Klassische und asiatische Massageformen

Einleitung
„Massieren“ leitet sich vom griechischen Wort für „kneten“ ab. Massagen können das Ziel haben, zu entspannen und das Wohlbefinden zu steigern. Oft werden sie aber auch eingesetzt, um Beschwerden zu lindern. Solche therapeutischen Massagen sollen die Muskulatur lockern, Schmerzen lindern, Stress abbauen, den Stoffwechsel verbessern sowie das Nervensystem oder bestimmte Organe beeinflussen. Behandelt werden damit beispielsweise Störungen des Bewegungsapparats, neurologische Erkrankungen, Rheuma sowie oft stressbedingte Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Therapeutische Massagen können mitunter auch schmerzhaft sein, besonders wenn Druck auf verhärtete Regionen ausgeübt wird. Massiert werden in der Regel die Haut, das Unterhautbindegewebe oder die Muskeln.
Die verschiedenen Massageformen unterscheiden sich in den Handgriffen und darin, welche Körperbereiche massiert werden. Verschieden ist auch, welcher Druck ausgeübt und ob mit der Hand, den Fingerspitzen oder mit Hilfsmitteln gearbeitet wird. Den einzelnen Formen liegen zudem unterschiedliche Annahmen zugrunde, wie Krankheiten entstehen und wie der Körper funktioniert. In der chinesischen Medizin gibt es beispielsweise die Vorstellung, dass Massagen den Energiefluss im Körper verbessern.
Mittlerweile wird nicht nur eine Vielzahl an Massageformen angeboten, sondern auch verschiedenste Massage-Hilfsmittel: von Ölen über Massage-Rollen bis hin zu elektrischen Massage-Sesseln. Die folgende Beschreibung der gängigsten Massagen erklärt die unterschiedlichen Techniken, ohne auf ihren Nutzen zur Behandlung von Beschwerden und Krankheiten einzugehen.
Klassische Massageformen
Klassische (schwedische) Massage
In Europa versteht man unter einer „klassischen“ Massage die sogenannte schwedische Massage, die um das Jahr 1800 in Stockholm entwickelt wurde. Bei der klassischen Massage werden die betroffenen Hautregionen und die darunterliegende Muskulatur direkt mit der Hand massiert. Dabei werden fünf unterschiedliche Handgriffe angewendet: Streichen der Haut, Kneten, Reiben, Klopfen und Vibrieren.
Die klassische Massage geht davon aus, dass Schmerzen häufig durch Muskelverspannungen und -verhärtungen ausgelöst werden, die die Durchblutung stören und die Nerven reizen. Die Massage soll die Muskulatur lockern, die Durchblutung fördern und so die Schmerzen lindern.
Manipulationsmassage
Bei der Manipulationsmassage werden unter anderem Bänder, Sehnen und Muskeln mit Massagegriffen behandelt und gleichzeitig gedehnt und bewegt. Dies soll die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen lindern. Die Übergänge zwischen einer Manipulationsmassage und einer manuellen Behandlung oder Physiotherapie sind fließend.
Mobilisierende Massage
Bei dieser Form werden neben der Massage der Muskulatur die Gelenke oder die Wirbelsäule bewegt. Auch die mobilisierende Massage zielt darauf ab, die Beweglichkeit zu verbessern und bewegt sich im Grenzgebiet zwischen Massage und Physiotherapie. Sie wird zudem angewendet, um Muskeln zu lockern und Fehlstellungen zu behandeln.
Bindegewebsmassage (Faszienmassage)
Das Bindegewebe verbindet Körperstrukturen wie Organe, Muskeln und Nerven miteinander. Durch die Massage des Bindegewebes (der Faszien) sollen Verhärtungen im Gewebe gelockert, aber auch entfernter liegende Organe positiv beeinflusst und damit Krankheiten behandelt werden.
Tiefe Gewebsmassage
Hierbei werden vor allem die tief liegenden Muskel- und Gewebeschichten massiert. Mit den Fingern wird dabei ein starker Druck auf die Muskelstränge und die Sehnen ausgeübt, was Verspannungen im Körper lösen soll. Je stärker der Druck, desto eher kann eine solche Massage auch schmerzhaft sein.
Triggerpunktmassage
Bei der Triggerpunktmassage werden schmerzauslösende Punkte (Triggerpunkte) gezielt durch Druck behandelt. Diese Punkte sind überempfindliche, verhärtete Muskelfasern, die durch die Behandlung gelockert werden sollen.
Periostmassage
Das „Periost“ ist die „Knochenhaut“ – eine dünne Gewebeschicht, die alle Knochen überzieht. Darin befinden sich zahlreiche Nerven und Blutgefäße. Eine Massage, die Druck auf diese Knochenhaut ausübt, soll bestimmte Schmerzformen lindern.
Massagen aus der chinesischen Medizin
Akupressur und ähnliche Massageformen
Bei der Akupressur wird mit Drehbewegungen der Fingerspitzen auf bestimmte Punkte des Körpers sanfter bis stärkerer Druck ausgeübt. Die Akupressur entstammt der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und basiert auf der Vorstellung, dass durch den Körper Energiebahnen (Meridiane) verlaufen, in denen eine Lebensenergie (das Chi) fließt. Durch die Massage bestimmter Punkte auf diesen Bahnen soll die Lebensenergie beeinflusst werden.
Die „Akupunktmassage“ hat einen ähnlichen Ansatz wie Akupunktur und Akupressur. Bei dieser Form werden Punkte auf den Meridianbahnen mit Metallstäbchen stimuliert. Auch wenn der Begriff Akupunktmassage etwas anderes vermuten lässt, werden bei dieser Art der Massage keine Nadeln gesetzt.
Fußreflexzonenmassage
Bei dieser Behandlung wird auf die Fußsohle und die Zehen sanfter Druck ausgeübt. Die Annahme ist, dass verschiedene Punkte am Fuß mit bestimmten Organen über sogenannte „Reflexbahnen“ (nicht zu verwechseln mit den Nervenbahnen) verbunden sind, über die die Massage einen heilenden Einfluss ausüben soll.
Vakuum- oder Saugglockenmassage
Bei einer Vakuummassage wird mit einer Vakuumpumpe, an die eine Saugglocke angeschlossen ist, ein Unterdruck erzeugt. Die Saugglocke wird auf die Haut aufgesetzt, die durch den Unterdruck in die Glocke hineingezogen und so massiert wird. Wenn größere Bereiche massiert werden sollen, wird die Saugglocke verschoben.
Andere asiatische Massagen
Thai-Massage
Bei der Thai-Massage zieht die Masseurin oder der Masseur kräftig an den Gliedmaßen, die dadurch gedehnt und gestreckt werden. Zudem wird ein starker, rhythmischer Druck auf den Körper ausgeübt – mit Händen, Ellenbogen, Knien oder Füßen. Der traditionellen Vorstellung nach verlaufen im Körper Energielinien, die Körperteile und Organe verbinden und deren Manipulation Krankheiten lindern soll. Aus moderner medizinischer Sicht beeinflusst die Thai-Massage die Muskulatur, Knochen und Durchblutung.
Quellen
Andreae S, Avelini P, Berg M, Blank I, Burk A. Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Stuttgart: Thieme; 2008.
Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, Longo DL, Jameson JL, Loscalzo J. Harrison's Principles of Internal Medicine. New York: McGraw-Hill; 2015.
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.