Ich bin unsicher, wie ich mein Vorhofflimmern behandeln lassen soll

Einleitung
Vor ungefähr fünf Jahren wurde bei mir ein zu hoher Blutdruck und Vorhofflimmern festgestellt. Mein Hausarzt hatte beim Routine-Check den Blutdruck gemessen – und der war so hoch, dass er mich nicht mehr allein nach Hause fahren ließ, sondern direkt in die Klinik überwies.
Den hohen Blutdruck hatte ich gar nicht gespürt. Auch das Vorhofflimmern blieb unbemerkt: kein Herzklopfen, kein unregelmäßiger Herzschlag, keine Atemnot oder schnelle Erschöpfung. Ich fühlte mich wie immer. Ich fiel aus allen Wolken, weil ich bisher nie etwas mit dem Herzen oder den Gefäßen hatte.
Direkt in der Klinik wurde eine Kardioversion gemacht. Dabei wurde versucht, das Herz mit einem elektrischen Impuls wieder in den normalen Herzrhythmus zu bringen. Das klappte aber nicht. Deswegen bekam ich Medikamente, die den Blutdruck senken und das Herz vor Vorhofflimmern schützen sollten. Außerdem wurde mir geraten, abzunehmen, da ich stark übergewichtig war.
Etwas am Herzen zu haben, war schwer für mich
Zuerst war ich schockiert und musste die Tatsache verdauen, dass ich etwas am Herzen hatte. Es hat mich wirklich aus den Socken gehauen. Ich hatte das Gefühl, ich kann meinem Körper nicht mehr vertrauen. Dasselbe Gefühl wie damals vor 20 Jahren, als ich an Brustkrebs erkrankt war. Es war ein Gefühl von Ohnmacht, dass ich nichts gegen die Dinge, die mir passieren, ausrichten kann.
Gleichzeitig war da aber auch eine Achtsamkeit und ein Wille, alles für die Genesung zu tun. „Was ist jetzt angesagt? Wie kann ich achtsamer mit mir sein? Was kann ich jetzt für meine Heilung tun?“ Das waren alles Fragen, die mir durch den Kopf schossen.
Nach der zweiten Kardioversion schlug mein Herz wieder normal
Drei Jahre später wurde noch einmal eine Kardioversion versucht. Und diese war erfolgreich: Mein Herz schlug wieder im Sinusrhythmus! Leider hielt der Erfolg nur zwei Jahre an. Letztes Jahr fing das Herz wieder an zu stolpern, eine dritte Kardioversion folgte. Sie war zwar ebenfalls effektiv, diesmal allerdings nur für zwei Monate.
Deswegen wurde versucht, das Vorhofflimmern über die Herzmedikamente zu kontrollieren. Ich sollte eine höhere Dosis Betablocker nehmen. Das vertrug ich aber überhaupt nicht. Ich war völlig benommen, stand neben mir, hatte gleichzeitig Herzrasen und einen unregelmäßigen schnellen Puls.
Mir ging es so schlecht damit, dass ich die hohe Dosis eigenständig wieder reduzierte. Ich sprach auch nicht mit meinem Arzt darüber und hatte im Kopf: „Lieber will ich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben, als jahrelang so herumzulaufen.“ Ich weiß, dass ich es hätte besprechen müssen. Aber meine Lebensqualität war so schlecht, dass ich nichts mehr unternahm und nur zu Hause blieb.
Mir wurde eine Katheterablation empfohlen
Danach sprachen die Ärzte davon, dass wir eine Ablation versuchen sollten: Das Gewebe im Herzen, das für die Rhythmusstörungen verantwortlich ist, sollte verödet werden. Ich ließ mich aufklären und sprach mit anderen Betroffenen. Ich hatte viel Positives gehört, gleichzeitig aber auch Respekt vor dem Eingriff.
Mein Kardiologe empfahl mir aber, vor der Ablation eine mögliche Schlafapnoe abzuklären. Ich schnarchte und hatte in der Nacht immer wieder Atemaussetzer. Er meinte, dass sich eventuell auch die Herzrhythmusstörungen bessern, wenn ich die Atemaussetzer behandeln lasse.
Die Untersuchung im Schlaflabor ergab, dass ich tatsächlich dringend etwas tun sollte. Ich sollte nachts eine Atemmaske tragen, damit die leichte Überdruck-Beatmung die Atemwege freihält und die Aussetzer verhindert. Leider kam ich mit dem Gerät und der Maske nicht zurecht. Ich habe es eine Nacht lang versucht und sie wieder zur Seite gelegt. Ich konnte mich überhaupt nicht entspannen oder gar schlafen. Mittlerweile ist die Apnoe aber viel besser geworden, allein weil ich 20 Kilo abgenommen habe.
Ich musste schon viele Belastungen durchstehen
Ich vermute, dass das Vorhofflimmern bei mir auch durch viele belastende Situationen und akuten Stress gefördert wurde. Ich zähle mich zur Generation der „starken Frauen“ nach dem Krieg, die vieles durchstehen mussten und es auch geschafft haben. Aber unsere Herzen leiden trotzdem im Stillen. Die Belastung verschwindet nicht, wenn wir sie nur schlucken und immer weitermachen.
Als das Herz letztes Jahr nach der dritten Kardioversion wieder umsprang, bemerkte ich sofort beim Aufwachen, dass es stolperte. Ich hatte einen schlimmen Traum und Monate mit einer großen seelischen Belastung hinter mir. Ich sehe da für mich einen klaren Zusammenhang.
Mich belastet immer wieder, dass ich in meinem Alter noch allein bin – ich hätte schon gerne einen Partner. Aber man kann nicht beeinflussen, ob man jemanden trifft, der passt. Und meine finanzielle Situation ist auch nicht rosig, es reicht vorne und hinten nicht. Deswegen arbeite ich trotz Pensionierung nebenher als Schreibkraft, um mir etwas dazu zu verdienen.
Täglichen Stress erlebe ich auch zu Hause: Ich bin in den letzten Jahrzehnten mehrfach umgezogen in immer kleinere Wohnungen – habe aber meine Wohnungseinrichtung nicht entsprechend verkleinert. Ich richte mich gerne schön ein, habe aber zu viele Sachen und wohne in einer vollgestellten Wohnung. Deswegen lasse ich aus Scham keinen Besuch in meine Wohnung.
Und auch in der Vergangenheit war es nicht leicht: Ich war lange Zeit alleinerziehend mit zwei Kindern, war an Brustkrebs erkrankt, wurde operiert und habe ein Jahr Chemotherapie überstanden. Damals ging es mir psychisch nicht gut. Ich lag oft zu Hause, bewegte mich nicht viel und nahm zu.
Ich habe vieles mit Optimismus und meinem Glauben überstanden
Als Person war ich aber schon immer optimistisch und eine Kämpferin. Auch mein Glaube hat mir durch schwere Zeiten geholfen. Ich habe nach der Krebserkrankung einen neuen Job gesucht und angefangen, in einer Boutique zu arbeiten, wieder Sport gemacht und in zwei Chören gesungen.
Und ich war einfach nur dankbar, dass der Brustkrebs geheilt war, mittlerweile schon seit 20 Jahren. Auch der Kontakt zu meinen Kindern und Enkelkindern ist toll, das gibt mir Halt. Genauso wie einige gute Freunde, mit denen ich viel unterwegs bin.
Die Entscheidung über die weitere Behandlung steht aus
Zurzeit habe ich wieder Vorhofflimmern und bin unsicher, wie es weitergehen soll. Die Frage ist: Soll jetzt eine Katheterablation gemacht werden? Oder bleibe ich nur bei der medikamentösen Behandlung? Oder versuchen wir noch mal eine Kardioversion? Diese drei Behandlungen stehen zur Verfügung.
Ich tendiere dazu, noch eine Kardioversion zu versuchen. Denn vor der Katheterablation habe ich schon etwas mehr Respekt. Zum einen verunsichert es mich, dass auch nach einer Katheterablation das Vorhofflimmern wiederkommen kann. Zum anderen finde ich das Einführen des Katheters über die Leiste etwas unheimlich.
Und ehrlich gesagt habe ich noch nicht richtig verstanden, wie die Ablation genau funktioniert. Da möchte ich mir mit der Entscheidung mehr Zeit lassen und ein ruhiges Gespräch mit meinem Kardiologen haben, in dem ich alle Fragen stellen kann.