Schlafstörung: Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen

Einleitung
Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen dürfen nur wenige Wochen angewendet werden, weil sie rasch abhängig machen. Wer diese Medikamente nach längerem Gebrauch absetzen will, tut dies am besten schrittweise und mit ärztlicher Hilfe. Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung kann dabei helfen.
Wenn sie zu lange oder in hoher Dosis eingenommen werden, machen Benzodiazepine und Z-Substanzen (Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten) abhängig. Eine Abhängigkeit kann schon nach wenigen Wochen einsetzen und zudem unbemerkt bleiben. Deshalb ist es wichtig, diese Medikamente nur so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosis anzuwenden. Empfohlen wird, sie nicht länger als vier Wochen einzunehmen – einschließlich einer Phase, in der die Dosis nach und nach verringert und das Mittel schließlich ganz abgesetzt wird.
Viele Menschen nehmen Schlaf- und Beruhigungsmittel jedoch über mehrere Monate oder sogar Jahre ein. Das Absetzen fällt dann schwer, zumal viele sich vor Entzugssymptomen fürchten. Von Benzodiazepinen oder Z-Substanzen wieder loszukommen, kann tatsächlich eine körperliche und psychische Herausforderung sein. Mit ärztlicher, psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung lässt sich diese aber meistern.
Wie werden Schlaf- und Beruhigungsmittel abgesetzt?
Wichtig ist, die Medikamenten-Dosis schrittweise bis auf Null zu senken. Das langsame Ausschleichen soll Entzugserscheinungen vorbeugen. Sie treten auf, wenn dem Körper das Mittel entzogen wird, an das er sich gewöhnt hat. Die Entzugserscheinungen sind den ursprünglichen Beschwerden der Schlafstörung sehr ähnlich und können das Verlangen nach Schlafmitteln wieder verstärken – und damit einen „Teufelskreis“ in Gang setzen: Um sie zu lindern, greifen viele erneut zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
Ab wann genau mit dem Ausschleichen begonnen und wie langsam die Dosis verringert wird, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt. Ein Medikamentenplan kann den Prozess unterstützen.
Wie kann es gelingen, wieder ohne Schlafmittel auszukommen?
Wer Benzodiazepine oder Z-Substanzen über einen längeren Zeitraum anwendet, muss mit Problemen rechnen. Für ältere Menschen können sie besonders schwer wiegen, weil ihr Körper Medikamente langsamer abbaut, sie häufig mehrere Medikamente einnehmen oder mit verschiedenen Krankheiten zu tun haben. Benzodiazepine oder Z-Substanzen können zum Beispiel die Denkleistung verringern oder das Sturzrisiko erhöhen, weil sich die Muskulatur übermäßig entspannt. Oft hat sich der Körper bereits an das Mittel gewöhnt – oder er ist bereits abhängig. In dieser Situation ist ein behutsames Absetzen besonders wichtig.
Um eine längere Einnahme von Benzodiazepinen oder Z-Substanzen zu beenden, ist die Arztpraxis die erste Anlaufstelle. Wer das Gefühl hat, den Konsum nicht mehr im Griff zu haben, kann sich auch an eine Suchtberatungsstelle wenden. Gewöhnlich wird ein Plan für das Absetzen erstellt, der sich an der Art und Dosierung der Medikamente, der Anwendungsdauer und persönlichen Umständen orientiert.
Verschiedene Studien zeigen, dass schon einfache Mittel das Absetzen von Benzodiazepinen unterstützen können: So hörten mehr Menschen auf, die Medikamente einzunehmen, wenn sie von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt betreut und beraten wurden.
Dass Ersatzmedikamente während der Dosisreduzierung helfen könnten, leichter von Benzodiazepinen loszukommen oder dass sie zu weniger Entzugssymptomen führen, zeigen Studien bisher allerdings nicht. Um beurteilen zu können, ob einzelne Präparate – zum Beispiel Antidepressiva, Antihistaminika oder Melatonin – das Absetzen vielleicht doch erleichtern, müsste ihre Wirkung als Ersatzmedikamente besser geprüft werden.
Was bringt eine zusätzliche psychologische Unterstützung?
Verschiedene Studien sprechen dafür, dass es mehr Menschen schaffen, von Benzodiazepinen loszukommen, wenn sie zusätzlich psychologisch unterstützt werden. Am erfolgreichsten ist dabei anscheinend die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Die KVT ist eine Form der Psychotherapie, die darauf abzielt, belastende Gedanken und Überzeugungen zu erkennen und dann zu verändern. Zur psychologischen Behandlung gehören auch Entspannungsübungen.
Studien deuten darauf hin, dass die kognitive Verhaltenstherapie hilft, Schlafmittel abzusetzen. Damit der Erfolg anhält, kann man zum Beispiel weiterhin seine Gewohnheiten rund um den Schlaf prüfen und verbessern sowie Entspannungstechniken wie autogenes Training in den Alltag integrieren.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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