Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden)

Einleitung
Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Sie sind nichts anderes als ringförmig angeordnete durchblutete Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, kurz vor dem After. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen sie dafür, dass der Darm nach außen richtig schließt. Sie sorgen also zum Beispiel dafür, dass bei Blähungen nur Luft entweicht und kein Stuhl.
Doch wer von „Hämorrhoiden“ spricht, meint meist Beschwerden wie Juckreiz im Afterbereich oder Blutungen während oder kurz nach dem Stuhlgang, die durch vergrößerte Hämorrhoiden entstehen können. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem „Hämorrhoidalleiden“.
Vergrößerte Hämorrhoiden sind vielen Menschen peinlich: Sie trauen sich nicht, über ihre Beschwerden zu sprechen oder in eine Arztpraxis zu gehen. Manche haben vielleicht auch Angst vor einer Untersuchung oder einer ernsthaften Erkrankung. Meistens stecken aber harmlose Erkrankungen hinter den Beschwerden. Diese ärztlich abklären zu lassen, ist wichtig, um sie richtig behandeln zu können.
Symptome
Ein Hämorrhoidalleiden kann unterschiedliche Beschwerden verursachen. Das Hauptsymptom sind schmerzlose Blutungen während oder kurz nach dem Stuhlgang. Dazu kann es kommen, wenn fester Stuhl oder starkes Pressen die dünnen Gefäßwände der Hämorrhoiden beschädigt. Blutungen aus Hämorrhoiden zeigen sich meist als hellrote bis rote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder dem Stuhl. Bei Blut im Stuhl sollte man keine Eigendiagnose stellen, sondern die Ursache ärztlich abklären lassen.
Weitere typische Beschwerden im Afterbereich sind:
- Juckreiz
- Nässen
- Brennen
- unbeabsichtigter Abgang von kleinen Mengen Schleim und Stuhl
- Gefühl von unvollständiger Darmentleerung nach dem Toilettengang
- Druck- oder Fremdkörpergefühl
Vergrößerte Hämorrhoiden können auch aus dem After heraustreten und als weiche Knoten sichtbar werden. Dies wird als Hämorrhoiden-Vorfall (Hämorrhoidal-Prolaps) bezeichnet. Manchmal werden Hämorrhoiden auch mit Marisken verwechselt. Marisken sind harmlose Hautläppchen am After, die in der Regel keine Symptome verursachen.
Schmerzen treten in der Regel nur bei einem sehr weit fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden auf. Häufig entstehen die Schmerzen aber durch andere Hautverletzungen im Afterbereich wie etwa Einrisse.
Je nach Ausprägung unterscheidet man vier Schweregrade:
- Grad 1: Die Hämorrhoiden sind nur leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar.
- Grad 2: Die stärker vergrößerten Hämorrhoiden können beim Stuhlgang, seltener auch bei anderen körperlichen Aktivitäten, aus dem After heraustreten. Sie ziehen sich aber von selbst wieder zurück.
- Grad 3: Die Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang oder bei anderen körperlichen Aktivitäten aus dem After heraus. Sie ziehen sich nicht wieder von selbst zurück, können aber mit der Hand zurückgeschoben werden.
- Grad 4: Die Hämorrhoiden sind dauerhaft aus dem After ausgetreten und können nicht mehr zurückgeschoben werden. Meist ragt dabei auch ein kleines Stück der Analschleimhaut aus dem After heraus. Dies wird auch als Analprolaps bezeichnet.
Ursachen und Risikofaktoren
Was die Ursachen und Risikofaktoren für vergrößerte Hämorrhoiden sind, ist nicht gut erforscht. Bisherige Studien zeigen keine eindeutigen Ergebnisse.
Vermutlich entsteht ein Hämorrhoidalleiden, weil das Gewebe, das die Hämorrhoiden stützt, mit der Zeit schwächer wird. Möglicherweise gibt es auch eine familiäre Veranlagung für vergrößerte Hämorrhoiden.
Weitere mögliche Faktoren sind:
- chronische Verstopfung
- harter Stuhl
- starkes Pressen beim Stuhlgang
- Schwangerschaft und Geburt
- häufiger Durchfall
- Übergewicht
Häufigkeit
Das Hämorrhoidalleiden ist eine sehr häufige Erkrankung: Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Laufe des Lebens Beschwerden bekommt. Doch längst nicht alle Betroffenen nehmen ärztliche Hilfe in Anspruch. Etwa 4 von 100 Erwachsenen lassen sich in Deutschland jährlich wegen vergrößerter Hämorrhoiden ärztlich behandeln.
Verlauf
Wie sich vergrößerte Hämorrhoiden entwickeln, lässt sich nicht vorhersagen. Die Beschwerden und Symptome können stärker werden. Es kann aber auch sein, dass sich die Hämorrhoiden nicht weiter vergrößern und die Beschwerden wieder nachlassen. Bereits vergrößerte Hämorrhoiden werden jedoch meist nicht von selbst wieder kleiner.
Wenn vergrößerte Hämorrhoiden nässen, kann es zudem zu Hautreizungen im Analbereich kommen, manchmal auch zu Analekzemen. Bei einem Analekzem ist die Haut am After rot und entzündet, sie nässt und juckt. Es können sich auch Bläschen und Schorf bilden.
Diagnose
Manche Menschen haben Angst vor den Untersuchungen und möglichen Schmerzen. Die Untersuchungen sind in der Regel aber schmerzfrei, auch wenn sie von manchen Menschen als unangenehm oder peinlich empfunden werden. Für das medizinische Personal sind sie ein normaler Teil ihres Berufsalltags.
Bei einem ersten Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Anschließend wird der After untersucht, um festzustellen, ob er entzündet ist und ob vergrößerte Hämorrhoiden beim Pressen nach außen treten oder bereits herausgetreten sind. Dann folgt die Tastuntersuchung des Enddarms: Mit einem Handschuh und etwas Gleitmittel wird vorsichtig ein Finger in den After eingeführt. Der Analkanal wird von innen abgetastet. So können die Schließmuskeln und die Beschaffenheit der Analschleimhaut untersucht werden. Hämorrhoiden 1. Grades sind meist nicht tastbar. Die Tastuntersuchung kann aber helfen, andere Krankheiten auszuschließen. Die Untersuchung verursacht normalerweise keine Schmerzen.
Bei einem Verdacht auf vergrößerte Hämorrhoiden schließt sich in der Regel eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) an. Dabei wird die Schleimhaut des Enddarms untersucht. Dies geschieht mithilfe eines Proktoskops, einem kurzen Rohr mit eingebauter Lichtquelle und Kamera. Die Ärztin oder der Arzt kann mithilfe des Proktoskops sehen, ob und wie stark die Hämorrhoiden vergrößert sind. Die Untersuchung dauert einige Minuten und verursacht normalerweise keine Schmerzen. Zur Vorbereitung wird der Enddarm entleert. Dafür können ein Abführmittel, Zäpfchen oder ein Einlauf nötig sein.
Je nach Beschwerden kommen verschiedene weitere Untersuchungen infrage. Wenn sich Blut auf dem Stuhl befindet, schlägt die Ärztin oder der Arzt möglicherweise eine Darmspiegelung vor.
Behandlung
Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem von der Größe der Hämorrhoiden und der Stärke der Beschwerden ab. Bei leicht vergrößerten Hämorrhoiden reicht es unter Umständen aus, Verstopfungen zu vermeiden und das Verhalten beim Stuhlgang zu verändern.
Es gibt viele Ratschläge und Hausmittel zur Selbstbehandlung von Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden – etwa sich anders ernähren, Salben anwenden oder Sitzbäder machen. Einige dieser Behandlungen können die Beschwerden kurzfristig lindern, viele sind aber wissenschaftlich nicht gut untersucht.
Es ist daher bei belastenden Beschwerden sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Mögliche Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder eine Facharztpraxis für Proktologie. Proktologinnen und Proktologen haben sich auf die Behandlung von Erkrankungen des Enddarms spezialisiert.
Mit einer Proktologin oder einem Proktologen lässt sich zum Beispiel besprechen, welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Je nach Schweregrad kommen unterschiedliche Behandlungen infrage:
- Verödungstherapie (bei Grad 1 und 2): Es wird ein Wirkstoff gespritzt, der die Durchblutung der Hämorrhoiden verringert.
- Gummibandligatur (bei Grad 2): Die Hämorrhoiden werden abgebunden, sodass sie nach einiger Zeit abfallen.
- Operation (bei Grad 3 oder 4): Bei Hämorrhoiden 3. oder 4. Grades kann eine Operation erforderlich sein, bei der die vergrößerten Gefäßpolster entfernt werden. Je nachdem, wo und wie stark die Hämorrhoiden heraustreten, gibt es dafür verschiedene Operationsverfahren.
Weitere Informationen
Meistens können Hämorrhoiden ambulant behandelt werden. Manche Behandlungen und Operationen sind aber nur in einem Krankenhaus möglich. Es lohnt sich, sich auf einen Krankenhausaufenthalt gut vorzubereiten: zum Beispiel, welche Abläufe einen dort erwarten, welche Unterlagen zur Aufnahme in die Klinik benötigt werden und wofür Zuzahlungen zu leisten sind.
Erfahrungsberichte
Mehr Wissen
Quellen
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