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Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten

Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten
Aktualisiert am: 09.08.2023· Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Einige Kinder haben große Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen. Dies kann zu Problemen in der Schule und später in der beruflichen Entwicklung führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Kinder zu fördern.

Etwa 3 bis 8 % aller Kinder haben eine umschriebene Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten. Manche Kinder haben nur beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen Schwierigkeiten – andere in mehreren oder allen dieser Bereiche. Probleme beim Lesen und Rechtschreiben treten häufig kombiniert auf, oft auch zusammen mit einer Sprachentwicklungsstörung: Dann hat das Kind später sprechen gelernt, einen geringen Wortschatz oder kann Sprache nicht gut verstehen.

Jungen haben häufiger eine Rechtschreibstörung, Mädchen eher Probleme beim Rechnen. Eine Lesestörung kommt bei Jungen und Mädchen gleich häufig vor.

Wie äußert sich eine Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten?

Eine Lesestörung kann folgende Anzeichen haben: Das Kind

  • liest sehr langsam oder macht dabei viele Fehler,
  • zögert sehr lange, bevor es mit dem Vorlesen beginnt,
  • nennt den ersten Buchstaben und rät dann das Wort,
  • hat Schwierigkeiten, zu verstehen, was es gelesen hat, oder
  • lässt beim Vorlesen Buchstaben aus, fügt welche hinzu oder vertauscht Wortteile.

Es kann sich um eine Rechtschreibstörung handeln, wenn das Kind

  • Wörter längere Zeit noch deutlich falsch schreibt,
  • Wörter mit Buchstaben schreibt, die ganz anders klingen,
  • Buchstaben auslässt, vertauscht oder welche hinzufügt,
  • Rechtschreibregeln wie die Groß- und Kleinschreibung nicht umsetzen kann oder
  • eine unleserliche Handschrift hat.

Eine Rechenstörung (Dyskalkulie) kann bestehen, wenn das Kind zum Beispiel

  • schon bei einfachen Rechenaufgaben wie Zusammenzählen oder Abziehen Probleme hat,
  • ungewöhnlich lange die Finger zum Zählen zu Hilfe nimmt,
  • die Grundrechenarten nur mühsam oder gar nicht erlernt,
  • Zahlen verwechselt oder falsch zuordnet,
  • Schwierigkeiten hat, sich räumliche und bildliche Informationen für kurze Zeit zu merken,
  • Mühe hat, Größen und Mengen korrekt zu erfassen oder
  • Schwierigkeiten hat, Strategien zur Lösung einer Rechenaufgabe zu entwickeln.

Wie verläuft die Entwicklungsstörung?

Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen fallen naturgemäß meist erst nach der Einschulung auf. Eine ausgeprägte Störung bereitet schon in den ersten Schulmonaten große Schwierigkeiten. Es kann aber auch im Vorschulalter erste Hinweise geben – zum Beispiel, wenn es einem Kind schwerfällt, Laute zu unterscheiden, oder es beim einfachen Zählen Schwierigkeiten hat.

Oft bessert sich die Lesefähigkeit schneller als die Rechtschreibung oder Probleme beim Rechnen. Manche Betroffene haben als Erwachsene noch Probleme bei einfachen Rechenaufgaben. Von allein legen sich die Probleme meist nicht – gezielte Unterstützung ist wichtig. Etwa 1 von 100 Kindern hat eine so starke Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie), dass es kaum lesen und schreiben lernt.

Welche Folgen kann die Entwicklungsstörung haben?

Betroffene Kinder haben im Schnitt schlechtere Noten in einzelnen Fächern. Manche Kinder haben durch die Störung auch grundsätzliche Lernschwierigkeiten. Oft zeigen sie wenig bis kein Interesse am Lesen und Schreiben. Damit verbundene Aufgaben empfinden sie als stark belastend. Nicht selten fühlen sich die Kinder überfordert. Dies kann dazu führen, dass sie Angst vor der Schule haben, sich weigern, zur Schule zu gehen oder morgens über Bauch- oder Kopfschmerzen klagen. In den Schulferien verschwinden diese Probleme meist wieder.

Die Situation kann für die ganze Familie belastend sein. Die Eltern sorgen sich oft um die weitere Entwicklung ihres Kindes. Sie bringen viel Zeit und teilweise auch Geld auf, um das Kind zu unterstützen.

Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen können die Schul- und Berufslaufbahn beeinträchtigen. Sie erschweren es, einen der eigenen Begabung entsprechenden Schulabschluss zu machen und den gewünschten Beruf zu ergreifen.

Kinder und Jugendliche mit schulischen Schwächen haben oft weitere Probleme wie Verhaltensauffälligkeiten.

Wie wird eine Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten festgestellt?

Wenn die Probleme auffallen, ist es zunächst sinnvoll, sich mit den Lehrerinnen und Lehrern und vielleicht auch dem schulpsychologischen Dienst zu beraten. Ob es sich um eine Entwicklungsstörung handelt, kann von Ärztinnen und Ärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder für Kinderheilkunde mit der Zusatzausbildung Sozialpädiatrie und Kinderpsychologie festgestellt werden. Die dafür nötigen Untersuchungen können in einer ärztlichen Praxis oder in einem sozialpädiatrischen Zentrum stattfinden.

Es werden unter anderem Intelligenztests und spezielle Lese-, Rechtschreib- und Rechentests gemacht. Körperliche Untersuchungen wie Augen- und Hörtests können wichtig sein, um andere Ursachen auszuschließen.

Welche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

Welche Art der Unterstützung sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Entwicklungsstörung ist. Es gibt folgende Möglichkeiten, ein Kind zu fördern oder zu behandeln:

  • gezielte sonderpädagogische Förderung in der Schule: Eltern können gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern beraten, wie das Kind am besten unterstützt werden kann. Auch Schulpsychologinnen und -psychologen können angesprochen werden. Zudem gibt es die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs: Das bedeutet, dass die Einschränkungen des Kindes bei der Leistungsbeurteilung oder in Prüfungssituationen berücksichtigt werden.
  • integrative Lerntherapie mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenübungen in Kleingruppen oder als Einzeltraining – entweder computergestützt oder mit Papier und Stift. Wie oft und wie lange ein Kind an einer Lerntherapie teilnimmt, hängt davon ab, wie stark die Entwicklungsstörung ist und welche Fortschritte es macht. Es gibt spezialisierte lerntherapeutische Praxen, aber auch ergotherapeutische und heilpädagogische Praxen bieten Lerntherapie an.
  • Elternberatung: Eltern erhalten hier Anregungen, wie sie ihr Kind zu Hause unterstützen können und wie sich das Familienklima verbessern lässt.

Für die Unterstützungen gibt es auch finanzielle Fördermöglichkeiten. So kann das Amt für Kinder, Jugend und Familien (Jugendamt) beispielsweise die Kosten für eine integrative Lerntherapie übernehmen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung (S3-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 028-044. 2015.

Schlack HG, Esser G. Umschriebene Entwicklungsstörungen. In: Schlack HG, Kries R (Ed). Sozialpädiatrie. Berlin: Springer 2009. S. 157-187.

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