Nach einem Schlaganfall: Verbessert Fitnesstraining die Gesundheit und Mobilität?

Einleitung
Fitnesstraining als Teil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall kann die körperliche Fitness und die Belastbarkeit steigern sowie wieder mobiler machen.
Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, schädigt das Gehirn, weil er dessen Blutversorgung einschränkt oder unterbricht. Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch unter anderem Lähmungen und Verkrampfungen der Muskulatur (Spastiken) sowie Sprach- und Schluckstörungen verursachen. Psychische Folgen wie Depressionen sind ebenfalls möglich.
Nach einem Schlaganfall ist es oft von besonderer Bedeutung, die Mobilität und Sprache zurückzugewinnen sowie wieder möglichst selbstständig zu werden. Auch die emotionale Stabilität wiederzuerlangen, ist sehr wichtig.
Körperlich fit zu bleiben, mag auf den ersten Blick vergleichsweise unwichtig erscheinen. Doch wer weniger fit ist, dem fällt es womöglich auch schwerer, Übungen zu machen, die die Genesung unterstützen und die Unabhängigkeit erhalten. So könnte ein Teufelskreis entstehen: Wenn man weniger fit ist, ist man auch nicht so aktiv, und dadurch lässt die Fitness noch weiter nach.
Darüber hinaus spielt die Fitness eine wichtige Rolle, wenn es zum Beispiel um die Herzgesundheit, die Senkung von Bluthochdruck (Hypertonie) und nicht zuletzt darum geht, einen weiteren Schlaganfall zu verhüten.
Forschung zu Fitnesstraining nach einem Schlaganfall
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach aussagekräftigen Studien gesucht, die den Nutzen von Fitnesstraining nach einem Schlaganfall untersuchten. Sie fanden 58 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt knapp 2800 Frauen und Männern, die einen Schlaganfall gehabt hatten. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt etwa 62 Jahre alt.
In den Studien wurden folgende drei Trainingsarten untersucht:
- sogenannte Herz-Kreislauf-Programme für die Fitness von Herz und Lunge (28 Studien)
- Krafttraining (13 Studien)
- Programme, die Herz-Kreislauf-Training und Krafttraining kombinierten (17 Studien)
Die häufigste Form des Herz-Kreislauf-Trainings waren Walking-Programme (Gehtraining mit dem Ziel, die Gehzeit und die Gehgeschwindigkeit zu erhöhen). Außerdem gab es Programme, die selbstständiges Laufen (ohne Gehhilfen oder sonstige Unterstützung) fördern sollten. Ein Fitnessprogramm bestand beispielsweise aus etwa 20-minütigem Gehtraining dreimal pro Woche. Bei einigen Programmen kamen auch Laufbänder oder Fahrrad-Ergometer zum Einsatz. Manche Programme begannen innerhalb weniger Wochen nach dem Schlaganfall während der Rehabilitation, andere setzten nach Abschluss der normalen Rehabilitation ein.
Fitnesstraining wirkt
Die Akzeptanz der Fitnessprogramme war recht hoch. In den Studien nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Durchschnitt etwa 65 bis 100 % der Trainingstermine wahr. Die Herz-Kreislauf-Übungen brachten einige Vorteile: Es gab Anzeichen, dass die Fitness von Herz und Lunge zunahm. Zudem waren die Teilnehmenden nach dem Training mobiler, sie konnten schneller laufen und waren belastbarer als vorher. Dadurch nahmen die körperlichen Einschränkungen durch den Schlaganfall ab. Auch Programme, die Herz-Kreislauf- und Krafttraining kombinierten, verbesserten die Mobilität. Krafttraining allein hatte keinen Einfluss auf die Mobilität. Wie sich alleiniges Krafttraining darüber hinaus auswirken könnte, ist bisher nicht ausreichend untersucht.
Es ist möglich, dass Fitnesstraining auch unerwünschte Wirkungen hat – zum Beispiel Muskelverletzungen, Stürze oder Herzprobleme. In den untersuchten Programmen wurden allerdings während des Fitnesstrainings keine Stürze, Knochenbrüche oder Verletzungen beobachtet, und es gab auch nicht mehr Herzinfarkte.
Kraft und Fitness nach einem Schlaganfall wiederzuerlangen, kann anstrengend sein und sehr viel Motivation erfordern. Selbst kleine Verbesserungen können aber einen spürbaren Fortschritt bedeuten.
Quellen
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