Geburt nach einem Kaiserschnitt: Wie soll mein Kind zur Welt kommen?
Einleitung
Viele Frauen, die ein Kind per Kaiserschnitt geboren haben, stellen sich die Frage, wie das Geschwisterkind zur Welt kommen soll – mit einem erneuten Kaiserschnitt oder einer vaginalen Geburt?
Etwa jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Wird eine Frau danach erneut schwanger, steht sie vor der Entscheidung, wie sie das Kind gebären möchte. Wenn es ihr und dem Kind gut geht, hat sie meist die Wahl zwischen einer vaginalen Geburt und einem erneuten Kaiserschnitt. Eine vaginale Geburt ist für die meisten Frauen auch nach einem Kaiserschnitt möglich. Die Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten lassen sich mit der Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme besprechen.
Schwangere können sich frühzeitig überlegen, was sie sich für die nächste Geburt wünschen, und sich darauf vorbereiten. Dazu kann zum Beispiel gehören, eine Klinik auszuwählen, die ihre Wünsche unterstützt und in der sie sich gut aufgehoben fühlen.
Geburt nach einem Kaiserschnitt: vaginale Geburt oder erneuter Kaiserschnitt?
Diese Entscheidungshilfe unterstützt Frauen dabei, zusammen mit ihrem Geburtshilfe-Team herauszufinden, was für sie der passende Weg ist.
Ist eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt möglich?
Oft ja, aber nicht immer. Ob eine vaginale Geburt infrage kommt, hängt von vielen Punkten ab, die das Geburtshilfe-Team individuell mit jeder Frau bespricht. Bei manchen Frauen sprechen medizinische Gründe gegen eine vaginale Geburt. Das können zum Beispiel eine Fehllage der Plazenta sowie frühere Verletzungen oder Erkrankungen der Gebärmutter sein. Außerdem spielt zum Beispiel eine Rolle, wie lange der letzte Kaiserschnitt her ist, wie die Narbe verläuft und wie das Kind liegt.
Für die Entscheidung, wie das Kind zur Welt kommen soll, ist auch wichtig, wie die Frau die vorherigen Geburten erlebt hat, was sie sich zutraut und wünscht.
Gut zu wissen:
Für das Gespräch mit dem Geburtshilfe-Team ist es hilfreich, den Operationsbericht des vorherigen Kaiserschnitts mitzubringen. So kann sich die Ärztin oder der Arzt ein genaues Bild machen, wie der Kaiserschnitt ablief und ob es Besonderheiten oder Komplikationen gab.
Von 100 Frauen, die sich nach einem Kaiserschnitt für eine vaginale Geburt entscheiden, bringen 75 das Kind dann auch vaginal zur Welt. Bei 25 ist doch ein Kaiserschnitt nötig. Bei Frauen, die früher schon einmal vaginal geboren haben, gelingt die erneute vaginale Geburt häufiger.
Falls nötig, unterstützt das Geburtshilfe-Team mit Instrumenten wie einer Saugglocke – etwa, wenn die Geburt zu langsam vorangeht. Kommt es zu ernsten Komplikationen wie einem Sauerstoffmangel beim Kind, wird das Kind meist schnell per Kaiserschnitt geholt.
Wo ist eine Geburt nach einem Kaiserschnitt möglich?
Wenn sich die Frau entscheidet, ihr Kind erneut per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, ist das in jeder Geburtsklinik möglich.
Grundsätzlich gilt das auch für eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt. Beim Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme können sich die Eltern erkundigen, wie viel Erfahrung das Geburtshilfe-Team mit einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt hat. In der Klinik ist auch jederzeit ein Kaiserschnitt möglich, falls es bei der vaginalen Geburt zu Komplikationen kommen sollte.
Wer sein Kind außerhalb einer Klinik in einem Geburtshaus oder zu Hause bekommen möchte, kann sich von der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt beraten lassen. Dabei kann man besprechen, ob dies in der eigenen Situation möglich ist und was zu tun ist, falls es während der Geburt doch zu Komplikationen kommt.
Wie läuft eine Geburt nach einem Kaiserschnitt ab?
Die vaginale Geburt läuft so ab wie bei Frauen, die vorher keinen Kaiserschnitt hatten. Es stehen die gleichen Möglichkeiten zur Schmerzlinderung zur Verfügung. Die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit werden sorgfältig überwacht.
Für einen vorab geplanten erneuten Kaiserschnitt kommt die Schwangere in der Regel eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin in die Klinik. Sie wird ausführlich über den Ablauf, mögliche Risiken und die Narkose aufgeklärt. Der Kaiserschnitt findet meistens mit einer Regionalanästhesie statt, sodass die Frau möglichst keine Schmerzen spürt, aber bei vollem Bewusstsein ist. So kann sie die Geburt miterleben und das Kind direkt in Empfang nehmen.
Gut zu wissen:
Der Text „Wie läuft ein Kaiserschnitt ab?“ informiert darüber, wie man sich auf den Kaiserschnitt vorbereiten kann, wie die OP abläuft und was in der ersten Zeit danach wichtig ist.
Was spricht für eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt?
Manche Frauen möchten eine vaginale Geburt erleben und empfinden dies als wichtige persönliche Erfahrung.
Mit einer vaginalen Geburt kann die Frau einen erneuten Kaiserschnitt und somit eine weitere Operation vermeiden. Es ist zwar selten, aber auch bei einem Kaiserschnitt kann es, wie bei allen Eingriffen, zu Komplikationen kommen, zum Beispiel zu Infektionen oder Problemen bei der Wundheilung. Mit jedem Eingriff steigt zudem das Risiko für Verwachsungen im Bauchraum. Diese können schmerzhaft sein und zu Darmproblemen führen.
Die Frauen verbringen nach einer vaginalen Geburt weniger Zeit im Krankenhaus. Sie erholen sich meist schneller als nach einem Kaiserschnitt und fühlen sich oft körperlich fitter.
Was spricht für einen erneuten Kaiserschnitt?
Bei einem erneuten Kaiserschnitt ist das Risiko für einen Riss der Gebärmutter geringer. Denn nach dem ersten Kaiserschnitt bleibt eine Narbe in der Gebärmutter zurück. An dieser Stelle ist das Gewebe nicht mehr so stabil und kann bei einer erneuten Schwangerschaft oder vaginalen Geburt reißen.
Es gibt nur wenige aussagekräftige Studien, die untersucht haben, wie oft es zu einem Gebärmutterriss kommt. Daher ist es nicht so einfach, verlässliche Zahlen zu nennen. Internationale Studien deuten in diese Richtung:
- Bei etwa 3 von 1000 Frauen kann es während einer vaginalen Geburt nach einem Kaiserschnitt zu einem Riss der Gebärmutter kommen.
- Bei einem erneuten Kaiserschnitt tritt dies bei weniger als 2 von 1000 Frauen auf.
Daher überwacht das Geburtshilfe-Team die Geburt engmaschig und kann einen Riss frühzeitig erkennen. Wenn die Gebärmutter reißt, kann es zu einer starken Blutung kommen, die für Mutter und Kind gefährlich ist. Das Kind wird dann nicht mehr so gut versorgt und daher möglichst schnell mit einem Notkaiserschnitt zur Welt gebracht. Anschließend wird der Riss genäht.
Eine Geburtseinleitung mit Medikamenten erhöht das Risiko für einen Gebärmutterriss. Denn die Medikamente können Wehen auslösen, die zu stark sind und zu häufig wiederkehren. Dann spricht man von einem sogenannten Wehensturm oder einer Überstimulation der Gebärmutter. Ist eine Geburtseinleitung nötig, bespricht das Geburtshilfe-Team mit der Schwangeren, ob eine vaginale Geburt weiterhin möglich ist.
Wenn es während der vaginalen Geburt zu Problemen kommt, kann das Geburtshilfe-Team der Frau auch kurzfristig einen Kaiserschnitt empfehlen. Manchmal muss das Kind mit einem Notkaiserschnitt sehr schnell auf die Welt geholt werden. In der Regel ist dieser mit einem etwas höheren Risiko verbunden als ein geplanter Kaiserschnitt, weil weniger Zeit zur Vorbereitung ist. Er findet oft in Vollnarkose statt, sodass die Frau die Geburt nicht bewusst miterlebt.
Bei vaginalen Geburten kann es zu Geburtsverletzungen wie einem Dammriss kommen. Außerdem wird der Beckenboden stärker belastet als bei einem Kaiserschnitt, was häufiger zu einer vorübergehenden oder langfristigen Harninkontinenz führen kann.
Wie macht sich ein Riss der Gebärmutter bemerkbar?
Ein Riss kann sich durch veränderte Wehen bemerkbar machen, die plötzlich deutlich stärker werden oder ganz aufhören. Das kann mit starken Unterbauchschmerzen und einer vaginalen Blutung einhergehen. Auch die Lage des Kindes in der Gebärmutter kann sich plötzlich verändern und die Herztöne des Kindes können abnehmen. Das Geburtshilfe-Team achtet auf solche Anzeichen und kann bei Verdacht auf einen Riss schnell handeln.
Wie wirkt sich eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt auf spätere Schwangerschaften aus?
Aus einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt ergibt sich in der Regel kein erhöhtes Risiko für Probleme bei einer folgenden Schwangerschaft. Eher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das nächste Kind wieder mit einer vaginalen Geburt zur Welt kommt.
Hatte eine Frau aber einen Gebärmutterriss, ist das Risiko für einen erneuten Riss erhöht. Dann empfehlen Fachleute für die nächste Geburt wieder einen Kaiserschnitt.
Wie wirkt sich ein erneuter Kaiserschnitt auf nachfolgende Schwangerschaften aus?
Nach jedem Kaiserschnitt steigt die Wahrscheinlichkeit etwas an, dass es bei einer folgenden Schwangerschaft Probleme mit der Plazenta gibt:
- Liegt die Plazenta zu weit unten in der Gebärmutter, kann sie den Gebärmutterhals überdecken. Sie versperrt dann den Weg für das Kind bei der Geburt. Der Fachbegriff ist „Plazenta praevia“.
- Verwächst die Plazenta zu fest mit der Gebärmutterwand, spricht man von einer „Plazenta accreta“. Bei der Geburt löst sich die Plazenta dann nicht von selbst ab und es kann zu starken Blutungen kommen.
Diese Probleme können bei den Vorsorgeterminen mit einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Die Ärztin oder der Arzt empfiehlt dann einen Kaiserschnitt in einer Geburtsklinik, die Erfahrung damit hat.
Quellen
Herausgeber:gesundheitsinformation.de
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Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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