InformationenEs hat zwei Monate gedauert, bis klar war, dass ich eine Netzhautablösung hatte

Es hat zwei Monate gedauert, bis klar war, dass ich eine Netzhautablösung hatte

Es hat zwei Monate gedauert, bis klar war, dass ich eine Netzhautablösung hatte
Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Vor elf Jahren hatte ich eine Netzhautablösung, da war ich gerade 44 Jahre alt. Es hat aber eine Weile gedauert, bis klar war, was ich hatte.

Mir waren einige Warnzeichen für eine Netzhautablösung bekannt – vor allem Lichtblitze auch bei geschlossenen Augen, fliegende schwarze Punkte oder ein komplett schwarzer Bereich im Sehfeld. Bei mir war aber das erste Zeichen, dass das Augenlid am rechten, gesunden Auge heftig zuckte, so wie man es bei Übermüdung manchmal hat. Allerdings hielten die Zuckungen mehrere Tage an. Im Nachhinein denke ich, dass das gesunde Auge versucht hat, die Ausfälle des anderen Auges auszugleichen, und deswegen angestrengt war.

Gleichzeitig habe ich mit dem linken Auge am untersten Rand des Blickfelds nicht mehr ganz scharf gesehen. Das habe ich aber nicht so ernst genommen, sondern stärker auf das zuckende Auge geachtet, das ich mir nicht erklären konnte. Irgendwann war Ruhe und das rechte Auge zuckte nicht mehr. Deswegen habe ich nichts unternommen.

Wellen kamen hinzu, die über das Sehfeld wanderten

Einen Monat später bemerkte ich etwas Neues am linken Auge: Ich sah Wellen, die von rechts unten nach links oben über das Sehfeld wanderten. Die Wellen waren abwechselnd hell und dunkel und bewegten sich ganz langsam. Sie erinnerten mich an die komischen Formen, die man für kurze Zeit sieht, wenn man sich stark die Augen reibt.

Das fand ich auch seltsam, habe aber weiterhin nicht reagiert. Ich dachte: „Das ist wahrscheinlich irgendeine Entzündung, ein Vitaminmangel oder ich bin halt ziemlich übermüdet.“ Mit einer schweren Augenerkrankung habe ich es gar nicht in Verbindung gebracht. Ich sah ja keine Lichtblitze und hatte keinen Gesichtsfeldausfall.

Mit dem linken Auge sah ich rechts unten nur noch schwarz

Der kam drei Wochen später: Morgens nach dem Aufwachen war ungefähr ein Viertel des Sehfelds des linken Auges komplett schwarz, ich habe rechts unten nichts mehr gesehen. Da war ich alarmiert – mir war klar, dass das ein Notfall war. Ich habe nach einem niedergelassenen Augenarzt gesucht und in der Praxis angerufen. Ich habe es dringlich gemacht und deutlich gesagt: „Ich brauche heute noch einen Termin.“

Der Augenarzt hat mich untersucht und mir Augentropfen gegeben, um sich den Augenhintergrund anzuschauen. Er hat die Netzhautablösung erkannt und schnell reagiert: „Sie gehen jetzt nach Hause, packen eine kleine Tasche und ich rufe in der Augenklinik an und mache einen Termin für Sie aus. Da müssen Sie heute noch hin.“

Trotz Notfall wurde ich erst vier Tage später operiert

In der Augenklinik waren alle professionell und wussten, was sie zu tun hatten. Allerdings war es personell sehr eng und die Organisation der Abläufe war ziemlich chaotisch. Ich wurde untersucht, sollte allerdings danach noch mal nach Hause gehen. Stationär aufgenommen wurde ich erst vier Tage später, was mich sehr wunderte, da es doch zuerst hieß, es sei ein Notfall.

Anscheinend hatte man aber die Zeit. Mir wurde gesagt, dass sich die Netzhaut glücklicherweise nur am Rand abgelöst hatte und nicht in der Mitte, am Ort des schärfsten Sehens. Deswegen waren die Chancen besser und man konnte etwas warten.

Ich bekam gleich zwei Eingriffe

Bei mir wurden gleich zwei Sachen am selben Auge gemacht: Zuerst wurden mehrere Stellen, an denen die Netzhaut sich leicht gelöst hatte, mithilfe einer Kältesonde „festgenietet“. So sollte verhindert werden, dass sich die Netzhaut weiter von der darunterliegenden Schicht ablöst.

Ein paar Tage später wurde der Augapfel von außen mit einem Gummiband eingeschnürt. Der Eingriff heißt auch „Cerclage“. Dadurch wird die komplette Netzhaut hinten wieder an die anderen Schichten angedrückt. Beide Eingriffe fanden unter lokaler Betäubung statt.

Ich musste während der zweiten OP mitmachen und Anweisungen befolgen

Als Patientin musste ich während der Cerclage-OP mitmachen. Ich bekam zum Beispiel die Anweisungen: „Jetzt bitte ganz weit nach oben schauen“ oder „jetzt ganz nach rechts sehen“.

Beim Einbringen des lokalen Betäubungsmittels hatte ich starke Schmerzen. Eine ziemlich dicke Kanüle wurde zwischen dem Knochen der Augenhöhle und dem Augapfel eingeführt. Die Ärzte versuchten, die Schmerzen abzumildern, indem sie die Kanüle nur millimeterweise vorschoben und immer warteten, bis der einzelne Bereich betäubt war. Aber das war schon eine krasse Erfahrung. Das Einzige, was mich tröstete, war, dass nach fünf Minuten die Betäubung wirkte und ich nichts mehr spürte.

Die OP selbst war in Ordnung – ich hatte außerdem eine Beruhigungstablette bekommen, die etwas gleichgültig machte. Man ist dann in einer „Rosa-Wolken-Stimmung“, in der man eher wohlwollend-interessiert auf alles schaut.

In einer dritten OP wurde der Glaskörper behandelt

Nach ein paar Tagen stellte sich heraus, dass sich die Netzhaut nicht genug angelegt hatte und das Risiko bestand, dass sie sich wieder ablöst. Deswegen wurde ein dritter Eingriff vorgenommen: Der Glaskörper im Augeninneren wurde entfernt und der Augapfel mit einem speziellen Gas gefüllt, um den Druck zu erhöhen und die Netzhaut noch stärker anzupressen.

Um das Gas einbringen zu können, musste zuerst die gelartige Flüssigkeit im Glaskörper entfernt werden. Die OP war schon seltsam, ich hatte noch nie davon gehört. Der Eingriff wurde mir aber genau erklärt, sodass ich gut Bescheid wusste.

Nach der OP verdunstet das Gas langsam und wird innerhalb einiger Tage durch Flüssigkeit ersetzt, die der Körper selbst bildet. Deswegen sah ich in den ersten Tagen fast nur schwarz. Dann veränderte sich die Farbe ins Violette, bis die Sicht immer klarer wurde. Und ich sah den Rand zwischen Flüssigkeit und Gas, der bei jeder Bewegung wie in einem Wasserglas hin und her schwappte. Das war ein sehr merkwürdiger Eindruck.

Nach der OP wenig Sport – und eine neue Brille

Für mich war wichtig, zu verstehen, worauf ich in Zukunft achten muss und was die Warnzeichen für eine erneute Netzhautablösung sind. Die Ärztinnen empfahlen, dass ich mich beim Sport zurückhalte: Vor allem Kraftsport und andere Belastungen, die den Augeninnendruck erhöhen, sind nicht gut. Und ich sollte in der ersten Zeit nach der OP wegen der Druckschwankungen keine Flugreise unternehmen.

Außerdem veränderte sich meine Sehschärfe: Durch die Cerclage wurde der Augapfel in die Länge gequetscht. Deswegen war ich am operierten Auge plötzlich erheblich kurzsichtiger als vorher. Ich hatte vorher auf beiden Augen minus 3 bis 4 Dioptrien – am operierten Auge waren es dann minus 5 bis 6. Ich musste eine Zeitlang warten, bis ich meine Brille anpassen lassen konnte, da sich die endgültige Sehschärfe erst nach einigen Wochen herausstellt.

Mein linkes Auge hat sich gut erholt

Nach zwei Wochen war klar, dass die Operationen erfolgreich waren: Die Netzhaut lag komplett wieder an. Nur der Glaskörper war durch eine Blutung eingetrübt. Mir wurde erklärt, dass sie vom Körper wieder abgebaut wird. Bei den nächsten Kontrollen war die Blutung auch fast verschwunden.

Im Großen und Ganzen bin ich sehr dankbar, dass alle Ärztinnen und Ärzte meine Augen gut behandelt haben. Mein linkes Auge hat sich erholt und mein Sehvermögen ist immer noch so wie vor der Netzhautablösung. Darüber bin ich sehr glücklich.

Auch die Netzhaut am rechten Auge wurde später mit Laser behandelt

Damals bei den OPs am linken Auge war die Netzhaut am anderen Auge unauffällig. Als ich vorletztes Jahr an beiden Augen wegen eines Grauen Stars operiert wurde, erkannte man jedoch einige Risse und Löcher in der Netzhaut des bisher gesunden rechten Auges. Deshalb wurde sie gleich mithilfe eines Lasers an den kritischen Stellen angeheftet. Ich hoffe sehr, dass sich die Netzhaut dort stabilisiert und nicht mehr löst.

Ich hatte schon Sorge um mein Augenlicht

Damals hat mich schon die Sorge um mein Augenlicht umgetrieben. Ich brauche meine Augen für den Beruf – ich arbeite am Bildschirm und schreibe und lese viel. Das löst dann schon Ängste aus.

Ich habe versucht, mich selbst zu beruhigen, und mir gesagt, dass ich ja zwei Augen habe. Man kann auch mit nur einem gesunden Auge durchs Leben gehen – ich kenne jemanden, der das tut. Das hat mir geholfen, cool zu bleiben.

Was mir direkt nach der OP in der Klinik geholfen hat, war, abgelenkt zu sein und mich gebraucht zu fühlen. Ich lag nämlich in einem Vierbettzimmer und musste mich gefühlt um die anderen drei Patientinnen mitkümmern: Ein junges Mädchen war extrem kurzsichtig, eine Dame schwerhörig, die dritte Frau leicht dement.

Ich habe allen das Menü für die Essensbestellung vorgelesen, den Rufknopf für die Schwestern gebracht und an die Medikamenteneinnahme erinnert. Erst ein paar Tage später habe ich bemerkt, dass mir das gutgetan hat. Ich war abgelenkt, aktiv und hatte keine Zeit, mir um mich selbst Sorgen zu machen.

Die Erkrankung hat manche Lebensentscheidungen beeinflusst

Ich bin seitdem nicht unbedingt ängstlicher. Ich kenne einige Menschen, die nur einmal eine Netzhautablösung hatten. Andere Unglücksraben hat es erst an einem und dann am anderen Auge erwischt. Ich kenne aber niemanden, der deswegen erblindet ist oder stark geschädigt wurde.

Trotzdem hatte die Netzhautablösung einen Einfluss auf mich: In der Zeit um das 45. Lebensjahr bekam ich innerhalb von zwei Jahren viele gesundheitliche Probleme. Das hat mich nachdenklich gemacht und zum Beispiel meine Entscheidung ausgelöst, aus der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis zu wechseln. So fühle ich mich besser abgesichert, wenn ich mal länger ausfalle. Die Erkrankung hatte also indirekte Folgen – keine Riesenängste, aber schon Reflexionen.

Mir werden immer wieder Selbstzahler-Leistungen angeboten

Ich gehe zu regelmäßigen Kontrollen in die Augenarztpraxis, da ich mehrere Veränderungen an den Augen habe: Auch mein Augeninnendruck ist etwas erhöht und der Sehnerv ist leicht verändert. Das wollen die Ärzte einfach engmaschig kontrollieren.

Was mich wirklich ärgert, ist, dass ich in der Praxis immer wieder zu Untersuchungen gedrängt werde, die man selbst zahlen muss, und dabei mit der Angst der Patienten gearbeitet wird. Bei fast jeder Kontrolluntersuchung legt die Augenärztin die Stirn in Falten, schweigt lange und sagt mit sorgenvoller Stimme, dass meine beiden Sehnerven unterschiedlich aussehen würden. „Ich an Ihrer Stelle würde eine Schichtfotografie des Augenhintergrunds machen lassen. Leider wird das aber nicht von den Krankenkassen übernommen.“

Ich erwidere jedes Mal, dass die Kassen das bezahlen würden, wenn es einen wichtigen medizinischen Grund gäbe. An dem Punkt endet die Diskussion – ich soll einfach in einem halben Jahr zur Augendruckmessung kommen und gut ist.

Was ich aus meinen Erfahrungen heraus mitgeben kann: bei ungewöhnlichen Sehstörungen sofort zum Augenarzt gehen und es nicht auf die lange Bank schieben. Und wenn man es mit Augenkliniken zu tun hat: viel Geduld und Zeit mitbringen.

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