwendung.
Wer privat versichert ist, fragt am besten bei seiner Krankenkasse nach, ob sie die Kosten für DiGA übernimmt.
Wie läuft eine multimodale Schmerzbehandlung ab?
Bei einer multimodalen Schmerzbehandlung wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut – meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und bei Bedarf die Behandlung mit Medikamenten. Psychotherapeutinnen und -therapeuten vermitteln in Gruppen- oder Einzelgesprächen Strategien, die helfen, mit chronischen Schmerzen zurechtzukommen und mit Belastungen bei der Arbeit oder in der Familie umzugehen. Multimodale Behandlungsprogramme werden im Rahmen einer Schmerztherapie oder zur Rehabilitation angeboten. Sie können bei chronischen Rückenschmerzen nachweislich helfen – auch über längere Zeit.
Vor allem Schmerzkliniken, psychosomatische Abteilungen in Krankenhäusern sowie orthopädische, psychosomatische oder rheumatologische Rehabilitationszentren bieten solche Programme an. Sie finden in der Regel voll- oder teilstationär in einer Klinik statt. Die Behandlungsprogramme dauern mindestens 7 Tage, üblich sind 2 bis 4 Wochen.
Eine Teilnahme kommt infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben und die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit im Alltag stark beeinträchtigt ist. Eine Arztpraxis kann eine multimodale Schmerzbehandlung verordnen, zum Beispiel die hausärztliche, orthopädische oder schmerzmedizinische Praxis.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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