Durvalumab (Imfinzi) bei kleinzelligem Lungenkrebs

Einleitung
Durvalumab (Handelsname Imfinzi) ist seit Januar 2025 zur Behandlung eines kleinzelligen Lungenkrebses zugelassen. Der Wirkstoff kommt für Erwachsene mit einem kleinzelligen Karzinom der Lunge infrage, der nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht weiter fortgeschritten ist.
Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:
- das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
- das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).
Durvalumab soll die T-Zellen der Immunabwehr aktivieren, den Krebs anzugreifen und so das Wachstum zu hemmen.
Anwendung
Andere Behandlungen
Bei einem kleinzelligen Lungenkrebs, der nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht weiter fortgeschritten ist, kommt eine unterstützende Behandlung, „Best Supportive Care“ (BSC) genannt, infrage. Die BSC orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und soll Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2025 geprüft, ob Durvalumab bei kleinzelligem Lungenkrebs im Vergleich zu der unterstützenden Therapie Vor- oder Nachteile hat.
Zu diesem Vergleich legte der Hersteller eine Studie mit 530 Personen vor. Die eine Hälfte wurde mit Durvalumab behandelt, die andere Gruppe bekam ein Placebo. Alle Patientinnen und Patienten erhielten eine unterstützende Therapie. Sie wurden im Mittel (Median) 8 bis 9 Monate behandelt. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Durvalumab?
Lebenserwartung: Hier weist die Studie auf einen Vorteil von Durvalumab hin: In der Gruppe mit Durvalumab waren die Personen im Mittel (Median) nach etwa 4 Jahren und 8 Monaten gestorben. Ohne Durvalumab war das nach 2 Jahren und 9 Monaten der Fall.
Schmerzen im Arm oder in der Schulter: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Durvalumab hin. Mit Durvalumab traten sie im Mittel (Median) bei den Patientinnen und Patienten nach 8 Monaten auf. Ohne Durvalumab traten sie nach knapp 5 Monaten auf.
Bei Schmerzen in der Brust und anderen Stellen des Körpers zeigte sich kein Unterschied.
Welche Nachteile hat Durvalumab?
Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Durvalumab hin. Sie traten mit Durvalumab bei 10 von 100 Personen auf. Ohne Durvalumab war das bei 3 von 100 Personen der Fall. Bei dieser Nebenwirkung der Therapie greift das eigene Immunsystem den Körper an.
Schlaflosigkeit: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil für die Männer hin. Sie trat im Mittel (Median) bei den Männern mit Durvalumab nach knapp 6 Monaten auf. Ohne Durvalumab war das bei den Männern nach knapp 1 Jahr der Fall.
Für Frauen zeigte sich kein Unterschied.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Schwere Nebenwirkungen: Hier gab es keinen Unterschied. Sie traten bei 24 bis 30 von 100 Personen in beiden Gruppen auf.
Zudem zeigte sich kein Unterschied bei:
- starker Erschöpfung (Fatigue)
- Übelkeit und Erbrechen
- Atemnot
- Appetitverlust
- Verstopfung
- Durchfall
- Husten und Bluthusten
- wunder Mund
- Schluckstörung
- Nervenschädigungen (Periphere Neuropathie)
- Haarausfall
- Gesundheitszustand
- gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen
- Lungenentzündungen
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Durvalumab (Imfinz).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Durvalumab (kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht fortgeschritten) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A25-96. 30.10.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2125); DOI: 10.60584/A25-96.
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