Selinexor (Nexpovio) bei multiplem Myelom

Einleitung
Selinexor (Handelsname Nexpovio) ist seit März 2021 zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen. Bei Erwachsenen, bei denen mindestens eine Therapie nicht ausreichend gewirkt hat, wird das Medikament mit Bortezomib und Dexamethason kombiniert. Bei Patientinnen und Patienten, die bereits mindestens vier Therapien erhalten haben, kommt es nur mit Dexamethason zum Einsatz.
Das multiple Myelom ist eine seltene Krebserkrankung, bei der sich krankhaft veränderte Plasmazellen im Knochenmark unkontrolliert vermehren. Dadurch wird der Knochen zerstört und die normale Blutbildung verhindert. Das kann zu Knochenschmerzen und -brüchen sowie zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Ein multiples Myelom schwächt das Immunsystem und ist lebensbedrohlich. Die Erkrankung kann über Jahre hinweg ohne bemerkbare Krankheitszeichen verlaufen. Treten Symptome auf, ist die Erkrankung meist weit fortgeschritten.
Selinexor soll die Teilung und Vermehrung der Krebszellen verhindern.
Anwendung
Selinexor wird als Tablette (20 mg) in Behandlungszyklen von 5 Wochen in folgender Dosierung eingenommen:
- In Kombination mit Bortezomib und Dexamethason: 100 mg Selinexor, einmal wöchentlich an Tag 1 jeder Woche.
- In Kombination mit Dexamethason: 80 mg Selinexor an den Tagen 1 und 3 jeder Woche.
Bei starken Nebenwirkungen kann die Dosis reduziert werden. Treten zu schwere Nebenwirkungen auf oder schreitet der Krebs fort, wird die Therapie beendet.
Andere Behandlungen
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2022 geprüft, ob Selinexor für vorbehandelte Personen mit multiplem Myelom im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte verwertbare Daten für Patientinnen und Patienten vor, bei denen der Krebs auf bis zu drei Vorbehandlungen nicht ausreichend angesprochen hatte oder danach wieder aufgetreten war. Insgesamt waren es 402 Personen: Die eine Hälfte wurde mit Selinexor plus Bortezomib / Dexamethason behandelt, die andere Gruppe nur mit Bortezomib / Dexamethason. Alle Patientinnen und Patienten waren zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Selinexor?
In der Studie zeigten sich keine Vorteile einer Behandlung mit Selinexor.
Welche Nachteile hat Selinexor?
Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Selinexor hin: Mit Selinexor traten bei 87 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf. Ohne Selinexor war das bei 63 von 100 Personen der Fall. Zu den schweren Nebenwirkungen gehörten unter anderem schwere Magen-Darm-Erkrankungen, schwere Trübung der Augenlinse, schwere Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems, schwere allgemeine Erkrankungen, Reaktionen am Verabreichungsort sowie schwere Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen.
Auch bei schweren Erkrankungen der Atemwege und des Brustraums und Herzerkrankungen deutet die Studie auf Nachteile von Selinexor hin.
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Selinexor (Nexpovio) nach mindestens einer Vortherapie und nach mindestens vier Vortherapien.
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Selinexor (multiples Myelom ≥ 1 Vortherapie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A22-100. 23.12.2022. (IQWiG-Berichte; Band 1480).
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Selinexor (multiples Myelom ≥ 4 Vortherapien) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A22-101. 22.12.2022. (IQWiG-Berichte; Band 1475).
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.