Wie hängen Hören und Sprechen zusammen?

Einleitung
Das Gehör ist besonders empfindsam für Töne, die wir selbst erzeugen können – zum Beispiel beim Sprechen, Rufen oder Singen. Die eigene Stimme können wir wiederum nur deshalb einsetzen, weil wir auch hören können.
Hören und Sprechen sind zwei eng verbundene Fähigkeiten. Mit anderen Menschen flüssig zu sprechen, gelingt nur, wenn das Gehör funktioniert.
Die Ohren nehmen Schallwellen auf und wandeln sie in elektrische Impulse um, die über den Hörnerv ins Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden sie verarbeitet und letztlich bewusst wahrgenommen. Daran sind Gehirngebiete beteiligt, die auch für das Sprechen benötigt werden. Fehlt der Sinneseindruck des Hörens von Geburt an, erlernt ein Kind nur schwer, Laute zu bilden, die von anderen als Sprache wahrgenommen werden können.
Quellen
Schallwellen werden zum Beispiel durch das Vibrieren einer Klaviersaite ausgelöst – oder durch die Schwingungen der Stimmlippen im Kehlkopf.
Wie gut man etwas hört, hängt ab von:
- der Lautstärke, also dem sogenannten Schalldruckpegel – angegeben in Dezibel (dB)
- der Tonhöhe, also der Frequenz der Schallwellen – angegeben in Hertz (Hz)
Das Gehör ist für Frequenzen, die beim Sprechen entstehen, besonders sensibel. Hier reicht schon eine relativ geringe Lautstärke aus, um die gesprochenen Worte und Sätze zu verstehen.
Kinder lernen über Zuhören und „Nachplappern“ (und sich dabei selber hören) die Sprache, die in ihrer Umgebung gesprochen wird. Sie können sogar mehrere Sprachen erlernen und später flüssig sprechen.
Voraussetzung für dieses mühelose Erlernen von Sprache ist, dass das Gehör funktioniert: Wenn ein Kind stark schwerhörig oder gehörlos geboren und nicht behandelt wird, verzögert sich die sprachliche Entwicklung oder bleibt ganz aus. Dies kann die Lernfähigkeit, aber auch die allgemeine persönliche und soziale Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.
Der früher verwendete Begriff „taubstumm“ wird heute übrigens nicht mehr genutzt, da er oft als diskriminierend empfunden wird.
Durch die rechtzeitige Versorgung mit einem Hörgerät oder einer Hörprothese (Cochlea-Implantat) gelingt es oft trotz Hörbehinderung, akustische Reize wie gesprochene Sprache wahrzunehmen und dadurch selbst das Sprechen zu erlernen. Außerdem gibt es Möglichkeiten, auch ohne intaktes oder behandeltes Gehör zu kommunizieren. Dazu zählt die Gebärdensprache: Dabei werden Wörter und Sätze mithilfe von Gesten und Mimik dargestellt – das Hören wird durch das Sehen ersetzt.
Eine andere Möglichkeit der Verständigung ist das Lippenlesen. Dabei lässt sich aus den Mundbewegungen des Gegenübers schließen, was sie oder er sagt. Über ein gezieltes Sprach- und Sprechtraining können Gehörlose auch selbst lernen, Laute mit Mund und Kehlkopf zu bilden und sich dann – wenn auch eingeschränkt – über gesprochene Sprache zu verständigen.
Wer das Lippenlesen erlernt hat, kann sich auf diese Weise mit Menschen unterhalten, die keine Gebärdensprache beherrschen. Welche dieser beiden Kommunikationsmöglichkeiten sich besser eignet, ist aber schwer zu sagen.
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