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Fruchtbarkeitsstörungen

Fruchtbarkeitsstörungen
Aktualisiert am: 06.04.2022· Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Ungewollt kinderlos zu sein, ist für die meisten Betroffenen sehr belastend: Ein (weiteres) Kind zu bekommen, gehört zum Lebensplan vieler Menschen selbstverständlich dazu. Wenn sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllt, suchen viele Paare irgendwann medizinische Hilfe. Je nach den möglichen Ursachen der Fruchtbarkeitsstörung kommen verschiedene Behandlungen infrage.

Fruchtbarkeitsstörungen werden in der Medizin als „Unfruchtbarkeit“ bezeichnet, wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig ohne Verhütung Geschlechtsverkehr hatte und sich kein Nachwuchs ankündigen will. Der medizinische Fachbegriff für Unfruchtbarkeit ist „Sterilität“.

Ursachen

Die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch können vielfältig sein. Zu den möglichen körperlichen Ursachen gehören zum Beispiel bei der Frau:

Körperliche Ursachen beim Mann können zum Beispiel sein:

  • hormonelle Störungen
  • eingeschränkte Spermienqualität – beispielsweise zu wenige, nicht ausreichend bewegliche oder fehlgebildete Spermien (Samenzellen)
  • verschlossene Samenleiter, durch die beim Samenerguss keine Spermien nach außen gelangen
  • Erektionsstörungen

Auch bestimmte Krankheiten und Infektionen – etwa eine Chlamydien-Infektion –, genetische, psychische oder Umwelteinflüsse können die Fruchtbarkeit stören. Zudem kann der Lebensstil eine Rolle spielen. So können beispielsweise längeres Rauchen und starker Alkoholkonsum die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Alle Faktoren können einzeln oder zusammen dazu führen, dass ein Paar ungewollt kinderlos ist. Manchmal bleibt die Ursache aber auch unklar.

Nicht zuletzt spielt das Alter für die Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle: Je älter das Paar und vor allem die Frau ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich ein Kinderwunsch auf natürlichem Wege schnell erfüllt.

Häufigkeit

In Europa sind etwa 18 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal von Unfruchtbarkeit betroffen. Das heißt: Die Frau wird nicht schwanger, obwohl sie und ihr Partner mindestens ein Jahr lang regelmäßig ohne Verhütung Geschlechtsverkehr haben.

Diagnose

Da die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit beim Mann, bei der Frau oder bei beiden gemeinsam liegen kann, ist es wichtig, dass sich beide Partner ärztlich untersuchen lassen. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt (), außerdem körperliche Untersuchungen einschließlich einer Blutprobe. In der Regel wird der Hormonspiegel im Blut bestimmt. Beim Mann wird außerdem eine Samenprobe untersucht, bei der Frau eine der Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter gemacht.

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Fruchtbarkeitsstörungen zu behandeln. Die Entscheidung für eine Methode hängt vor allem davon ab, welches Problem bei der Frau oder dem Mann festgestellt wurde. So kommen zum Beispiel Hormonpräparate zum Einsatz, wenn der Zyklus der Frau gestört ist. Bei Myomen oder Endometriose kann manchmal eine Operation helfen. Auch beim Mann können je nach Ursache der Fruchtbarkeitsstörung beispielsweise hormonelle oder operative Behandlungen eine Möglichkeit sein.

Es gibt folgende Verfahren zur künstlichen Befruchtung:

  • Insemination: Das Sperma wird mit einem kleinen Schlauch durch die Vagina (Scheide) direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen. Dort kann es die Eizelle befruchten.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Dabei werden der Frau mit einer dünnen Hohlnadel durch die Vagina Eizellen entnommen. In einem Labor werden die Spermien des Mannes mit der Eizelle zusammengebracht. Die Spermien befruchten die Eizelle dann selbst. Zuvor ist es nötig, die Eierstöcke der Frau durch eine Hormonbehandlung anzuregen, um in einem Zyklus mehrere reife Eizellen gleichzeitig freizugeben. Die Hormonbehandlung kann belastende Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen oder Übelkeit haben.
  • Intracytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI): Sie läuft ähnlich ab wie die IVF. Der Unterschied: Die Spermien werden im Labor direkt mit einer feinen Nadel in die Eizellen eingespritzt.

Wenn die Befruchtung bei einer IVF oder ICSI erfolgreich war und sich die Eizellen weiterentwickeln, setzt die Ärztin oder der Arzt nach einigen Tagen höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter ein. Falls sich mehr Eizellen zu Embryonen entwickelt haben, können sie auf Wunsch der Frau entweder tiefgefroren (kryokonserviert) oder vernichtet werden. Dies gilt auch für Eizellen im sogenannten Vorkernstadium, in dem das Spermium und die Eizelle noch nicht vollständig miteinander verschmolzen sind. Kryokonservierte Embryonen oder befruchtete Eizellen können in einem späteren Zyklus aufgetaut und eingesetzt werden, wenn die erste Übertragung nicht erfolgreich war.

Eine künstliche Befruchtung ist nicht immer möglich oder hat manchmal nur sehr geringe Erfolgsaussichten – beispielsweise bei bestimmten Fehlbildungen der Gebärmutter.

Weitere Informationen

Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht. Bei Fruchtbarkeitsstörungen kann man sich an gynäkologische oder urologische Praxen wenden. Es gibt auch spezielle Kinderwunschpraxen oder -kliniken. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorzubereiten.

Unter www.informationsportal-kinderwunsch.de finden sich Informationen zu Diagnostik und Behandlung bei Fruchtbarkeitsstörungen, zu Beratungsmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung. Das Portal ist ein Angebot des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Das Portal www.familienplanung.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert über Kinderwunsch, Fruchtbarkeitsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten.

Quellen

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung ("Richtlinien über künstliche Befruchtung"). 2022.

Pschyrembel Online. 2026.

Weyerstahl T, Stauber M. Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart: Thieme; 2014.

World Health Organization (WHO). Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility. 2025.

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