Hilft Akupunktur bei chronischen Nackenschmerzen?

Einleitung
Bei Nackenschmerzen ohne erkennbare Ursache ist es am besten, möglichst in Bewegung zu bleiben und seinem Alltag nachzugehen. Gegen die Schmerzen kann man zum Beispiel Wärmeanwendungen oder Schmerzmittel ausprobieren. Spezielle Übungen sollen die Nackenmuskulatur stärken. Es ist jedoch unklar, wie gut diese Maßnahmen helfen.
Meistens lässt sich für Nackenschmerzen keine eindeutige Ursache finden. Dann werden sie „unspezifische“ Nackenschmerzen genannt. Sie verschwinden meist von selbst innerhalb einiger Tage oder Wochen. Manche Menschen haben aber länger Beschwerden, oder sie treten immer wieder auf. Von chronischen Nackenschmerzen spricht man, wenn sie länger als drei Monate anhalten.
Oft tragen verschiedene Faktoren zu unspezifischen Nackenschmerzen bei. Dies können zum Beispiel körperliche Belastungen am Arbeitsplatz sein, wie Arbeiten über Kopf oder unbewegliches Sitzen am Schreibtisch. Eine wichtige Rolle spielen zudem oft psychische Belastungen wie Stress, familiäre oder berufliche Ängste und Sorgen.
Unspezifische Nackenschmerzen können zwar sehr unangenehm sein, sind aber harmlos. Es gibt deshalb keinen Grund, sich zu schonen. Im Gegenteil: Es ist sogar sinnvoll, weiter aktiv zu bleiben.
Obwohl unspezifische Nackenschmerzen sehr häufig sind, gibt es nur wenige gute Studien, die die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten untersucht haben. Bislang ist für keine Behandlung eindeutig nachgewiesen, dass sie Nackenschmerzen dauerhaft lindern kann. Es gibt aber verschiedene einfache Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.
Probleme bei Studien zur Akupunktur
Ob Akupunktur wirksam ist, könnte von vielen Faktoren abhängen, zum Beispiel von der Qualifikation der Therapeutin oder des Therapeuten. Außerdem gibt es verschiedene Akupunkturtechniken, die sich zum Beispiel darin unterscheiden, wo die Nadeln gesetzt werden. Um verlässliche Aussagen zur Wirksamkeit der Akupunktur treffen zu können, sind daher gut gemachte wissenschaftliche Studien nötig.
Eine weitere Herausforderung bei Studien zur Akupunktur besteht darin, eine geeignete Vergleichsbehandlung zu finden. Dafür kommt zum Beispiel eine Scheinakupunktur infrage, bei der die Nadeln an die falsche Stelle gesetzt oder nur oberflächlich oder gar nicht in die Haut gestochen werden.
Bei einer Scheinakupunktur sollten die Teilnehmenden nicht wissen, ob sie eine richtige Akupunktur bekommen oder nicht. Das soll verhindern, dass Annahmen über die Wirkung einer Behandlung die Studienergebnisse beeinflussen.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Eine Wissenschaftlergruppe der US-amerikanischen Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) hat Studien ausgewertet, in denen Akupunktur zur Behandlung von chronischen Nackenschmerzen untersucht wurde. Sie fanden mehrere Studien, die allerdings nur wenige Teilnehmende und größtenteils eine begrenzte Aussagekraft hatten.
Aktuelle Studien haben bestimmte Akupunkturtechniken mit einer Scheinakupunktur verglichen. Dort linderte eine richtige Akupunktur Schmerzen nicht besser als eine Scheinakupunktur.
Akupunktur kann Nebenwirkungen haben: Durch das Setzen der Nadeln kann es vor allem zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen kommen. Um Infektionen zu vermeiden, ist es wichtig, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden. Das Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen ist jedoch gering.
Einige Krankenkasse übernehmen die Kosten für Akupunktur. Bei Nackenschmerzen ist die Akupunktur jedoch keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen.
Quellen
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