InformationenLungenembolie in der Schwangerschaft

Lungenembolie in der Schwangerschaft

Lungenembolie in der Schwangerschaft
Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Eine Lungenembolie während der Schwangerschaft lässt sich mit dem gerinnungshemmenden Medikament Heparin behandeln. Es ist für das ungeborene Kind harmlos. Weil Heparin das Blutungsrisiko der Frau erhöht, wird es möglichst kurz vor der Geburt abgesetzt.

Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Lungenembolie: Der veränderte Hormonhaushalt verstärkt die Gerinnungsneigung des Blutes. Deshalb kann sich etwas leichter ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden. Wenn es sich von der Gefäßwand löst und mit dem Blut weggeschwemmt wird, kann es sich in der Lunge festsetzen und ein Lungengefäß verstopfen. Das Risiko einer Lungenembolie ist kurz nach der Geburt am höchsten.

Es ist wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte einem Verdacht auf Lungenembolie systematisch nachgehen. Denn falls er sich bestätigt, muss für eine optimale Betreuung gesorgt werden – am besten in einem Team aus spezialisierten Fachkräften.

Was sind Anzeichen für eine Lungenembolie in der Schwangerschaft?

Typische Symptome einer Lungenembolie sind:

  • plötzliche schwere Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Husten, vor allem mit blutigem Auswurf oder zusammen mit anderen Symptomen einer Lungenembolie
  • Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
  • Herzrasen

Manchmal kommt es auch nur zu leichteren Beschwerden, wie Kurzatmigkeit oder einem geschwollenen Bein als Folge einer Thrombose. Es ist schwierig, diese Symptome von typischen Schwangerschaftsbeschwerden zu unterscheiden.

Eine Lungenembolie ist wahrscheinlicher bei:

  • Schwangeren, die schon einmal eine Lungenembolie oder Thrombose hatten
  • Komplikationen in einer früheren Schwangerschaft
  • einer Herz-, Nieren- oder entzündlichen Darmerkrankung
  • Übergewicht

Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?

Auch in der Schwangerschaft schließen systematisch aufeinander aufbauende Untersuchungen eine Lungenembolie aus oder bestätigen sie. Ärztinnen und Ärzte achten besonders darauf, bildgebende Verfahren mit einer Strahlenbelastung nur bei starkem Verdacht auf eine Lungenembolie einzusetzen.

Die Interpretation der Untersuchungsergebnisse ist bei einer Schwangerschaft schwieriger. Der häufig eingesetzte D-Dimer-Test reagiert auf Spaltprodukte, die der Körper produziert, wenn er ein Blutgerinnsel abbaut. Der Bluttest kann insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel ein auffälliges Ergebnis zeigen, obwohl keine Lungenembolie vorliegt: Denn die Spaltprodukte, auf die er reagiert, werden auch während der Schwangerschaft gebildet.

Ist eine bildgebende Untersuchung erforderlich, wählen Ärztinnen und Ärzte ein Verfahren mit möglichst geringer Strahlendosis und halten auch dann die Dosis so niedrig wie möglich. Fachleute gehen davon aus, dass diese Verfahren für das Ungeborene unschädlich sind: Denn die Gebärmutter befindet sich unterhalb des untersuchten Brustkorbs, wohin kaum Strahlung gelangt.

Außerdem ist eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Beine möglich, um eine Thrombose festzustellen. Diese Untersuchung kommt ganz ohne Strahlenbelastung aus. Je nach Ergebnis sind aber weitere Untersuchungen nötig.

Welche Gerinnungshemmer eignen sich in der Schwangerschaft?

Eine Lungenembolie wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt, sogenannten Antikoagulanzien. Für Schwangere eignet sich der Wirkstoff Heparin, weil er nicht über den Mutterkuchen (die Plazenta) zum ungeborenen Kind gelangt. In der Regel wird ein niedermolekulares Heparin (NMH) gewählt, weil die Wirkung besser berechenbar ist als bei unfraktioniertem Heparin (UFH). Zudem sind Nebenwirkungen seltener.

Üblicherweise erhalten Schwangere ein Heparin, das unter die Haut (subkutan) gespritzt wird. Mit etwas Übung kann man dies selbst machen.

Die Heparin-Spritzen werden gewöhnlich in den Oberschenkel oder Unterbauch gegeben. Dazu bildet man mit zwei Fingern eine Hautfalte und setzt mit der anderen Hand die feine Nadel der Spritze hinein. Das Kind kann dadurch nicht verletzt werden. Das Spritzen kann aber etwas wehtun. Der Schmerz wird durch den Wirkstoff Heparin ausgelöst und ist kein Grund zur Beunruhigung. Die Heparin-Spritzen können auch blaue Flecken an der Einstichstelle verursachen.

Wenn der Kreislauf der Schwangeren stabil ist und die Behandlung gut anschlägt, hat eine Lungenembolie für das Ungeborene keine direkten Folgen.

Was ist rund um die Geburt zu beachten?

Rückt der errechnete Geburtstermin näher, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Denn weil Heparin die Blutungsneigung erhöht, sind während der Geburt stärkere Blutungen möglich. Um dies zu verhindern, wird das Heparin möglichst einige Stunden vor der Geburt abgesetzt. Dies ist am einfachsten, wenn der Geburtszeitpunkt geplant und die Geburt eingeleitet wird.

Welche Vor- und Nachteile ein geplanter Geburtszeitpunkt hat und ob eine eingeleitete Geburt infrage kommt, lässt sich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Am besten hilft ein multidisziplinäres Team dabei, eine individuell passende Entscheidung zu treffen.

Wie geht es mit der Behandlung nach der Geburt weiter?

Die Behandlung der Lungenembolie mit Gerinnungshemmern wird kurz nach der Geburt wiederaufgenommen und mehrere Wochen lang fortgesetzt.

Weil Heparin nicht in die Muttermilch übergeht, eignet es sich auch während der Stillzeit. Nach der Geburt ist es aber möglich, auf einen anderen Gerinnungshemmer wie den Vitamin-K-Antagonisten Warfarin umzusteigen. Stillenden Frauen, die Warfarin anwenden, wird geraten, ihrem Baby Vitamin K zu geben. Warfarin gelangt zwar in einer unwirksamen Form in die Muttermilch. Dem Kind gibt man dennoch Vitamin K, um ganz sicher zu sein, dass die Gerinnungsfähigkeit seines Blutes erhalten bleibt.

Andere gerinnungshemmende Mittel sind nach der Geburt nur eingeschränkt geeignet. Fondaparinux oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) können sich in der Muttermilch anreichern. Sie kommen deshalb nur für Frauen infrage, die nicht stillen.

Fachleute empfehlen, in weiteren Schwangerschaften vorbeugend Heparin anzuwenden, um das Risiko einer erneuten Embolie zu senken.

Welche Möglichkeiten gibt es bei einer schweren Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie kommt es selten dazu, dass der Kreislauf instabil wird und ein Herzversagen droht. Dies ist ein Notfall, der eine intensivmedizinische Behandlung und eine engmaschige Überwachung von Mutter und Ungeborenem erfordert. Dann wird der Schwangeren gewöhnlich hochmolekulares oder unfraktioniertes Heparin (UFH) gespritzt, das schnell wirkt. Die Gerinnungswerte des Blutes werden oft kontrolliert, um die Dosis anpassen zu können.

Zusätzlich erhält die schwangere Frau gewöhnlich weitere kreislaufstabilisierende Medikamente, Flüssigkeit und Sauerstoff. Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob Verfahren wie eine Thrombolyse, ein Rechtsherzkatheter oder eine Thrombektomie infrage kommen, um das Gerinnsel aufzulösen oder zu entfernen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA). Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 065-002. 2015.

Duffett L, Castellucci LA, Forgie MA. Pulmonary embolism: update on management and controversies. BMJ 2020; 370: m2177.

Gee E, Roberts L, Arya R et al. Patient experience of pregnancy-related venous thrombosis: A phenomenological study. Thromb Res 2019; 183: 86-90.

Konstantinides SV, Meyer G, Becattini C et al. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism developed in collaboration with the European Respiratory Society (ERS). Eur Heart J 2020; 41(4): 543-603.

Inhalt teilen

Passende Anbieter zu diesem Artikel