Wie kann ein Muttermal oder Leberfleck aussehen?

Einleitung
Die meisten Muttermale sind wenige Millimeter groß, oval oder rund und dunkler als die umgebende Haut. Aber es gibt auch Muttermale und Leberflecke, die deutlich größer und anders gefärbt oder geformt sind – zum Beispiel rötliche Feuermale oder grau-blaue Steißflecke am unteren Rücken.
Muttermal, Leber- oder Schönheitsfleck, Pigmentmal, Zeichen oder einfach nur „Mal“ – für Hautstellen, die sich farblich von der Haut abheben, sind verschiedene Begriffe üblich. Fachleute verwenden für die meisten dieser Hautveränderungen den Oberbegriff „Nävus“ (Mehrzahl: Nävi).
Wie sehen Pigmentmale aus?
Pigmentmale werden umgangssprachlich oft als Leberflecke bezeichnet. Sie bestehen aus Zellen, die das dunkle Farbpigment Melanin bilden, speichern und teilweise auch an ihre Umgebung abgeben. Wenn sich mehrere dieser Zellen angehäuft haben oder einige besonders aktiv sind, ändert sich die Farbe dieser Hautstelle.
Auf hellerer Haut kommen Pigmentflecke häufiger vor als auf dunklerer Haut, fallen durch ihre braune Färbung aber auch mehr auf. Fachleute unterscheiden mehrere Arten von Pigmentmalen:
- Linsenflecke (Lentigo simplex) sind braun bis dunkelbraun und meist nur wenige Millimeter groß. Sie liegen in der obersten Schicht der Haut oder Schleimhaut. Linsenflecke erscheinen meist im Kindes- und Jugendalter.
- Café-au-lait-Flecke sind fingernagel- bis handtellergroß und haben einen klar begrenzten Rand. Auf eher heller Haut haben sie eine hellbraune Farbe, die an Milchkaffee (café au lait) erinnert. Sie kommen auch auf dunkler Haut vor und sehen dann ebenfalls etwas dunkler als die umgebende Haut aus. Café-au-lait-Flecke liegen in der obersten Hautschicht. Sie entstehen in der Kindheit und Jugend. Mehr als fünf solcher Flecke am Körper können auf eine Erbkrankheit wie Neurofibromatose hinweisen.
- Ein Nävus spilus ist eher selten und eine Mischung aus Café-au-lait-Fleck und eingesprenkelten dunkleren Pigmentzell-Ansammlungen.
- Ein Nävus coeruleus ähnelt einem Linsenfleck – weil er tiefer in der Haut sitzt, erscheint er aber eher bläulich, violett oder grau-braun. Oft ist er als kleiner „Knubbel“ tastbar. Meist hat man nur ein solches Muttermal (oder ganz wenige) und bemerkt es erst im Laufe des Lebens. Gewöhnlich tritt ein Nävus coeruleus am Handrücken oder Unterarm auf.
- Nävuszell-Nävi zeigen sich als kleine Punkte oder als größere Flecken, einzeln oder in Gruppen. Sie können jeden Braunton haben und sogar nahezu schwarz aussehen. Oft sind sie stärker behaart als die umgebende Haut. Nävuszell-Nävi können schon bei der Geburt sichtbar sein. Oft bilden sie sich aber erst in der Kindheit aus – und im Laufe des Lebens wieder zurück. Dabei können sie sich verändern und zum Beispiel von der obersten Hautschicht in tiefere Schichten wandern. Dadurch werden sie meist heller und etwas erhabener, sodass sie hellen Warzen ähneln können.
- Atypische oder dysplastische Nävi sind Sonderformen der Nävuszell-Nävi und sehen anders aus als andere Pigmentmale: Sie sind meist größer als fünf Millimeter und haben einen unregelmäßigen Rand. Ein atypischer Nävus kann in sich unterschiedlich schattiert sein – von rosa, hellbraun und dunkelbraun bis schwarz. Die Bezeichnung „dysplastisch“ bezieht sich auf die Zelleigenschaften des Muttermals. Wenn man viele dysplastische Nävi hat, ist Fachleuten zufolge das Risiko für schwarzen Hautkrebs erhöht. Dieser kann sich aus einem solchen Nävus entwickeln, aber auch auf vorher unauffälliger Haut entstehen.
- Der Steißfleck ist angeboren und fällt als grau-blauer Fleck am unteren Rücken, Steiß- oder Gesäßbereich auf. Er kommt vor allem bei Kindern mit dunklerer Haut oder asiatischer Herkunft vor. In der Regel bildet er sich nach der Pubertät von selbst zurück.
- Ein Nävus fuscocoeruleus ist ein relativ großer, grau-blauer Fleck auf einer Gesichtshälfte, der sich dort meist über Schläfe und Wange ausbreitet. Auch das Auge kann betroffen sein, das Sehen wird dadurch aber nicht eingeschränkt. Ein solcher Nävus kommt häufig bei Menschen mit asiatischer Abstammung vor. Er kann von Geburt an vorhanden sein oder sich erst in der Pubertät entwickeln und bleibt in der Regel lebenslang bestehen.
- Ein Halo-Nävus hat einen hellen Ring, ähnlich einem Heiligenschein (englisch: halo) – vermutlich, weil am Rand eine Autoimmunreaktion des Körpers das Farbpigment abbaut.
- Spitz-Nävi sind knotige Leberflecke, die eher rötlich erscheinen. Sie treten im Kindes- und Jugendalter auf und sind harmlos, können aber leicht mit anderen Hautveränderungen verwechselt werden.
Wie sehen Muttermale aus, die nicht aus Pigmentzellen entstehen?
Muttermale können außerdem aus anderen Hautzellen, aus Binde- oder Fettgewebe entstehen. Auch ohne die typischen Pigmentzellen können sie dunkler als die umgebende Haut sein. Sind sie aus Hautzellen entstanden, treten sie öfter in Grüppchen auf und sehen wie auf einer Schnur aufgezogen aus.
Auch erweiterte und ungewöhnlich angeordnete Blutgefäße können als Muttermale sichtbar sein – oft nur als rot-violette Pünktchen, die mit zunehmendem Alter auftauchen. Daneben gibt es weitere Formen:
- Der Nävus flammeus wird wegen seiner leuchtend rötlich-pinken Farbe auch Feuermal oder Portweinfleck genannt. Er sieht manchmal auch blassrosa oder violett-bläulich aus. Auf dunkler Haut fällt der Nävus oft weniger auf als auf heller Haut. Ein Nävus flammeus kann nur linsengroß sein oder größere Hautflächen überziehen – etwa eine Gesichtshälfte. In der Regel ist ein Nävus flammeus angeboren oder erscheint in frühester Kindheit. Kommt er im Nacken vor, wird er auch Storchenbiss genannt. An der Stirn und im Nacken kann der Fleck im Laufe des Lebens verblassen. An anderen Stellen bleibt er meist bestehen. Feuermale können auf eine genetische Erkrankung hinweisen.
Schwer zu unterscheiden sind Feuermale von Hämangiomen – das sind angeborene, gutartige Wucherungen der Blutgefäße.
- Ein Spinnen-Nävus ist ein kleines Mal mit einem roten Punkt in der Mitte, von dem dünne rote Linien ausgehen – ähnlich wie Spinnenbeine. Ein Spinnen-Nävus kann bei Kindern oder auch plötzlich in der Schwangerschaft auftreten und kommt gehäuft bei Menschen mit Lebererkrankungen vor.
Quellen
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