Durvalumab (Imfinzi) bei Blasenkrebs vor und nach einer Operation

Einleitung
Durvalumab (Handelsname Imfinzi) ist seit Juli 2025 zur Behandlung eines muskelinvasiven Blasenkarzinoms zugelassen. Der Wirkstoff kommt für Erwachsene infrage, bei denen der Tumor noch operiert werden kann und wird mit Gemcitabin und Cisplatin kombiniert. Nach der Operation wird Durvalumab als Einzeltherapie fortgesetzt.
Ein Harnblasenkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der in der Blase entsteht. Männer erkranken häufiger als Frauen. Er kann oberflächlich auftreten oder in die Tiefe der Blasenwand einwachsen. Das muskelinvasive Blasenkarzinom (MIBC) ist ein Blasenkrebs, der bereits in die Muskelschicht der Blasenwand eingedrungen ist.
Erste Symptome sind meist schmerzlose Blutungen der Blasenschleimhaut, sodass sich der Urin rot oder bräunlich verfärbt. Auch häufiger Harndrang kann ein Anzeichen sein. Ist der Krebs in den Muskel eingedrungen wird in der Regel die Blase entfernt.
Durvalumab soll die T-Zellen der Immunabwehr aktivieren, den Krebs anzugreifen und so das Wachstum zu hemmen.
Anwendung
Durvalumab wird als Infusion in einer Dosierung von 1500 mg gegeben. Die Infusion dauert etwa eine Stunde. Vor der Operation wird der Wirkstoff zusammen mit einer platinbasierten Chemotherapie verabreicht. Nach der Operation wird Durvalumab als Einzeltherapie fortgeführt.
Andere Behandlungen
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2025 geprüft, ob Durvalumab bei muskelinvasiven Blasenkrebs im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.
Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller eine Studie mit 1063 Personen vor. Die eine Hälfte wurde vor der Operation mit Durvalumab plus Gemcitabin und Cisplatin behandelt und erhielt nach der Operation Durvalumab als Einzeltherapie. Die andere Gruppe wurde ebenfalls mit Gemcitabin und Cisplatin behandelt und wurde nach der Operation abwartend beobachtet. Alle Patientinnen und Patienten waren zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand und wurden im Mittel (Median) bis zu 3,5 Jahren beobachtet. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Durvalumab?
Scheitern der kurativen Therapie: Hier weist die Studie auf einen Vorteil von Durvalumab hin: Bei 35 von 100 Personen mit Durvalumab scheiterte der kurative Ansatz gegen den Krebs, das heißt, es blieben entweder Krebszellen nachweisbar, eine erneute Operation nicht mehr möglich war, es gab einen Rückfall oder die Person verstarb. In der Gruppe ohne Durvalumab war das bei 46 von 100 Personen der Fall.
Anämie (Blutarmut): Bei dieser Nebenwirkung deutet die Studie auf einen Vorteil von Durvalumab hin. Mit Durvalumab kam es bei 1 von 100 Personen zu einer Anämie. Ohne Durvalumab war das bei 3 von 100 Personen der Fall.
Welche Nachteile hat Durvalumab?
Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen: Bei diesen schweren Nebenwirkungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift, deutet die Studie auf einen Nachteil von Durvalumab hin. Mit Durvalumab kam es bei 4 von 100 Personen zu immunvermittelten schweren Nebenwirkungen. Ohne Durvalumab war das bei 1 von 100 Personen der Fall.
Auch bei Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes, Lungenembolien und schweren Herzerkrankungen deutet die Studie auf einen Nachteil von Durvalumab hin.
Rollenfunktion und soziale Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Bei diesen beiden Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität deutet die Studie auf einen Nachteil von Durvalumab für Frauen hin. Das heißt die Frauen mit Durvalumab fühlten sich in ihrem Alltag, ihrer Freizeit oder ihrer Arbeit und bei sozialen Aktivitäten mehr eingeschränkt als die Frauen ohne Durvalumab.
Für die Männer zeigte sich diesbezüglich kein Unterschied.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Schweren Nebenwirkungen insgesamt: Hier gab es keinen Unterschied, bei 55 bis 62 von 100 Personen traten schwere Nebenwirkungen auf.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Bei Aspekten wie der Einschätzung der Lebensqualität insgesamt, körperliche, kognitive und emotionale Funktion zeigte sich kein Unterschied.
- starke Erschöpfung (Fatigue)
- Übelkeit und Erbrechen
- Schmerzen
- Atemnot
- Schlaflosigkeit
- Appetitverlust
- Verstopfung
- Durchfall
- Krankheitsbeschwerden
- Gesundheitszustand
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Durvalumab (Imfinzi).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Durvalumab (Urothelkarzinom, neoadjuvant + adjuvant) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A25-97. 20.10.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2126); DOI: 10.60584/A25-97.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Durvalumab (Urothelkarzinom, neoadjuvant + adjuvant) – Addendum zum Projekt A25-97; Projekt A25-151. 30.12.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2166); DOI: 10.60584/A25-151.
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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