Nivolumab (Opdivo) bei Speiseröhrenkrebs

Einleitung
Nivolumab (Handelsname Opdivo) ist seit Juli 2021 bei Speiseröhrenkrebs und Krebs des Übergangs der Speiseröhre zum Magen nach einer Operation (adjuvant) bei Erwachsenen zugelassen. Infrage kommen hierbei nur Patientinnen und Patienten, bei denen das nach Strahlen- und Chemotherapie herausoperierte Gewebe samt komplett entferntem Tumor noch Krebszellen aufweist.
Als Speiseröhrenkrebs, auch Ösophaguskarzinom genannt, wird ein Tumor der Schleimhaut der Speiseröhre bezeichnet. Je nachdem, von welchen Schleimhautzellen der Krebs abstammt, wird zwischen Plattenepithel- und Adenokarzinomen unterschieden.
Speiseröhrenkrebs verursacht bei vielen Betroffenen erst dann Beschwerden, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist. Denn meist ist der Tumor zu diesem Zeitpunkt dann so groß, dass er die Speiseröhre verengt und Schluckbeschwerden beim Trinken oder Essen verursacht.
Nivolumab soll als Immuntherapie bei einem Karzinom der Speiseröhre und des Übergangs zum Magen das Immunsystem dazu bringen, den Krebs zu bekämpfen.
Anwendung
Andere Behandlungen
Für operierte Patientinnen und Patienten, die bereits eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie erhalten haben, kommt abwartendes Beobachten infrage. Die Personen werden weiterhin betreut und regelmäßig untersucht. Therapieentscheidungen werden gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen.
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2025 geprüft, ob Nivolumab für Personen mit Tumor der Speisenröhre oder des Übergangs zum Magen, nach Operation und Radiochemotherapie, im Vergleich zu dem abwartenden Beobachten Vor- oder Nachteile hat.
Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine geeignete Studie vor. In dieser wurden 532 Personen mit Nivolumab behandelt, während 262 Personen ein Placebo erhielten. Bei den Personen war der Tumor vollständig entfernt worden, das entfernte Gewebe wies aber noch Krebszellen auf. Die Personen waren zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand. Alle Personen wurden regelmäßig untersucht. Sie wurden bis zu 6,5 Jahren beobachtet. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Nivolumab?
Rezidiv (Rückfall der Krebserkrankung): Hier weist die Studie auf einen Vorteil von Nivolumab hin. Mit Nivolumab trat der Krebs bei 63 von 100 Personen wieder auf. Mit Placebo war das bei 71 von 100 Personen der Fall.
Gesundheitszustand der Frauen: Hier deutet die Studie nur für die Frauen auf einen Vorteil von Nivolumab hin: 11 von 100 Frauen gaben an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Ohne Nivolumab war das bei 31 von 100 Frauen der Fall.
Welche Nachteile hat Nivolumab?
Therapieabbrüche wegen schweren Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Nivolumab hin. Mit Nivolumab brachen 14 von 100 Personen die Therapie ab. Mit Placebo war das bei 6 von 100 Personen der Fall.
Gesundheitszustand der Männer: Hier deutet die Studie für die Männer auf einen Nachteil von Nivolumab hin: 23 von 100 Männern gaben an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Mit Placebo war das bei 14 von 100 Männern der Fall.
Zudem deutet die Studie auf Nachteile von Nivolumab hin bei:
- schweren immunvermittelten Nebenwirkungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift
- schweren Infektionen
- schweren Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
- Hauterkrankungen
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Nivolumab (Opdivo).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nivolumab (Karzinome des Ösophagus oder gastroösophagealen Übergangs, adjuvant) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A25-88. 25.09.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2093); DOI: 10.60584/A25-88.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nivolumab (Karzinome des Ösophagus oder gastroösophagealen Übergangs, adjuvant) – Addendum zum Projekt A25-88; Projekt A25-142. 28.11.2025. (IQWiG-Berichte; Band 2148); DOI: 10.60584/A25-142.
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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