Was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen

Einleitung
Stürze passieren in jedem Alter. Weil ein Sturz aber bei älteren Menschen ernsthafte Folgen haben kann, lohnt sich eine gezielte Vorbeugung. Einige Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen sind schnell umgesetzt.
Eine simple und wirkungsvolle Maßnahme ist das Beseitigen von Stolperfallen in der eigenen Wohnung. Dabei kann eine Ergotherapeutin oder ein Ergotherapeut im Rahmen eines sogenannten Sturzpräventionsprogramms unterstützen. In einer Hausarztpraxis, einer Praxis für Neurologie oder Ergotherapie kann man sich dazu beraten lassen.
Auch Hilfsmittel können bei Bedarf genutzt werden, zum Beispiel eine Greifzange zum Aufheben von Gegenständen vom Boden, ein Rollator, ein Duschsessel oder Badewannenlifter.
Können Bewegungsprogramme helfen?
Wer zu Hause wohnt und ein hohes Sturzrisiko hat, kann von einem Trainingsprogramm profitieren, das die Muskulatur stärkt und den Gleichgewichtssinn verbessert. Studien belegen, dass solche Programme – ob als Gruppen- oder Einzelkurs – Stürzen vorbeugen können. Zu den untersuchten Trainingsprogrammen gehören beispielsweise:
- Gang- und Gleichgewichtstraining
- Krafttraining
- Tanzen oder Tai Chi
- Aerobic
Allerdings ist es wichtig, sich eine zu den eigenen körperlichen Fähigkeiten passende Bewegungsart auszusuchen.
Programme, die von Fachleuten aus Bereichen wie Physiotherapie, Altenpflege und Geriatrie gemeinsam gestaltet werden, helfen ebenfalls, Stürze zu vermeiden. Solche Teams können individuelle Risiken eher erkennen und Maßnahmen besser an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.
Welche Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen?
Manche Arzneimittel erhöhen allein oder in Kombination mit anderen Mitteln das Risiko für Stürze. Dazu gehören
- Beruhigungs- oder Schlafmittel,
- entwässernde und blutdrucksenkende Medikamente,
- Antiepileptika,
- Opioide und
- einige Diabetes-Medikamente.
Sie sollten aber nicht ohne ärztliche Absprache abgesetzt werden. Am besten bespricht man regelmäßig mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Medikamente noch nötig sind. Dazu ist es hilfreich, einen Medikamentenplan zu erstellen. Das ist eine Liste aller eingenommenen Medikamente, die man zu jedem Arzttermin mitbringen kann.
Kann Vitamin D Stürzen vorbeugen?
Studien deuten darauf hin, dass ältere Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern seltener stürzen, wenn sie Vitamin D einnehmen. Das gilt jedoch nur, wenn ihr Vitamin-D-Spiegel zu niedrig ist. Der Vitamin-D-Spiegel kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden.
Vitamin D soll die Muskulatur stärken. Außerdem fördert es bei Bedarf die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm. Ein ausreichender Kalziumspiegel ist für einen normalen Knochenstoffwechsel wichtig und damit auch für die Stabilität der Knochen. Möglicherweise ist Vitamin D wirksamer, wenn es zusammen mit Kalzium genommen wird.
Vitamin D und Kalzium können unerwünschte Wirkungen haben. Dazu gehört vor allem die Bildung von Nierensteinen. Fachleute empfehlen, nicht mehr als 1000 bis 1300 mg Kalzium täglich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufzunehmen.
Was könnte sonst noch helfen?
Sinnvoll ist es auch, wenn Fachleute aus Medizin, Pflege, Physio- oder Ergotherapie gemeinsam das individuelle Sturzrisiko beurteilen und gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen vorschlagen. Als hilfreich erwiesen sich in Studien:
- die Behandlung einer Sehschwäche und zum Beispiel ein Wechsel von einer Gleitsichtbrille auf eine normale Brille,
- eine Operation bei Grauem Star,
- eine Ergotherapie,
- eine Behandlung der Füße bei Fußproblemen und
- das Tragen von Antirutschsohlen oder Schuheinlagen.
Eine Verhaltenstherapie kann die Angst vor Stürzen lindern.
Auch wenn man viel zur Vorbeugung tun kann, lässt sich nicht jeder Sturz verhindern. Daher ist es – gerade in höherem Alter und bei Erkrankungen wie Osteoporose oder Arthrose – wichtig zu wissen, wie man beweglich bleiben und die Muskeln, Knochen und Gelenke stärken kann.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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