Wie kann eine Schleimbeutelentzündung behandelt werden?

Einleitung
Eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) macht sich durch eine Schwellung und Schmerzen bemerkbar – zum Beispiel am Ellenbogen oder Knie. Je nach Ursache und Verlauf gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Entzündung zu behandeln.
Schleimbeutel sind mit Flüssigkeit gefüllte Säckchen aus Bindegewebe, die zum Beispiel die Knie oder Ellenbogen abpolstern. Eine Schleimbeutelentzündung entsteht meist dadurch, dass ein Schleimbeutel dauerhaft gereizt wird – etwa, wenn man bei der Arbeit viel knien muss. Schonung, Verbände und entzündungshemmende Medikamente reichen häufig aus. Die Entzündung geht meist nach wenigen Wochen zurück.
Sind Bakterien im Spiel, wird mit Antibiotika behandelt. Wenn die Infektion sehr stark ist oder Beschwerden nicht abklingen, kommt eine Operation infrage, bei der der entzündete Schleimbeutel entfernt wird.
Welche konservativen (nicht operativen) Behandlungen sind möglich?
Es gibt einige Maßnahmen, die bei Muskel- und Gelenkverletzungen sinnvoll sind, vor allem bei Sportverletzungen wie Zerrungen oder Verstauchungen. Sie sind auch bei akuten Schleimbeutelentzündungen hilfreich. Man kann sie sich mit einer Eselsbrücke merken, der sogenannten PECH-Regel. PECH steht dabei für:
- P wie Pause: Das bedeutet, den betroffenen Bereich zu schonen und vor Druck oder Stößen zu schützen. Dabei können auch eine Orthese, Bandage oder eine Schiene helfen. Manchmal sind auch Gehhilfen wie Krücken sinnvoll, um das Bein oder den Fuß zu entlasten. Vor allem wenn die Schleimbeutelentzündung durch Belastungen im Beruf ausgelöst wurde, ist oft eine Krankschreibung erforderlich. Physiotherapeutinnen und -therapeuten können weitere Tipps geben, worauf man im Haushalt oder im Beruf achten soll – auch um langfristig weiteren Schleimbeutelentzündungen vorzubeugen.
- E wie Eis: Kühlpacks oder ein feuchter, kühlender Umschlag können die Beschwerden lindern. Dabei ist wichtig, das Eis oder Kühlpacks zum Beispiel in ein Handtuch einzuschlagen – also niemals direkt auf die Haut zu legen –, um sie nicht zu schädigen.
- C wie Compression: Compression ist der englische Begriff für Druck. Ein nicht zu fester Kompressionsverband mit einer elastischen Binde kann verhindern, dass der entzündete Bereich weiter anschwillt. Eine fest gewickelte Binde oder eine spezielle Manschette über einem Gelenk wie Ellenbogen oder Knie hält außerdem das Gelenk automatisch ruhiger.
- H wie Hochlagern: Wenn ein Knie oder Unterschenkel betroffen ist, kann es hilfreich sein, das Bein tagsüber immer mal wieder hochzulegen, damit es abschwillt.
Medikamente
Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen können Schmerzen lindern, die Entzündung hemmen und das Abschwellen unterstützen. Deshalb nehmen manche Menschen zusätzlich zu den Maßnahmen der PECH-Regel NSAR ein.
Antibiotika sind nur nötig, wenn Bakterien die Schleimbeutelentzündung ausgelöst haben oder eine schon bestehende Entzündung verstärken. Meist werden diese etwa 10 Tage lang in Tablettenform eigenommen. Bei stärkeren Entzündungen kann ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll sein – insbesondere für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, etwa durch eine chronische Erkrankung wie Diabetes. Dort werden Antibiotika per Infusion gegeben.
Ergusspunktion
Je mehr Flüssigkeit sich im Schleimbeutel ansammelt, desto stärker schwillt er an und desto stärker sind die Schmerzen. Mit einer Hohlnadel (Kanüle) kann die Ärztin oder der Arzt den Schleimbeutel anstechen und die überschüssige Flüssigkeit abziehen. Allerdings ist eine solche Ergusspunktion – oder gar mehrere hintereinander – meist keine dauerhafte Lösung: Die Flüssigkeit bildet sich rasch neu und bei jeder Punktion besteht die Gefahr, dass Bakterien in den Schleimbeutel gelangen. Eine Ergusspunktion kann auch gemacht werden, um herauszufinden, ob Bakterien eine Rolle spielen: Die entnommene Flüssigkeit wird dann im Labor auf Krankheitserreger untersucht.
Kortisonspritzen
Wenn sich der Schleimbeutel nach starker Beanspruchung entzündet hat und Bakterien sicher keine Rolle spielen, kann man versuchen, die Entzündung mit Kortison zu behandeln. Der Wirkstoff wird dabei von einer Ärztin oder einem Arzt direkt ins Innere des Schleimbeutels gespritzt. Kortisonspritzen werden meist erst gegeben, wenn andere Behandlungen nach etwa 10 Tagen keine Besserung gebracht haben. Sie können zu Infektionen und Gewebeschwund führen.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Es gibt kaum Studien, die untersucht haben, wann ein entzündeter Schleimbeutel operativ entfernt werden sollte. Deshalb gibt es dazu bisher auch keine einheitlichen Empfehlungen.
Ein bakteriell infizierter Schleimbeutel kann zunächst meist mit Antibiotika behandelt werden. In bestimmten Situationen wird aber zu einer Operation geraten, um den Eiter abzulassen oder den gesamten Schleimbeutel zu entfernen. Beispielsweise dann, wenn die Infektion sehr stark ist oder sich nach wenigen Tagen nicht bessert. Dann soll die Operation verhindern, dass die Infektion auf umliegendes Gewebe oder Knochen übergreift. Auch bei wiederkehrenden Infektionen kann eine Operation infrage kommen.
Sind keine Bakterien beteiligt, wartet man oft noch etwas länger. Der Schleimbeutel wird meist erst herausoperiert, wenn andere Behandlungen die Beschwerden auch nach mehreren Wochen nicht ausreichend lindern konnten – oder wenn die Schleimbeutelentzündung in kurzen Abständen immer wieder auftritt. Man spricht dann von einer chronischen Schleimbeutelentzündung.
Wie läuft die Operation ab?
In der Regel kann ambulant operiert werden. Meist reicht eine Teilnarkose – bei einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen kann zum Beispiel nur der betroffene Arm betäubt werden. Die Chirurgin oder der Chirurg schneidet die Haut ein, lässt den Eiter ab oder entfernt den gesamten entzündeten Schleimbeutel. Vor allem bei einer bakteriellen Schleimbeutelentzündung spült sie oder er die Wundhöhle gründlich aus und legt einen Drainageschlauch ein, über den Wundflüssigkeit abfließen kann. Dann wird der Hautschnitt vernäht. Nach 1 bis 2 Tagen kann die Drainage meist gezogen werden. Bis zum Fäden ziehen nach 7 bis 12 Tagen wird der Arm dann in einer Schiene ruhiggestellt.
Wie alle Operationen kann dieser Eingriff zu Komplikationen führen, etwa zu Wundheilungsstörungen und Infektionen.
Ohne Schleimbeutel ist der betroffene Bereich zwar weniger geschützt, in der Regel aber genauso beweglich wie zuvor.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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