Genitalherpes in der Schwangerschaft

Einleitung
Genitalherpes gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten, auch Geschlechtskrankheiten genannt. Die Ursache ist eine Infektion mit Herpes-Viren, die häufig unbemerkt bleibt: Bis zu 90 von 100 Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen keine oder nur sehr unauffällige Symptome.
Wenn es zu Beschwerden kommt, können diese belastend sein: Im Genitalbereich entsteht ein schmerzhafter Ausschlag, und oft fühlt man sich zusätzlich krank und fiebrig. Die Symptome klingen meist nach 1 bis 2 Wochen von allein ab. Es gibt jedoch Behandlungen, die die Beschwerden lindern und einen Ausbruch verkürzen können. Nach der Ansteckung bleiben die Herpes-Viren lebenslang im Körper. Wer einmal einen Genitalherpes-Ausbruch hatte, hat deshalb in der Regel immer wieder damit zu tun. Die Ausbrüche werden mit der Zeit aber schwächer und seltener.
Oft kommen zu den körperlichen Beschwerden Sorgen hinzu – zum Beispiel davor, andere Menschen anzustecken. Auch können sich Fragen stellen wie: Wo habe ich mich angesteckt? Wie sage ich es meinem Partner oder meiner Partnerin – und wem sollte ich überhaupt davon erzählen? Kann ich die Infektion auf mein Kind übertragen, wenn ich schwanger bin?
Ansteckung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft
Frauen, die sich bereits vor der Schwangerschaft oder im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Herpes angesteckt haben, übertragen das Virus nur selten auf ihr Kind. In einer großen Studie kam es bei 1 von 100 Geburten zu einer Infektion des Säuglings.
Wenn eine schwangere Frau Genitalherpes hat, ist es wichtig, dass sie mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt darüber spricht. So kann sie oder er die Haut vor der Geburt auf Anzeichen für einen Ausbruch untersuchen. Wichtig ist auch, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn zum Zeitpunkt der Geburt Frühsymptome wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen auftreten. Weist nichts auf einen Ausbruch hin, ist eine vaginale Geburt möglich; andernfalls wird in der Regel ein Kaiserschnitt empfohlen. Dadurch lässt sich das Risiko für eine Ansteckung deutlich senken.
Es wird geschätzt, dass ungefähr 13 von 100 Schwangeren mit Genitalherpes zum Zeitpunkt der Geburt einen Ausbruch haben. Das Risiko hierfür lässt sich durch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten senken. Die Mittel werden dann ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich eingenommen. Dadurch erhöht sich auch die Chance, dass eine Frau ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringen kann. In Studien hatten wegen eines Genitalherpes-Ausbruchs
- ohne vorbeugende Behandlung 13 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt,
- mit vorbeugender Behandlung 4 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt.
In der Regel wird der Wirkstoff Aciclovir eingesetzt, weil es mit diesem Mittel die meisten Erfahrungen gibt. Aus bisherigen Studien gibt es keine Hinweise, dass es dem Säugling schadet.
Ob eine Frau vorbeugend Medikamente einnehmen möchte, ist ihre persönliche Entscheidung: Einigen Frauen ist es sehr wichtig, während der Schwangerschaft auf Medikamente zu verzichten. Andere möchten ihr Kind vor allem möglichst auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Wieder andere vertrauen darauf, dass auch ohne Behandlung alles gutgehen wird.
Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft
Nach einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel kommt es bei schätzungsweise 30 bis 50 von 100 Geburten zu einer Übertragung des Virus auf das Kind. Wenn sich eine Frau in dieser Zeit mit Herpes-Viren ansteckt, ist daher ein Kaiserschnitt üblich, um das Kind zu schützen. Sinnvoll ist außerdem, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen, die oder der sich auf die Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert hat.
Um eine Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft zu vermeiden, ist es besser, in dieser Zeit keinen Sex mit jemandem zu haben, der Genitalherpes hat oder haben könnte. Dies gilt auch für Oralsex mit Menschen, die Lippenherpes haben.
Wie können Ausbrüche in der Schwangerschaft behandelt werden?
Da ein Erstausbruch von Genitalherpes meist starke Beschwerden auslöst, wird er auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt. Wird der Ausbruch besonders heftig, kann das Medikament auch intravenös über einen Tropf gegeben werden.
Da weitere Ausbrüche normalerweise deutlich milder verlaufen, wird oft auf Medikamente verzichtet. Bei starken Beschwerden oder möglichen Komplikationen kann aber auch dann eine medikamentöse Behandlung infrage kommen.
Quellen
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