Wie lässt sich ein Eisenmangel behandeln?

Einleitung
Bei einem leichten Eisenmangel hilft oft bereits eine eisenreichere Ernährung. Gegen einen stärkeren Mangel gibt es eisenhaltige Medikamente. Außerdem ist es wichtig, die Ursache für den Eisenmangel zu behandeln, falls möglich.
Der Körper benötigt Eisen unter anderem, um Blut zu bilden und Sauerstoff in alle Zellen und Organe zu transportieren. Erhält er zu wenig Eisen, greift er zunächst auf gespeichertes Eisen vor allem in Leber und Milz zurück. Leeren sich auch diese Eisenspeicher, ist die Blutbildung gestört. Dies kann spürbare Folgen haben, zum Beispiel Erschöpfung und Leistungsschwäche.
Zudem kann ein starker Eisenmangel eine Blutarmut (Anämie) auslösen. Eine Blutarmut kann nicht nur Beschwerden hervorrufen, sondern auch Organe schädigen und zu Komplikationen führen, beispielsweise in der Schwangerschaft.
Wann wird ein Eisenmangel behandelt?
Wenn möglich, wird zuerst die Ursache des Eisenmangels behoben – zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung, wenn man bisher zu wenig Eisen mit der Nahrung aufgenommen hat. Falls eine Blutung oder Krankheit den Mangel verursacht, wird diese behandelt.
Man teilt den Eisenmangel in verschiedene Stadien ein. In Stadium 1 kann der Körper noch auf gespeichertes Eisen, etwa in Leber und Milz, zurückgreifen. Dieser leichte Mangel muss in der Regel nicht behandelt werden. Dann kann es ausreichen, sich eisenreicher zu ernähren. Dazu kann die Ärztin oder der Arzt beraten. Ist es jedoch schwierig, die nötige Menge über die Nahrung aufzunehmen, kann eine Behandlung sinnvoll sein. Das kann zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Leistungssport oder bestimmten Krankheiten wie einer Herzschwäche der Fall sein.
In Stadium 2 haben sich die Eisenspeicher geleert. Die Bildung neuer roter Blutkörperchen ist gestört, weil der Körper keinen roten Blutfarbstoff mehr herstellen kann. In diesem Stadium können Eisenpräparate bereits sinnvoll sein.
In Stadium 3 hat der Eisenmangel zu einer Blutarmut geführt. Dadurch werden Zellen und Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. In diesem Stadium wird man normalerweise medikamentös behandelt.
Welche Medikamente gibt es?
Mit Eisenpräparaten in Form von Tabletten, Tropfen oder Kapseln kann man dem Körper Eisen zuführen. Es gibt zwei Gruppen:
- zweiwertige Eisenpräparate: Sie bringen das Eisen in den Magen oder in den obersten Abschnitt des Darms (Zwölffingerdarm). Dort gelangt es in den Blutkreislauf.
- dreiwertige Eisenpräparate: Sie werden langsamer freigesetzt und transportieren das Eisen bis in die unteren Darmabschnitte, wo es aufgenommen wird.
Fachleute empfehlen, zunächst zweiwertige Präparate einzunehmen. Dreiwertige Präparate werden normalerweise erst angewendet, wenn jemand zum Beispiel zweiwertige Präparate nicht verträgt.
Eisen kann auch mit einer Infusion direkt ins Blut gegeben werden.
Bei einer schweren, lebensbedrohlichen Eisenmangel-Anämie ist eine Bluttransfusion nötig. Dabei erhält man Blut aus einer Blutspende. Das ist jedoch sehr selten.
Wie werden die Medikamente eingenommen?
Viele der Medikamente werden täglich eingenommen, manche nur alle paar Tage. Studien zufolge ist beides ähnlich wirksam.
Die Medikamente sollten – wenn möglich – nicht beim Essen eingenommen werden, sondern mindestens eine halbe Stunde davor oder eine Stunde danach. Wer die Medikamente schlecht verträgt, kann sie auch mit dem Essen oder kurz danach nehmen. Dann nimmt der Körper allerdings weniger von dem Eisen auf.
Bei einem Eisenmangel ohne Blutarmut wird empfohlen, die Eisenpräparate mindestens drei Monate lang einzunehmen.
Bei einer Eisenmangel-Anämie ist es wichtig, Eisenpräparate noch mindestens drei Monate lang einzunehmen, nachdem sich die Blutwerte normalisiert haben. Sie bewirken zunächst, dass wieder ausreichend roter Blutfarbstoff hergestellt wird. Danach füllen sich die Eisenspeicher langsam wieder auf. Im Laufe der Behandlung werden mehrere Blutuntersuchungen gemacht, um zu prüfen, ob sich die Blutwerte verbessert haben.
Wann kommen Infusionen infrage?
Eisen-Infusionen sind eine Möglichkeit, wenn Medikamente zum Einnehmen nicht infrage kommen – zum Beispiel, weil
- man diese nicht verträgt oder nicht schlucken kann,
- der Eisenmangel sehr stark ist oder
- der Darm zu wenig Eisen aufnimmt (etwa aufgrund bestimmter Darmerkrankungen).
Schwangere Frauen dürfen erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat Eisen-Infusionen bekommen.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Eisenpräparate lösen häufig Beschwerden wie Magenschmerzen, Verstopfung oder Übelkeit aus. Der Stuhl kann sich dunkel färben, was aber unbedenklich ist. Wer die Medikamente schlecht verträgt, kann in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt mögliche Lösungen finden. Es kann zum Beispiel helfen,
- das Medikament vor dem Einschlafen einzunehmen,
- es nicht täglich anzuwenden, sondern nur 1- oder 2-mal pro Woche,
- es mit dem Essen zu nehmen oder
- ein anderes Medikament zu probieren.
Infusionen schonen den Magen-Darm-Trakt. Es können aber Reizungen an der Einstichstelle und andere, meist schnell vorübergehende Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören:
- Kopf- oder Rückenschmerzen
- Juckreiz
- Hitzewallungen
- metallischer Geschmack im Mund
- Engegefühl in der Brust
Studien deuten darauf hin, dass Eisen-Infusionen das Risiko für bestimmte Infektionen erhöhen, beispielsweise der Lunge. Diese traten bei etwa 2 % der Behandelten auf.
Bei weniger als 0,1 % der Menschen treten nach einer Eisen-Infusion allergische Reaktionen bis hin zum allergischen Schock auf. Manche sind auch überempfindlich gegen einen Wirkstoff oder bestimmte Bestandteile. Daher wird man nach einer Infusion noch mindestens 30 Minuten überwacht.
Wie werden Kinder behandelt?
Falls ein Kind zu wenig Eisen zu sich nimmt, kann die Ärztin oder der Arzt dazu beraten, wie es mehr Eisen mit der Nahrung aufnehmen kann.
Auch Kinder können Eisenpräparate einnehmen. Die Dosis wird an das Körpergewicht angepasst. Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden können bei ihnen ebenfalls auftreten.
Eisen-Infusionen werden nur empfohlen, wenn die Einnahme von Präparaten nicht möglich ist oder nicht ausreicht.
Von einer vorbeugenden Einnahme von Eisenpräparaten raten Fachleute ab. Nur bei Frühgeborenen wird sie empfohlen – vor allem, wenn ein Kind bei der Geburt weniger als 2500 Gramm gewogen hat.
Was muss ich während der Behandlung beachten?
Bestimmte Lebensmittel verschlechtern die Eisenaufnahme. Dazu zählen Cola, Kaffee, schwarzer und grüner Tee sowie Milch. Es wird deshalb empfohlen, Eisenpräparate mit Wasser einzunehmen – oder mit einem Glas Fruchtsaft (zum Beispiel Orangensaft), denn das darin enthaltene Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme.
Auch bestimmte Medikamente hemmen die Eisenaufnahme, zum Beispiel Säureblocker für den Magen, Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen. Auch Präparate mit Kalzium oder Magnesium gehören dazu. Umgekehrt kann Eisen die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen, beispielsweise von Schilddrüsenhormonen (Thyroxin) und bestimmten Antibiotika. Man sollte daher der Ärztin oder dem Arzt mitteilen, welche anderen Medikamente man einnimmt.
Wichtig ist, die Eisenpräparate kindersicher aufzubewahren. Denn für Kinder kann eine Überdosis gefährlich sein.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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