Talazoparib (Talzenna) bei fortgeschrittenem Prostatakrebs (mit HRR-Mutation)

Einleitung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2024 geprüft, ob Talazoparib (Handelsname Talzenna) in Kombination mit Enzalutamid bei Männern mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs mit HRR-Mutation im Vergleich zu den individuell angepassten Therapien Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte hierzu 1 verwertbare Studie vor. In der Studie wurden nur Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs untersucht, die in diesem Stadium noch nicht behandelt wurden. Alle Männer erhielten Enzalutamid. Eine Gruppe mit 200 Männern wurde zusätzlich mit Talazoparib behandelt, die anderen 199 Männer erhielten zusätzlich ein Placebo. Zu Beginn der Studie waren alle Patienten in einem guten Allgemeinzustand. Sie wurden bis zu zweieinhalb Jahren untersucht. Für die Männer mit HRR-Mutation zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Talazoparib?
Schmerzen: Bei Schmerzen deutet die Studie auf einen Vorteil hin. Bei den Männern, die zusätzlich Talazoparib erhielten, verschlechterten sich die Schmerzen im Mittel (Median) nach 9 Monaten. Ohne den Wirkstoff war das nach knapp 6 Monaten der Fall.
Beschwerden des Harnsystems: Auch hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Talazoparib hin. Beschwerden des Harntrakts traten bei den Männern mit Talazoparib im Mittel (Median) nach 32 Monaten auf. Mit Placebo traten die Symptome nach knapp 16 Monaten auf.
Körperliche Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Bei diesem Aspekt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität deutet die Studie ebenfalls auf einen Vorteil für Talazoparib hin.
Welche Nachteile hat Talazoparib?
Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Talazoparib hin. Sie traten mit Talazoparib nach knapp 5 Monaten auf. Mit Placebo war das nach knapp 24 Monaten der Fall.
Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Auch hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Talazoparib hin. Mit Talazoparib brachen 12 von 100 Männern die Studie ab. Mit Placebo war das bei 8 von 100 Männern der Fall.
Zudem deutet die Studie auf einen Nachteil von Talazoparib für folgende Aspekte hin:
- Übelkeit und Erbrechen
- schwere Infektionen
- schwere Blutarmut
- schwere Blutbildveränderungen
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Lebenserwartung: Hier gab es keinen Unterschied: In der Studienzeit von zweieinhalb Jahren waren mit Talazoparib 30 von 100 und mit Placebo 38 von 100 Männern gestorben. Auch wenn sich hier ein Vorteil für Talazoparib andeutet, lässt sich aus den Daten kein sicherer Vorteil ableiten.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Bei fast allen Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wie der Einschätzung der Lebensqualität insgesamt (globaler Gesundheitsstatus), Einschränkungen in Alltag oder Freizeit (Rollenfunktion), emotionale Funktion, kognitive Funktion und Beeinträchtigungen im Familienleben oder Aktivitäten mit Freunden (soziale Funktion) zeigten sich keine Unterschiede.
Auch bei folgenden Aspekten zeigte die Studie keinen Unterschied:
- Knochenbrüche
- Rückenmarkskompression
- Schlaflosigkeit
- Verstopfung
- Durchfall
- Darmbeschwerden
- hormonbehandlungsbezogene Symptome
- Gesundheitszustand
- Schwindelgefühl
- sexuelle Aktivität
Weiterhin gab es keinen relevanten Unterschied bei starker Erschöpfung (Fatigue), Atemnot und Appetitverlust.
Welche Fragen sind noch offen?
Der Hersteller legte keine verwertbaren Daten vor zu:
- Inkontinenz
- Sexualfunktion
- akuten myeloischen Leukämien
- myelodysplastischem Syndrom (Erkrankungen des Knochenmarks)
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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