Was bedeutet es, wenn man im Krankenhaus eine Lungenentzündung bekommt?

Einleitung
Wer im Krankenhaus liegt oder im Pflegeheim lebt, ist oft geschwächt. Dann ist das Risiko für Komplikationen bei einer Lungenentzündung erhöht, wie Atemnot, Sauerstoffmangel, Herzschwäche oder Sepsis. In der Klinik oder im Heim kann eine Lungenentzündung außerdem durch andere Erreger ausgelöst werden, die zum Teil schwieriger zu behandeln sind.
Wenn man im Krankenhaus eine Lungenentzündung bekommt, sprechen Ärztinnen und Ärzte auch von einer nosokomialen Lungenentzündung. Sie wird oft als HAP abgekürzt (englisch: hospital-acquired pneumonia).
Warum besteht in der Klinik ein höheres Risiko für Komplikationen?
Bei jungen, ansonsten gesunden Menschen verläuft eine Lungenentzündung in der Regel komplikationslos. Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind dagegen häufig älter, bettlägerig oder durch eine Erkrankung oder Operation geschwächt. Deshalb bekommen sie häufiger eine schwere Lungenentzündung mit Komplikationen – etwa eine unzureichende Versorgung mit Sauerstoff oder eine anhaltende Schwäche. Erkranken beatmete Patientinnen und Patienten an einer Lungenentzündung, ist dieses Risiko besonders hoch.
Welche Bakterien spielen eine Rolle?
Bei einer nosokomialen Lungenentzündung kommen Krankheitserreger infrage, die sonst selten eine Lungenentzündung auslösen. Typische Bakterien für Infektionen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen sind etwa Staphylokokken, bestimmte Darmbakterien wie Enterokokken und ungewöhnliche Keime wie Pseudomonas aeruginosa.
Diese Keime sind nicht unbedingt aggressiver als andere Bakterien. Entscheidend ist aber, dass sie widerstandsfähig (resistent) gegen die Antibiotika sind, die gegen die üblichen Erreger einer Lungenentzündung helfen.
Manche Bakterien sind sogar widerstandsfähig gegen mehrere Antibiotika. Fachleute bezeichnen sie als multiresistente Erreger.
Welche Antibiotika sind bei nosokomialer Lungenentzündung nötig?
In der Regel bekommen Erkrankte sofort ein Antibiotikum, das erfahrungsgemäß auch gegen mögliche Krankenhauserreger wirkt. Diese Antibiotika sind aber nicht immer gegen multiresistente Bakterien wirksam. Dann werden sogenannte Reserve-Antibiotika eingesetzt. Sie sind die einzigen Antibiotika, die noch gegen diese Keime wirken. Meist werden Kombinationen verschiedener Antibiotika eingesetzt.
Vor Beginn der Behandlung werden Blutproben oder abgehusteter Schleim entnommen und ins Labor geschickt. Anschließend wird sofort ein Antibiotikum gegeben, das mit großer Wahrscheinlichkeit wirkt. Gleichzeitig wird im Labor bestimmt, welche Erreger genau die Ursache sind. Steht dies fest, wird die Antibiotika-Therapie möglicherweise noch einmal angepasst.
Was kann vor einer Infektion schützen?
Um Menschen vor nosokomialen Infektionen zu schützen, gelten im Krankenhaus besondere Hygienevorschriften – vor allem zur Desinfektion der Hände. Wichtig sind aber auch zum Beispiel die Reinigung und Desinfektion von Böden und Oberflächen sowie die Abfallentsorgung.
Bestimmte multiresistente Erreger können auch von außen ins Krankenhaus gelangen und sich erst dort verbreiten. Kommen zum Beispiel pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen ins Krankenhaus, wird bei der Aufnahme deshalb untersucht, ob sich bei ihnen multiresistente Bakterien finden – etwa in der Nase oder an chronischen Wunden. Dann gelten während des Krankenhausaufenthalts besondere Regeln: Die Personen bekommen beispielsweise ein Einzelzimmer. Besucherinnen, Besucher und Krankenhausangehörige tragen einen Schutzkittel und einen Mundschutz, wenn sie das Zimmer betreten. Außerdem desinfizieren sie nach dem Besuch ihre Hände.
Eine Lungenentzündung kann auch durch „Verschlucken“ entstehen, wenn Bakterien aus der Mundhöhle in die Lunge gelangen. Vor allem auf Intensivstationen werden die Patientinnen und Patienten deshalb bei der Mundpflege unterstützt. Studien deuten darauf hin, dass dies vor nosokomialen Lungenentzündungen schützen kann. Allerdings hatten viele der Studien wissenschaftliche Mängel. Zum Beispiel untersuchten sie ganz unterschiedliche Maßnahmen – von antiseptischen Mundwasser-Spülungen bis zur professionellen Zahnreinigung.
Quellen
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