Formen der Depression

Einleitung
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können in unterschiedlichen Formen und Schweregraden auftreten. Die Lebenssituation, belastende Ereignisse oder eine erbliche Veranlagung können zur Entstehung beitragen.
Depressionen begleiten viele Menschen ein Leben lang – auch wenn sie zwischendurch lange beschwerdefreie Phasen haben können. Die Erkrankung kann sich zudem sehr unterschiedlich äußern. Die hat auch Einfluss auf die Behandlung. Je nach Art der Beschwerden und Auslöser werden die folgenden Formen unterschieden:
Unipolare Depression
Dies ist die häufigste Form der Depression. Dabei bestehen über mindestens zwei Wochen mehrere typische Anzeichen wie Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Freud- und Antriebslosigkeit. Auch Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können hinzukommen. Je nachdem, wie viele Symptome auftreten und wie stark sie sind, unterscheidet man zwischen einer leichten, mittleren und schweren Depression. Manchmal bleibt es bei einer depressiven Episode. Tritt sie wiederholt auf, spricht man von einer wiederkehrenden (rezidivierenden) Depression.
Chronische Depression
Bei einer chronischen Depression bleiben depressive Beschwerden länger als zwei Jahre bestehen. Die Symptome können dann dauerhaft so stark sein wie in einer depressiven Episode. Dies ist besonders belastend, da es keine Phasen gibt, in denen die Beschwerden abklingen. Eine chronische Depression wird auch „persistierende depressive Störung“ genannt.
Manche Menschen haben auch eine leichter ausgeprägte Stimmungsveränderung, die einer typischen Depression ähnelt. Sie fühlen sich bedrückt, innerlich unruhig, unzufrieden und melancholisch, sind aber in ihrem täglichen Leben nicht so stark beeinträchtigt wie bei einer unipolaren Depression. Die Beschwerden schwanken von Tag zu Tag und Woche zu Woche. Man spricht dann von einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie). Obwohl die Symptome nicht so stark sind wie bei einer typischen Depression, kann eine Dysthymie aufgrund ihrer Dauer genauso belastend sein. Tritt während einer Dysthymie eine depressive Episode auf, sprechen Fachleute von einer „doppelten Depression“ (Fachbegriff: double depression)“.
Saisonal bedingte Depression
Einige Menschen entwickeln vorwiegend in den dunklen Herbst- und Wintermonaten eine Depression. Sie entsteht vor allem durch Lichtmangel. Dann spricht man von einer saisonal bedingten Depression (Winterdepression). Mit dem Frühling verschwindet sie meist wieder.
Wochenbettdepression
Nach einer Geburt erleben viele Mütter trotz aller Freude über das Kind Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit – den sogenannten „Babyblues“. Bei manchen Frauen entwickelt sich daraus eine sogenannte Wochenbettdepression oder postpartale Depression. Ihre Symptome unterscheiden sich kaum von einer Depression, wie sie in anderen Lebensphasen auftreten kann.
Mütter mit einer Wochenbettdepression können sich so schlecht fühlen, dass es ihnen schwerfällt, sich um ihr Kind zu kümmern. In ihrem Umfeld erleben sie oft Unverständnis, denn nach der Geburt eines Kindes wird erwartet, dass Freude und Glück die vorherrschenden Gefühle sind. Ist das nicht so, können Selbstvorwürfe und Schuldgefühle – auch gegenüber dem Baby – übermächtig werden.
Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Manche Frauen bekommen in der zweiten Hälfte ihres Zyklus depressive Beschwerden, die mit dem Einsetzen der Monatsblutung wieder abklingen. Sie haben dann starke Stimmungsschwankungen und können gereizt und impulsiv, aber auch sehr traurig und niedergeschlagen sein. Häufig fühlen sie sich müde und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Hinzu kommen prämenstruelle Beschwerden wie Bauchkrämpfe oder Spannungsgefühle in der Brust.
Bipolare Störung
Eine Depression kann im Rahmen einer sogenannten bipolaren Störung auftreten, auch manisch-depressive Erkrankung genannt. Menschen mit einer bipolaren Störung durchleben wechselnde Phasen extremer Stimmungsschwankungen: In der einen Phase zeigen sich die typischen Symptome einer Depression. In der anderen Phase schlägt ihre Stimmung ins Gegenteil um: Sie sind plötzlich in Hochstimmung und extrem aktiv, dabei selbstbewusst bis zum Größenwahn. Sie schäumen über vor Ideen, sind aber auch sehr reizbar, zerstreut und schlafen oft wenig. In diesen euphorischen Phasen verlieren viele Betroffene den Bezug zur Wirklichkeit und halluzinieren. Sie können in Schwierigkeiten geraten, zum Beispiel, wenn sie sich in riskante Abenteuer stürzen oder stark verschulden.
Quellen
Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression. AWMF-Registernr.: nvl-005. 2022.