Rückenschmerzen: Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Einleitung
Schmerzen im unteren Rücken können sehr belastend sein, sind aber in der Regel ungefährlich. Nur selten werden sie durch eine ernsthafte Ursache wie gequetschte Nerven oder eine Infektion ausgelöst. Darauf deuten meist bestimmte Symptome hin.
Wenn zu den Rückenschmerzen Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung hinzukommen, ist es wichtig, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.
Eine gefürchtete Komplikation zum Beispiel eines Bandscheibenvorfalls ist das sogenannte Kauda-Syndrom. Dabei wird das Nervenbündel im unteren Rücken so stark gequetscht, dass es zu bleibenden Nervenschäden kommen kann. Um dies zu verhindern, müssen die Nerven schnell operativ entlastet werden. Auch bei Hinweisen auf eine Infektion oder einen Tumor sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Welche Anzeichen können auf ein ernstes Problem hinweisen?
Wer eines oder mehrere der folgenden Symptome hat, sollte zur Ärztin oder zum Arzt gehen und sich genauer untersuchen lassen:
- Schmerzen, die bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen und mit Taubheit, Kribbelgefühlen oder einer Muskelschwäche verbunden sind: Dies sind typische Symptome einer Ischialgie, also einer Beeinträchtigung des Ischias-Nervs, meist infolge eines Bandscheibenvorfalls. Sie können aber auch auf ein Kauda-Syndrom hindeuten. Insbesondere starke Beschwerden oder gar Lähmungserscheinungen im Bein sollten sofort ärztlich abgeklärt werden.
- Probleme beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang: Ein Kauda-Syndrom kann auch dahinterstecken, wenn man eine volle Blase nicht mehr so gut bemerkt, der Harndrang bei gefüllter Blase nachlässt, man die Blasenentleerung nicht mehr so gut spürt oder den Urinstrahl nicht willentlich unterbrechen kann. Ein gestörter Schließmuskel, der zu Problemen beim Stuhlgang oder beim Stuhlhalten führt, kann ebenfalls auf eine Nervenschädigung hinweisen.
- Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich oder am After: Auch diese Beschwerden können durch ein Kauda-Syndrom ausgelöst werden. Taubheit am After kann sich zum Beispiel beim Abwischen auf der Toilette bemerkbar machen.
- Fieber, Schüttelfrost oder Nachtschweiß: Sie können auf eine Infektion an der Wirbelsäule hinweisen.
- unerklärlicher Gewichtsverlust, körperliche Schwäche oder eine überstandene Krebserkrankung: Dies kann auf einen Tumor hinweisen. Bei Tumoren im Bereich der Wirbelsäule handelt es sich meist um Krebsabsiedlungen (Metastasen), beispielsweise von Brust- oder Prostatakrebs. Körperliche Schwäche kann auch ein Zeichen für eine Infektion sein.
- Kreuzschmerzen nach einem Unfall: Wenn der Rücken nach einem Verkehrs- oder Sportunfall oder nach einem Sturz aus größerer Höhe wehtut, kann dies auf einen Knochenbruch hinweisen. Bei älteren Menschen mit geringerer Knochendichte (Osteoporose) kann es schon reichen, aus Stehhöhe hinzufallen, einen schweren Gegenstand ungünstig zu heben oder die Wirbelsäule unglücklich zu verdrehen.
Dies sind lediglich Hinweise auf mögliche ernsthafte Erkrankungen. Richtig einschätzen lassen sie sich nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.
Wie geht es weiter?
Die Ärztin oder der Arzt bewertet die Beschwerden, auch vor dem Hintergrund verschiedener Aspekte wie:
- Alter
- Geschlecht
- Vorerkrankungen
- Medikamenten-Einnahme (zum Beispiel eine längerfristige Kortison-Einnahme)
- vorausgegangene Behandlungen (zum Beispiel Spritzen oder Operationen)
Außerdem untersucht die Ärztin oder der Arzt den Rücken und tastet zum Beispiel die Wirbelsäule ab, dehnt den Ischias-Nerv und prüft die Reflexe an Knien und Füßen.
Durch das Gespräch, die Beschreibung der Beschwerden und die körperliche Untersuchung lässt sich eine ernsthafte Erkrankung meist schon ausschließen. Welche Untersuchungen außerdem sinnvoll sind, hängt von der individuellen Situation ab. Wenn die Ärztin oder der Arzt einen Notfall oder ein schwerwiegenderes Problem vermutet, veranlasst sie oder er weitere Untersuchungen wie ein Röntgen, eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) oder Bluttests.
Wie oft sind Rückenschmerzen ein Notfall?
Studien zeigen, dass Rückenschmerzen nur selten ein Anzeichen für einen Notfall sind: Bei weniger als 1 % der Menschen, die wegen Rückenschmerzen die Hausarztpraxis aufsuchen, ist eine ernsthafte Erkrankung die Ursache. Meist handelt es sich dann um einen Wirbelbruch aufgrund von Osteoporose. Selbst in der Notaufnahme haben weniger als 5 % der Menschen mit Rückenschmerzen eine Erkrankung, die dringend behandelt werden muss.
Das Kauda-Syndrom ist sehr selten: Innerhalb eines Jahres tritt es bei weniger als 3 von 100.000 Erwachsenen auf.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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