InformationenWie lässt sich Bettnässen behandeln?

Wie lässt sich Bettnässen behandeln?

Nächstes Update: 2029

Einleitung

Bettnässen kann auch bei älteren Kindern vorkommen. Die nächtlichen Unterbrechungen erledigen sich mit der Zeit aber meist von selbst. Bis dahin gibt es einige Möglichkeiten, dem Kind zu helfen. Wichtig ist vor allem Geduld.

Für die Blasenkontrolle ist ein Zusammenspiel verschiedenster Körpervorgänge nötig. Die dafür notwendigen körperlichen Reifungsprozesse dauern bei manchen Kindern etwas länger – dann kann es zu Bettnässen kommen. Das ist nichts Ungewöhnliches, und niemand kann etwas dafür. Wichtig ist, viel Verständnis zu zeigen, das Kind zu trösten, wenn das Bett nass wurde, und ihm zu erklären, was hinter dem Bettnässen steckt.

Gut zu wissen:

Mehr Informationen zu den Ursachen von Bettnässen gibt es im Text „Bettnässen“.

Die gute Nachricht ist: Die meisten Kinder werden mit der Zeit von allein trocken, ganz ohne Behandlung. Man kann außerdem Verschiedenes tun, um allen Beteiligten den Alltag zu erleichtern – zum Beispiel nachts eine zusätzliche Garnitur bezogener Bettwäsche griffbereit haben oder Windelhosen verwenden, wenn das Kind einverstanden ist. Es gibt inzwischen auch spezielle Hosen für ältere Kinder („Windelpants“).

Weil die Nächte bis zum Trockenwerden dennoch belastend sein können, wünschen sich viele Familien eine unterstützende Behandlung. Viele einfache Maßnahmen gegen Bettnässen sind bisher kaum erforscht. Über ihren Nutzen weiß man deshalb sehr wenig. In Studien haben sich elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen und Klingelmatten für einige Kinder als nützlich erwiesen. Auch bestimmte Medikamente können zumindest einem Teil der Kinder helfen.

Wann ist es sinnvoll, über eine Behandlung nachzudenken?

Ob eine Behandlung sinnvoll ist oder nicht, hängt vor allem davon ab, ob und wie sehr das Kind unter dem Bettnässen leidet. Vor dem fünften Geburtstag wird das Bettnässen normalerweise nicht behandelt. Danach raten Kinderärztinnen und Kinderärzte zu einer ärztlichen Abklärung, um organische Ursachen des Bettnässens auszuschließen.

Je älter die Kinder werden, desto belastender kann für sie die Situation werden – das Bettnässen ist vielen dann peinlich und sie sorgen sich zum Beispiel vor Übernachtungen bei Freundinnen und Freunden oder Klassenfahrten. Wenn das Kind unter dem Bettnässen leidet, kann eine Behandlung selbst dann sinnvoll sein, wenn es nur selten ins Bett macht. Anders herum nützt eine Behandlung wenig, wenn das Kind sie nicht will oder dafür noch nicht reif genug ist.

Was kann man selbst tun?

Wichtig sind vor allem Geduld und Verständnis. Außerdem kann es ein Kind sehr beruhigen, zu wissen, dass es früher oder später von ganz allein trocken wird und dass auch andere Kinder betroffen sind.

Um trocken durch die Nacht zu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die man ausprobieren und auch kombinieren kann:

  • Flüssigkeitszufuhr abends begrenzen: Kinderärztinnen und -ärzte empfehlen, dass das Kind vor allem tagsüber regelmäßig trinkt und zur Toilette geht. In den letzten beiden Stunden vor dem Schlafengehen trinkt es dann nichts oder nur noch wenig. Wenn ein Kind durstig ist, sollte es aber trinken dürfen. Von harntreibenden, zucker- und koffeinhaltigen Getränken wie Cola oder Softdrinks wird abgeraten.
  • darauf achten, dass das Kind vor dem Schlafengehen zur Toilette geht
  • einen Kalender führen („Sonnen-Kalender“), in den trockene Nächte eingetragen werden. Das Kind kann die trockenen Nächte beispielsweise durch schöne Sticker hervorheben. Bei manchen Kindern kann es auch die Motivation steigern, wenn sie gelegentlich kleine Belohnungen dafür erhalten, dass sie sich an gemeinsame Ziele halten – zum Beispiel vor dem Schlafengehen daran zu denken, noch einmal zur Toilette zu gehen.

Solche Maßnahmen können auch im Rahmen einer sogenannten Urotherapie erlernt werden. Diese wird von Fachleuten in urologischen Kliniken und Praxen angeboten.

Zum Nutzen wie zu möglichen Nachteilen solcher Maßnahmen bei Bettnässen gibt es nur wenig Forschung. Sie sind aber eine einfache Möglichkeit, das Kind zu unterstützen und zu schauen, ob sich die Probleme bessern. Wichtig ist, dass das Kind selbst dazu bereit ist.

Es wird zudem empfohlen, dass das Kind dann auf Toilette geht, wenn es Harndrang verspürt. Von sogenannten „Haltemanövern“, bei denen das Kind das Wasserlassen hinauszögert, raten Fachleute ab.

Wie funktionieren elektronische Wecksysteme?

Elektronische Wecksysteme registrieren Nässe und lösen dann einen Alarm aus. Sie werden nur in der Nacht verwendet: Der Alarm soll das Kind möglichst bei den ersten Tropfen aufwecken, damit es die Blasenentleerung stoppen und zur Toilette gehen kann.

Mit der Zeit soll das Kind dadurch lernen, im Schlaf den Blasenmuskel verschlossen zu halten oder schon vor dem Alarm aufzuwachen, bevor die Blase ganz voll ist. Elektronische Wecksysteme sind für den Einsatz über mehrere Wochen gedacht.

Manche Systeme arbeiten mit einem Weckton, andere mit Lichtsignal oder Vibrationsalarm.

Es gibt die Wecksysteme als Klingelhöschen, Klingelmatte oder Mini-Wecksysteme, die an der Unterhose oder am Schlafanzug angebracht werden. In Deutschland werden die Kosten für ein Wecksystem von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn es ärztlich verschrieben wird und als Hilfsmittel anerkannt ist.

Eltern und Kind müssen Willen und Geduld mitbringen, wenn sie ein Wecksystem einsetzen. Nicht jedes Kind ist bereit, nachts ein Wecksystem zu benutzen. Es kommt zudem vor, dass Kinder zu Beginn der Behandlung den Alarm nicht bemerken. Dann übernehmen die Eltern das Wecken, bis das Kind selber vom Alarmton aufwacht.

Wie wirksam sind elektronische Wecksysteme?

Wecksysteme wie Klingelhöschen und -matten sind in vielen Studien erprobt worden. Eine zusammenfassende Auswertung der Studien ergibt folgendes Bild:

  • Ohne Wecksystem waren etwa 3 von 100 Kindern mindestens 14 Tage hintereinander trocken.
  • Mit Wecksystem waren etwa 22 von 100 Kindern mindestens 14 Tage hintereinander trocken.

Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings nur um grobe Schätzungen, denn die Studien ließen viele Fragen offen.

Einige Kinder hatten erneut Probleme, wenn sie aufhörten, das Wecksystem zu benutzen. Die meisten waren aber auch einige Wochen nach dem Einsatz des Wecksystems noch trocken.

Behandlungsdauer

Es wird empfohlen, das Wecksystem so lange zu benutzen, bis das Kind über 2 bis 4 Wochen nachts trocken geblieben ist – jedoch in der Regel nicht länger als 16 Wochen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe mit den Wecksystemen.

Manchmal schließt sich an eine erfolgreiche Behandlung mit Wecksystemen eine zweite Lernphase an. Dabei gibt man dem nun trockenen Kind in der Stunde vor dem Schlafengehen mehr als sonst zu trinken (etwa 0,2 Liter zusätzlich, was etwa einem kleinen Glas entspricht). So kann es lernen, auch bei besonders voller Blase schnell genug aufzuwachen.

Welche Medikamente gibt es und wann kommen sie infrage?

Bettnässen kann auch mit Medikamenten behandelt werden. Für zwei Mittel ist nachgewiesen, dass sie Bettnässen bei manchen Kindern vorübergehend stoppen können:

  • Desmopressin
  • Imipramin

Desmopressin ist ein hormonähnliches Medikament und Imipramin ein Antidepressivum. Beide müssen ärztlich verordnet werden.

Wenn man Bettnässen mit Medikamenten behandeln möchte, wird in der Regel Desmopressin eingesetzt. Der Wirkstoff verursacht seltener Nebenwirkungen als Imipramin. Er wirkt relativ schnell und kann bereits innerhalb weniger Tage helfen.

Der Einsatz von Desmopressin bietet sich zum Beispiel an, wenn andere Maßnahmen nicht helfen, das Kind bei Freunden übernachtet oder auf Klassenfahrt ist und es deshalb möglichst trocken bleiben soll. Um zu testen, ob das Mittel ausreichend wirkt und richtig dosiert ist, probiert man es am besten schon vorher aus.

Medikamente haben den Nachteil, dass sie meist nur solange wirken, wie sie eingenommen werden. Nach dem Absetzen kehrt das Bettnässen bei vielen Kindern zurück.

Wenn Desmopressin nach 4 Wochen keine Wirkung zeigt, sollte die Behandlung beendet werden. Ansonsten ist die normale Behandlungsdauer 3 Monate. Wird das Medikament längerfristig eingenommen, ist es wichtig, die Behandlung nach 3 Monaten schrittweise zu reduzieren und für etwa eine Woche zu unterbrechen. Dann zeigt sich, ob überhaupt noch Bedarf für eine Behandlung besteht – oder ob das Kind inzwischen trocken geworden ist.

Wie wirksam sind Medikamente?

Desmopressin

Desmopressin wirkt ähnlich wie das körpereigene Hormon , das nachts vom Gehirn ausgeschieden wird, um die Urinproduktion zu verringern.

Studien haben gezeigt:

  • Ohne Desmopressin bleiben 10 von 100 Kindern über mindestens 14 Tage trocken.
  • Mit Desmopressin bleiben 32 von 100 Kindern über mindestens 14 Tage trocken.

Bei Kindern, die Desmopressin-Tabletten einnehmen, können Nebenwirkungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Gewichtszunahme auftreten. Dies können Hinweise sein, dass der Körper zu viel Wasser im Körper behält. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollten Kinder und Jugendliche in der Stunde, bevor sie das Medikament einnehmen, nichts mehr trinken. Auch in den acht Stunden nach der Einnahme sollten sie nicht mehr als ein Glas trinken.

Wenn eine Behandlung mit Desmopressin beendet werden soll, kann es sinnvoll sein, die Dosis über einige Wochen nach und nach zu verringern. Dadurch lässt sich das Risiko für einen senken.

Imipramin

Imipramin gehört zur Gruppe der trizyklischen . Es wird vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, ist aber auch bei Bettnässen zugelassen. Das Mittel verkürzt die Traumphasen (REM-Phasen) des Schlafs und regt die Vasopressin-Produktion an, sodass nachts weniger Urin produziert wird.

Imipramin ist ähnlich wirksam wie Desmopressin, führt allerdings zu starken Nebenwirkungen. Daher empfehlen Ärztinnen und Ärzte das Mittel nur ausnahmsweise. Zu den Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Stimmungsschwankungen und auch Rhythmusänderungen des Herzschlags.

Wichtig ist:

Bei der Einnahme von Desmopressin oder Imipramin sollte bei Hinweisen darauf, dass der Körper zu viel Flüssigkeit einbehält, der Arzt oder die Ärztin informiert werden. Beide Medikamente sollten außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, da eine Überdosierung für sie lebensgefährlich sein kann.

Andere Arzneimittel und Therapien

Andere Arzneimittel und Behandlungen haben bei Bettnässen keine nachweisliche Wirkung. Für Therapien der komplementären oder alternativen Medizin, wie zum Beispiel Heilkräuter, , , und ist ein Nutzen bei Bettnässen nicht belegt.

Quellen

Herausgeber:gesundheitsinformation.de

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Inhalt teilen und drucken