Wie gut helfen spezielle Grippemedikamente?
Einleitung
Manche Menschen haben bei einer Grippe ein erhöhtes Risiko für ernsthafte Komplikationen wie eine Lungenentzündung. Für sie kommen spezielle Grippemedikamente wie Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) infrage. Die Medikamente können dazu beitragen, dass allgemeine Grippebeschwerden etwas früher abklingen. Einen schweren Verlauf der Grippe können sie aber nicht verhindern.
Die Grippe (Influenza) ist eine Virusinfektion der oberen Atemwege. Sie kann verschiedene Beschwerden hervorrufen, darunter Fieber, Muskelschmerzen, starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Husten und eine verstopfte Nase.
Fast alle, die an Grippe erkranken, haben innerhalb einer Woche das Schlimmste überstanden. Das Krankheitsgefühl und insbesondere der Husten können noch 1 bis 2 Wochen länger anhalten.
Insbesondere ältere und chronisch kranke Menschen sowie Schwangere haben allerdings ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe: Bei ihnen sind ernsthafte Komplikationen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung (Pneumonie) häufiger, und sie können auch tödlich verlaufen. Für diese Menschen kommen spezielle Grippemedikamente infrage. Für ansonsten gesunde Menschen ist das Risiko, schwere Komplikationen zu erfahren oder an einer Grippe zu sterben, dagegen sehr gering.
Gut zu wissen:
Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf wird die jährliche Grippeimpfung empfohlen. Sie kann das Risiko senken, eine Grippe zu bekommen.
Was sind Grippemedikamente?
Bei einer Grippe gibt es spezielle Medikamente, die die Vermehrung von Viren im Körper bekämpfen: sogenannte antivirale Medikamente. In Deutschland werden bei Grippe insbesondere die beiden Wirkstoffe Oseltamivir und Zanamivir eingesetzt.
Oseltamivir und Zanamivir gehören zu den Neuraminidase-Hemmern: Sie sollen ein Eiweiß (Neuraminidase) hemmen, das Grippeviren brauchen, um sich im Körper zu vermehren. Beide Mittel sind verschreibungspflichtig: Das bedeutet, dass man die Medikamente nur mit einem ärztlichen Rezept bekommt. Oseltamivir ist das bekanntere der beiden Grippemedikamente. Es wird unter dem Handelsnamen Tamiflu vertrieben. Oseltamivir schluckt man meist in Form von Kapseln. Zanamivir (Handelsname Relenza) gibt es als Infusion oder zum Inhalieren. Beide Mittel werden meist 2-mal täglich angewendet, für insgesamt 5 Tage.
Wie gut wirken Grippemedikamente?
Studien zeigen, dass antivirale Medikamente die Dauer von Grippebeschwerden um einige Stunden verkürzen können. Der Unterschied beträgt im Durchschnitt allerdings weniger als einen Tag.
Studien fanden außerdem keine Belege dafür, dass antivirale Medikamente schwere Verläufe und ernsthafte Komplikationen verhindern können. Unklar ist, ob Menschen weniger ansteckend sind, wenn sie antivirale Medikamente nehmen.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Oseltamivir sind Erbrechen und Übelkeit. Etwa jeweils 4 von 100 Personen haben damit zu tun. Selten verengt Zanamivir die Atemwege oder beeinträchtigt die Lungenfunktion. Deshalb ist es besonders für Menschen mit Asthma und COPD wichtig, die Vor- und Nachteile gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen.
Was kann man sonst gegen eine Grippe tun?
Eine Grippe klingt normalerweise innerhalb von 1 bis 3 Wochen von selbst ab. Die Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen mit laufender oder verstopfter Nase, Hals- oder Kopfschmerzen sind zwar lästig und man kann sich sehr schlecht fühlen. Medikamente einzunehmen, ist aber normalerweise nicht nötig. Bei einer Grippe ist es wichtig, sich zu schonen, bis die Beschwerden vorüber sind. Insbesondere bei hohem Fieber empfehlen Ärztinnen und Ärzte, ausreichend zu trinken.
Viele Menschen greifen außerdem zu Hausmitteln wie Hühnerbrühe oder Kräutertees, um die Beschwerden zu lindern oder weil es ihnen guttut. Auch Wasserdampf mit oder ohne Zusätze zu inhalieren, empfinden viele Menschen als angenehm. Es gibt allerdings keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass diese Hausmittel bei der Genesung helfen.
Fieber oder Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel in „Aspirin“) und Ibuprofen verringern.
Wichtig ist:
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Er kann bei ihnen das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen.
Gegen eine verstopfte Nase kommen abschwellendes Nasenspray oder Nasentropfen für ein paar Tage infrage. Um den Hustenreiz zu lindern, kann man durch Trinken den Rachen feucht halten und mögliche Auslöser wie trockene Luft oder Rauch meiden. Man kann auch pflanzliche Mittel beispielsweise mit Efeu-, Thymian- oder Primelwurzel-Extrakten ausprobieren. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Das Angebot an frei verkäuflichen Präparaten gegen Erkältungs- und Grippesymptome mit zum Beispiel Zink, Vitaminen oder pflanzlichen Extrakten ist groß. Es gibt jedoch keine überzeugenden Nachweise dafür, dass sie bei Grippe helfen.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Daher können Antibiotika bei einer Grippe nur helfen, wenn eine zusätzliche bakterielle Infektion zu Folgeerkrankungen führt. Sonst haben sie keinen Nutzen.
Quellen
Herausgeber:gesundheitsinformation.de
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.