Die große Darmspiegelung: Informationen für Männer

Einleitung
Bei einer Darmspiegelung wird der Darm auf Polypen und verdächtige Veränderungen untersucht. Wenn Polypen entdeckt werden, entfernt man sie direkt. Dadurch sinkt das Risiko für Darmkrebs. Es können Komplikationen wie Blutungen auftreten und es besteht ein geringes Risiko, dass die Darmwand verletzt wird.
Jeder Mann kann ab seinem 50. Lebensjahr zweimal eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs machen lassen. Haben sich bei der ersten Darmspiegelung keine Auffälligkeiten gezeigt, wird die zweite Spiegelung nach frühestens zehn Jahren angeboten. Der Grund für den Abstand ist, dass es viele Jahre dauert, bis aus Darmpolypen Krebs entstehen kann. Wer sich zehn Jahre nach der ersten gegen eine zweite Darmspiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.
Männern über 75 Jahren wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Früherkennung mehr empfohlen, da das Risiko für Komplikationen mit dem Alter zunimmt. Auch für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie einer schweren Herzschwäche kann eine Darmspiegelung zu belastend sein.
Wie läuft eine Darmspiegelung ab?
Bei einer großen Darmspiegelung (Koloskopie) wird der gesamte Dickdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht (Koloskop). Dabei handelt es sich um einen etwa 1,5 m langen, flexiblen Schlauch von etwa 1 cm Durchmesser. Am Ende des Koloskops befinden sich eine Lichtquelle und eine winzige Videokamera, mit der Ärztinnen und Ärzte die Darmwand betrachten können. Werden während der Spiegelung Polypen oder verdächtige Schleimhautstellen entdeckt, lassen sie sich direkt entfernen. Zu diesem Zweck kann eine kleine Schlinge oder Zange in das Koloskop geschoben werden. Das entfernte Gewebe wird anschließend im Labor genauer untersucht.
Das Koloskop wird durch den After eingeführt und bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vorgeschoben (etwa bis zum Blinddarm, siehe Grafik). Dann zieht die Ärztin oder der Arzt das Koloskop langsam wieder heraus und betrachtet dabei die Darmwand. Während der Untersuchung wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid geweitet, um die Sicht auf die Darmschleimhaut zu verbessern.
Wie bereitet man sich auf die Darmspiegelung vor?
Bei einem Arzttermin vor der Untersuchung werden der Ablauf und die Vorbereitung genau besprochen. Vor einer großen Darmspiegelung soll der Dickdarm möglichst vollständig geleert werden. Dazu trinkt man je nach Termin am Abend vor und / oder am Morgen der Untersuchung ein Abführmittel mit reichlich Flüssigkeit, insgesamt 2 bis 4 Liter. Erlaubt sind Wasser, Brühe, Tee und Säfte. Auf feste Kost muss ab 2 bis 3 Stunden vor dem Abführen bis nach der Untersuchung verzichtet werden. Wichtig ist, dass am Ende der Prozedur auf der Toilette nur noch eine klare Flüssigkeit ausgeschieden wird.
Nach der Darmspiegelung ist es normalerweise sofort wieder möglich, etwas zu essen. Wenn größere Polypen entfernt wurden, kann es aber sinnvoll sein, noch eine Weile damit zu warten.
Vor der Darmspiegelung wird ein Beruhigungsmittel angeboten. Es bewirkt, dass man kurz einschläft und die Untersuchung nicht so unangenehm ist. Wer Beruhigungsmittel nimmt, sollte nach der Darmspiegelung für 24 Stunden weder Auto fahren noch Maschinen bedienen. Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 45 Minuten.
Fast immer gelingt es, das Koloskop bis zum Blinddarm vorzuschieben, sodass der gesamte Dickdarm betrachtet werden kann. Gelegentlich muss jedoch die Darmspiegelung abgebrochen werden, weil sie zu unangenehm ist oder weil es nicht möglich ist, das Endoskop weit genug vorzuschieben. Das kann an anatomischen Besonderheiten, Narben oder Verwachsungen in der Bauchhöhle liegen. Dieses Problem tritt eher bei Menschen auf, die schon einmal am Bauch operiert wurden.
Wie zuverlässig ist die Darmspiegelung?
Bei einer großen Darmspiegelung wird der ganze Dickdarm auf Polypen und krebsverdächtiges Gewebe untersucht. Dadurch können die meisten größeren Darmpolypen entdeckt werden. Auch eine große Darmspiegelung bietet allerdings keinen hundertprozentigen Schutz davor, an Darmkrebs zu erkranken. Vor allem kleine oder flache Polypen können übersehen werden. Manchmal gelingt es auch nicht, den Darm vor der Untersuchung vollständig zu reinigen. Dann ist die Sicht auf die Darmwände erschwert.
Wenn bereits ein Krebs gewachsen ist, wird dieser bei der Darmspiegelung aber fast immer gefunden. Schätzungen zufolge werden 95 % der Karzinome durch die Untersuchung entdeckt.
Senkt die Darmspiegelung das Risiko für Darmkrebs?
Mehrere Studien haben die Vor- und Nachteile der Darmspiegelung untersucht. Sie hängen auch vom Alter zum Zeitpunkt der Untersuchung ab. Die folgenden Tabellen stellen die wichtigsten Ergebnisse für Männer im Alter von 55 Jahren und für Männer im Alter von 65 Jahren dar. Sie gelten jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren und eine Darmspiegelung.
| ... sterben an Darmkrebs: | ... erkranken an Darmkrebs: | ... haben Komplikationen: | |
|---|---|---|---|
| Ohne Früherkennung | 4 | 13 | 0 |
| Mit Darmspiegelung | 1 bis 3 | 4 bis 10 | 2 |
| Das heißt: Von 1000 Männern ... | ... sterben 1 bis 3 Männer weniger an Darmkrebs | ... erkranken 3 bis 9 Männer weniger an Darmkrebs | ... haben 2 Männer Komplikationen |
| ... sterben an Darmkrebs: | ... erkranken an Darmkrebs: | ... haben Komplikationen: | |
|---|---|---|---|
| Ohne Früherkennung | 9 | 24 | 0 |
| Mit Darmspiegelung | 3 bis 6 | 8 bis 20 | 3 |
| Das heißt: Von 1000 Männern ... | ... sterben 3 bis 6 Männer weniger an Darmkrebs | ... erkranken 4 bis 16 Männer weniger an Darmkrebs | ... haben 3 Männer Komplikationen |
Welche möglichen Nebenwirkungen und Risiken hat eine Darmspiegelung?
Die Koloskopie ist die aufwendigste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Die Vorbereitung – das Trinken großer Mengen Flüssigkeit und komplette Abführen – ist unangenehm und anstrengend.
Das Weiten des Darms mit Luft führt manchmal zu vorübergehenden Beschwerden wie Schmerzen oder Blähungen. Das Beruhigungs- oder Narkosemittel kann zum Beispiel Schwindel oder Herz-Kreislauf-Probleme auslösen.
Bei 2 bis 3 von 1000 Männern treten während der Darmspiegelung behandlungsbedürftige Komplikationen auf. Dabei handelt es sich vor allem um Blutungen, die durch die Entfernung von Polypen ausgelöst werden. Die meisten Blutungen lassen sich ambulant gut behandeln.
Bei weniger als 1 von 1000 Darmspiegelungen kommt es zu behandlungsbedürftigen Herz-Kreislauf-Problemen oder Darmdurchbrüchen (Perforationen). Ein Darmdurchbruch kann entstehen, wenn mit der Spitze des Koloskops zu viel Druck auf die Darmwand ausgeübt wird oder wenn die Darmwand bei der Entfernung eines Polypen verletzt wird. Dies kann lebensbedrohlich sein und macht eine rasche Operation erforderlich.
Was passiert, wenn Polypen entdeckt werden?
Bei knapp der Hälfte der Männer, die zur Darmspiegelung gehen, werden Polypen gefunden. Wenn nur einzelne kleine und unauffällige Polypen entdeckt werden, reicht es, mit der nächsten Darmspiegelung zehn Jahre zu warten.
Wenn mehrere, auffällige oder größere Polypen entfernt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass in den nächsten Jahren weitere Polypen wachsen. Die nächste Koloskopie wird dann bereits nach 3 bis 5 Jahren empfohlen. Selten ist eine zweite Darmspiegelung nötig, weil es nicht gelingt, einen Polypen bei der ersten Untersuchung vollständig zu entfernen. Wenn weitere Untersuchungen nötig sind, werden die Kosten dafür von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Da sich nicht vorhersagen lässt, aus welchen Polypen sich Krebs entwickelt und aus welchen nicht, werden auch viele harmlose Polypen entfernt. Dies lässt sich bei einer Früherkennung nicht vermeiden.
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht. Auftrag P15-01. 2016.
Jodal HC, Helsingen LM, Anderson JC et al. Colorectal cancer screening with faecal testing, sigmoidoscopy or colonoscopy: a systematic review and network meta-analysis. BMJ Open 2019; 9(10): e032773.
Lin JS, Perdue LA, Henrikson NB et al. Screening for Colorectal Cancer: Updated Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA 2021; 325(19): 1978-1997.