Wie wird ein Leistenbruch oder Schenkelbruch bei Frauen behandelt?

Einleitung
Leistenbrüche (Leistenhernien) werden bei Frauen manchmal anders behandelt als bei Männern. So wird in der Regel zu einer Operation geraten. Denn hinter einem Leistenbruch steckt bei Frauen häufiger ein unerkannter Schenkelbruch, der eher zu Komplikationen führt.
Ein Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht häufig keine starken Beschwerden. Schenkelbrüche (Schenkelhernien) können dagegen unangenehmer werden, da es häufiger zu Einklemmungen kommt. Beide Brüche lassen sich gut durch eine laparoskopische (minimalinvasive) Operation mit Netzeinlage behandeln.
Wie entstehen Leisten- und Schenkelbrüche?
Ein Leistenbruch entsteht durch eine Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem Leistenkanal. Der Kanal verläuft vom Hüftknochen schräg nach unten Richtung Schambein und verbindet die Bauchhöhle mit der Leistengegend. In ihm verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße und bei Frauen das Mutterband, das die Gebärmutter hält. Bei einem Leistenbruch wölben sich durch diese Lücke in der Bauchwand Bauchfell, Fettgewebe oder Darm vor.
Bei Frauen kommt es deutlich seltener zu einem Leistenbruch als bei Männern, da der Leistenkanal bei ihnen enger ist. Schwaches Bindegewebe kann das Risiko für einen Leistenbruch jedoch erhöhen. Auch mit dem Alter steigt das Risiko. Das Heben oder Tragen schwerer Lasten spielt – wenn überhaupt – nur eine geringe Rolle.
Schenkelbrüche treten am Oberschenkel unterhalb des Leistenbands auf. Meist betreffen sie Frauen über 65 Jahre. Äußerlich fallen viele Schenkelhernien zunächst nicht auf, da sie keine sichtbare Vorwölbung verursachen. Meist machen sie sich erst durch Schmerzen bemerkbar. Schenkelbrüche werden manchmal mit Leistenbrüchen verwechselt, sind jedoch schmerzhafter als diese.
Was spricht für eine Operation?
Frauen wird auch bei beschwerdefreien Leistenbrüchen eine Operation empfohlen, weil bei ihnen das Risiko für Komplikationen höher ist als bei Männern. Zudem kann sich hinter einem Leistenbruch ein Schenkelbruch verbergen. Dies können Ärztinnen und Ärzte oft erst bei einem Eingriff feststellen.
Bei Schenkelhernien besteht ein hohes Risiko für Komplikationen, wenn sie nicht operiert werden. So kann sich der Darm in der Bauchwandlücke einklemmen, was zu einem Darmverschluss und einer Bauchfellentzündung führen kann. Etwa die Hälfte aller Frauen mit einem unerkannten Schenkelbruch müssen später notoperiert werden.
Welche Nebenwirkungen hat ein Eingriff?
Hernien-Operationen zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Sie verlaufen meist komplikationsfrei, können aber dennoch Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Entzündungen haben. Zusätzlich bestehen die Risiken, die jede Narkose mit sich bringt.
Operationsschmerzen in der Leistenregion klingen meistens einige Tage nach dem Eingriff ab. Allerdings haben etwa 10 von 100 Menschen nach der Operation bleibende Schmerzen – etwa weil Nerven verletzt wurden oder der Körper auf ein eingesetztes Kunststoffnetz reagiert. Frauen haben häufiger bleibende Schmerzen als Männer.
Zu schwereren Komplikationen kommt es bei weniger als 1 von 100 Operationen. Dazu zählen Verletzungen an Blutgefäßen und an den Nerven im Leistenkanal. Auch Wundheilungsstörungen und Entzündungen können auftreten.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Bei dem Eingriff wird der Bruchsack samt Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückgeschoben. Anschließend wird die Lücke in der Bauchwand – die sogenannte Bruchpforte – verschlossen. Sie kann zusätzlich mit körpereigenem Gewebe oder mit einem feinen Kunststoffnetz verstärkt werden.
Man unterscheidet folgende Operationsverfahren:
- offene Operation ohne Netz: Es wird durch einen längeren Hautschnitt von außen operiert und die Bruchpforte mit benachbartem Bindegewebe vernäht.
- offene Operation mit Netz: Die Bruchpforte wird mit einem Kunststoffnetz abgedeckt und dadurch zusätzlich stabilisiert.
- laparoskopische Operation: Über meist drei kleine Hautschnitte (5 bis 10 Millimeter) werden eine Kamera und die Operationsinstrumente in den Bauchraum oder in die Bauchdecke eingeführt. Bei einer minimalinvasiven Operation wird die Bruchpforte immer mit einem Kunststoffnetz abgedeckt.
Welche Operationsverfahren sind am besten geeignet?
Da Frauen nach einer offenen Operation deutlich häufiger Rückfälle haben als nach einer laparoskopischen Operation, werden bei ihnen Leisten- und Schenkelhernien in der Regel durch eine laparoskopische Operation behandelt. Das zusätzliche Kunststoffnetz zwischen Bauchfell und Bauchmuskulatur stabilisiert die Bauchwand etwas besser als eine einfache Naht mit benachbartem Bindegewebe. Dadurch sind nach der OP auch schneller wieder Belastungen möglich.
Es gibt zwei gängige laparoskopische Verfahren bei Leisten- und Schenkelbrüchen:
- TAPP (Transabdominelle Präperitoneale Plastik): Es wird durch den Bauchraum operiert. Dazu muss die Bauchdecke mit kleinen Schnitten durchtrennt werden.
- TEP (Total Extraperitoneale Plastik): Es wird nur innerhalb der Bauchdecke operiert. Das heißt, die Operateure gehen mit den Instrumenten weniger tief als bei der TAPP.
Studien zeigen keine Unterschiede zwischen TAPP und TEP: Schmerzen, Nebenwirkungen und Rückfälle traten ähnlich häufig auf, und es dauerte nach beiden Eingriffen etwa gleich lange, bis die Teilnehmenden wieder arbeiten konnten.
Was muss ich nach einer Operation beachten?
Nach einer Hernien-Operation mit Netz ist körperliche Belastung recht schnell wieder möglich – Laufen und leichte Bewegungsübungen bereits wenige Stunden nach der Operation. Wichtig ist, die Art und Intensität der Bewegungen davon abhängig zu machen, wie man sich fühlt und ob man die Belastung verträgt. In den ersten 2 bis 3 Wochen ist es besser, keine schweren Dinge zu heben.
Was tun bei einem Rückfall?
Das Risiko für einen erneuten Bruch ist individuell verschieden. Frauen haben aber ein höheres Rückfallrisiko als Männer. Deshalb wird schon bei der ersten Hernien-Operation empfohlen, ein Netz einzusetzen. Kommt es zu einem weiteren Leisten- oder Schenkelbruch, wird empfohlen, erneut ein Netz mithilfe eines laparoskopischen Eingriffs einzusetzen.
Was tun bei einem Bruch während einer Schwangerschaft?
Während einer Schwangerschaft kommt es nur sehr selten zu einem Leisten- oder Schenkelbruch. Falls doch, wird empfohlen, den Bruch erst nach der Schwangerschaft zu operieren. Eine schnelle Operation ist nur dann notwendig, wenn es zur Einklemmung kommt und Komplikationen drohen. Dies ist während einer Schwangerschaft aber die absolute Ausnahme. Die Schwangerschaft wird durch den Bruch nicht beeinträchtigt.
Quellen
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