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Wie lässt sich die Geburt einleiten?

Wie lässt sich die Geburt einleiten?
Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Geburt einzuleiten – mit und ohne Medikamente. Manche Frauen versuchen auch, die Geburt selbst in Gang zu bringen. Alle Methoden haben ein Ziel: Die Geburt anzustoßen, bevor die Wehen von selbst beginnen.

Eine Geburt einzuleiten bedeutet, die Wehen anzuregen und den Muttermund auf die Geburt vorzubereiten, bevor die Geburt von selbst begonnen hat. Ein häufiger Grund für eine Geburtseinleitung ist, dass der errechnete Geburtstermin überschritten ist. Dann entscheidet die Schwangere, ob und wann die Geburt eingeleitet werden soll. Manchmal ist eine Geburtseinleitung jedoch aus medizinischen Gründen nötig.

Ist die Entscheidung für eine Geburtseinleitung gefallen, bespricht die Ärztin, der Arzt oder die Hebamme mit der Schwangeren, welche Möglichkeiten für sie infrage kommen. Dabei berücksichtigen sie unter anderem, ob die Frau mit einem oder mit mehreren Kindern schwanger ist, ob sie zuvor schon einen Kaiserschnitt hatte, ob sie Vorerkrankungen hat, wie ihr aktueller Gesundheitszustand ist und wie es dem Kind geht. Außerdem informieren sie zu Vor- und Nachteilen sowie möglichen Nebenwirkungen der verschiedenen Methoden.

Die wichtigsten Methoden einer Geburtseinleitung sind:

  • Medikamente: Sie regen die Reifung des Muttermunds an oder fördern die Wehen. Dazu gehören die Wirkstoffe Dinoproston, Misoprostol und Oxytocin.
  • mechanische Methoden: Sie regen den Körper an, geburtsfördernde Hormone auszuschütten. Dazu zählen die Eipollösung, der Ballonkatheter, Dilatatoren und die Eröffnung der Fruchtblase.

Was kann ich selbst versuchen, um die Geburt in Gang zu bringen?

Gegen Ende der Schwangerschaft warten viele Frauen darauf, dass es „endlich losgeht“ – vor allem, wenn der errechnete Termin (ET) überschritten ist. Es gibt viele Methoden, mit denen Schwangere dann versuchen, selbst die Geburt auszulösen. Dazu gehören zum Beispiel lange Spaziergänge. Manche versuchen es auch mit Sex oder stimulieren ihre Brustwarzen. Die Idee dahinter ist, dass Hormone, die der Körper bei sexueller Erregung freisetzt, und Hormone im Sperma den Muttermund weicher machen und ihn anregen, sich zu öffnen. Laut Studien ist es jedoch unklar, ob sexuelle Aktivitäten eine zeitigere Geburt fördern.

Manche Schwangere trinken Himbeerblätter-Tee, um den Muttermund weicher zu machen, andere probieren homöopathische Mittel, Nachtkerzenöl, Nelkenöl-Tampons oder Hypnose. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege, dass diese Maßnahmen wirken.

Einige versuchen auch, mittels Akupunktur die Wehen zu fördern. Studien haben aber keine Hinweise gefunden, dass dies wirkt: Die Zeit bis zur Geburt war ähnlich lang – unabhängig davon, ob die Frauen eine Akupunktur, eine Scheinakupunktur oder keine Akupunktur erhalten hatten. Bei einer Scheinakupunktur werden die Nadeln zum Beispiel nicht tief genug oder an willkürlichen Punkten gesetzt.

Als weiteres Mittel zur Einleitung von Wehen galt lange Rizinusöl. Es hat eine abführende Wirkung und ist als reines Öl, Saftmischung („Wehen-Cocktail“) oder Kapseln zum Schlucken erhältlich. Das Öl kann Übelkeit auslösen. Weder die Sicherheit noch die Wirksamkeit von Rizinusöl zur Geburtseinleitung sind ausreichend untersucht.

Warum wird eine Geburt medizinisch eingeleitet?

Lässt die Geburt nach dem errechneten Termin länger als eine Woche auf sich warten, soll eine Einleitung gesundheitliche Risiken für Frau und Kind senken. Denn ab der 42. Schwangerschaftswoche kommt es etwas häufiger zu Problemen. Zum Beispiel benötigen dann mehr Kinder nach der Geburt eine Behandlung auf der Intensivstation.

Es gibt auch andere Gründe, die Geburt einzuleiten: zum Beispiel, wenn nach einem vorzeitigen Blasensprung die Wehen nicht innerhalb von 24 Stunden von selbst einsetzen. Ein weiterer Grund ist ein erhöhter Blutdruck der Schwangeren, zum Beispiel aufgrund einer Präeklampsie. Auch wenn das Baby als überdurchschnittlich groß geschätzt wird, kann die Geburt etwas früher eingeleitet werden, um sie für Mutter und Kind zu erleichtern. Daneben gibt es noch weitere gesundheitliche Gründe, bei denen Fachkräfte eine Geburtseinleitung empfehlen oder zumindest anbieten.

Manche Frauen wünschen sich eine Einleitung vor der 42. Woche, obwohl keine besonderen gesundheitlichen Risiken bestehen. Sie sollten die Entscheidung mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder ihrer Hebamme gut abwägen. Eine solche Einleitung ist ab der 40. Woche möglich.

Was passiert bei einer medizinischen Geburtseinleitung?

Eine medizinische Geburtseinleitung zielt darauf ab, dass sich Zervix (Gebärmutterhals) und Muttermund öffnen. Bei bereits geöffnetem Muttermund sollen die Wehen angeregt werden.

Geschlossener (links) und teilweise geöffneter Muttermund (rechts)
Geschlossener (links) und teilweise geöffneter Muttermund (rechts)

Während der Schwangerschaft ist der Muttermund in der Regel fest verschlossen, damit das Kind sicher in der Gebärmutter bleibt. Wenn sich der Körper auf die Geburt vorbereitet, sorgen Hormone (Prostaglandine) dafür, dass der Muttermund weich wird und sich öffnet. Ist er für die Geburt bereit, spricht man von einem „reifen“ Muttermund. Passiert das nicht von allein, können mechanische Verfahren den Körper anregen, diese Hormone freizusetzen. Daneben gibt es Medikamente, die auf den Muttermund wirken und Wehen fördern.

Welche Methoden infrage kommen, richtet sich zum Beispiel danach, wie weit der Muttermund schon geöffnet ist und ob die Fruchtblase bereits geplatzt ist. Es kann auch eine Rolle spielen, ob die Frau bereits Kinder bekommen hat und ob sie in der Vergangenheit einen Kaiserschnitt oder eine andere Operation an der Gebärmutter hatte.

Eine medizinische Einleitung findet gewöhnlich in einer Klinik statt, begleitet von einem Geburtshilfe-Team, also der Ärztin oder dem Arzt sowie der Hebamme. Dieses Team überwacht, dass es Frau und Kind gut geht. Dafür kontrollieren sie zum Beispiel die Herztöne des Kindes und die Wehen. Manchmal ist auch eine ambulante Einleitung möglich. Dann kann die Frau nach der Einleitung wieder nach Hause gehen und dort für eine gewisse Zeit abwarten.

Welche Medikamente gibt es, um eine Geburt einzuleiten?

Dinoproston

Es gibt verschiedene Präparate, die den Muttermund weich machen. Sie enthalten das Hormon Dinoproston, das zur Gruppe der Prostaglandine gehört.

Die Präparate werden vaginal als Tablette oder Gel angewendet. Zudem gibt es ein sogenanntes Vaginal-Insert. Es ähnelt einem kleinen Tampon und bleibt bis zu einem Tag in der Vagina. Bevor eine Frau eines der Präparate erhält, untersucht die Ärztin oder der Arzt den Muttermund. Anschließend führt sie oder er das Präparat ein.

Manchmal reichen die Präparate allein nicht aus, um die Wehen hinreichend zu fördern. Dann kann die Frau mit etwas zeitlichem Abstand weitere Medikamente erhalten, etwa über einen Wehentropf.

Misoprostol

Auch Tabletten mit dem Wirkstoff Misoprostol können die Geburt einleiten. Misoprostol wirkt ähnlich wie Prostaglandine. Es regt den Muttermund an, sich zu öffnen, und ist wehenfördernd. Allerdings darf es nur eingesetzt werden, wenn die Frau noch keine regelmäßigen und schmerzhaften Wehen hat.

Die Frau schluckt die Tablette in der Klinik. Das Geburtshilfe-Team begleitet die Einleitung und kontrolliert, ob es ihr und dem Kind gut geht und ob die Wehen einsetzen. Bei Bedarf kann sie nach wenigen Stunden eine weitere Tablette einnehmen.

Oxytocin (Wehentropf)

Es kann vorkommen, dass der Muttermund weich und geöffnet ist, die Geburtswehen aber dennoch nicht oder zu schwach einsetzen. Dann kann der sogenannte Wehentropf helfen. Dabei erhält die Frau das Hormon Oxytocin per Infusion in eine Armvene. Oxytocin regt die Muskulatur der Gebärmutter an, sich zusammenzuziehen, und wirkt dadurch wehenfördernd. Die Wirkung setzt meist schon nach wenigen Minuten ein. Der Wehentropf lässt sich auch mit der Eröffnung der Fruchtblase kombinieren.

Welche Nebenwirkungen haben die Medikamente zur Geburtseinleitung?

Die Medikamente können zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Auch Fieber und Schüttelfrost sind mögliche Nebenwirkungen.

Das Geburtshilfe-Team dosiert die Medikamente so, dass die Wehen möglichst normal ausfallen. Trotzdem kann eine Geburtseinleitung mit Medikamenten Wehen auslösen, die zu stark sind und zu häufig wiederkehren. Dann spricht man von einem sogenannten Wehensturm oder einer Überstimulation der Gebärmutter. Manchmal braucht die Frau dann zusätzliche Medikamente, um Wehen und Schmerzen wieder zu mildern. Zu starke und zu häufige Wehen können auch Stress für das Baby bedeuten.

Bei besonders heftigen Wehen kann die Gebärmutter einreißen (Uterusruptur). Das ist ein Notfall, denn ein solcher Riss kann zu einer starken Blutung und einem Sauerstoffmangel des Kindes führen. In der Regel wird das Kind dann möglichst schnell per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und der Riss anschließend genäht. Studien deuten darauf hin, dass bei bis zu 4 von 1000 Frauen mit einer medikamentös eingeleiteten Geburt die Gebärmutter reißen kann.

Das Risiko für einen Gebärmutterriss ist etwas höher, wenn eine Frau in der Vergangenheit einen Kaiserschnitt oder eine andere Operation an der Gebärmutter hatte. Dann bespricht die Ärztin oder der Arzt vorab mit der Frau, ob eine Einleitung für sie infrage kommt und welche Methode geeignet ist.

Was ist eine Eipollösung?

Ein mechanisches Verfahren, um die Geburt in Gang zu setzen, ist die sogenannte Eipollösung. Dabei löst eine Ärztin, ein Arzt oder eine Hebamme die Fruchtblase (Eihaut) von der Gebärmutterwand. Dazu führt sie oder er 1 oder 2 Finger in den Gebärmutterhals ein und bewegt sie sanft, um die Eihaut im unteren Bereich der Gebärmutter zu lösen. Dies nennt man auch „Lösung des unteren Eipols“ oder „Zervix-Stripping“.

Die Eipollösung regt den Körper an, wehenfördernde Hormone (Prostaglandine) freizusetzen. Bei Bedarf kann sie wiederholt werden. Studien sprechen dafür, dass zwei Eipollösungen innerhalb einer Woche häufiger die Geburt anregen als eine Eipollösung. Zudem benötigen Frauen nach zwei Eipollösungen seltener eine weitere Methode zur Geburtseinleitung.

Die meisten Frauen empfinden die Eipollösung als unangenehm. Sie kann zu Blutungen führen, die in der Regel harmlos sind.

Wie wird ein Ballonkatheter angewendet?

Ein Ballonkatheter besteht aus einem dünnen Schlauch, den die Ärztin oder der Arzt durch die Vagina und den Muttermund in die Zervix (Gebärmutterhals) einführt. An der Spitze des Schlauchs befinden sich 1 oder 2 kleine Ballons, die mit Flüssigkeit gefüllt werden und sich dadurch ausdehnen. Der Ballonkatheter drückt dann von innen gegen den Gebärmutterhals. Dieser Druck regt den Körper an, Hormone (Prostaglandine) freizusetzen. Sie lassen den Muttermund weicher werden und wirken wehenfördernd. Der Ballonkatheter bleibt für etwa zwölf Stunden im Gebärmutterhals. Manche Frauen finden das Einführen des Katheters unangenehm.

Auch Ballonkatheter können zu einer Überstimulation der Gebärmutter führen. Das passiert etwa gleich oft wie bei einer Einleitung mit dem Medikament Misoprostol, aber seltener als mit Dinoproston.

Reicht der Ballonkatheter allein nicht aus, um die Geburt einzuleiten, kann die Frau zusätzlich wehenfördernde Medikamente erhalten.

Wie funktionieren Dilatator-Stäbchen?

Sogenannte hygroskopische oder osmotische Dilatatoren sind dünne Stäbchen, die in den Gebärmutterhals gelegt werden. Dort nehmen sie Feuchtigkeit auf und dehnen sich aus. Ähnlich wie ein Ballonkatheter drücken die Stäbchen dann von innen gegen den Gebärmutterhals.

Was passiert bei einer Eröffnung der Fruchtblase (Amniotomie)?

Ist der Muttermund bereits geöffnet, kann der Arzt oder die Ärztin die Fruchtblase öffnen. Dafür wird durch Vagina und Zervix (Gebärmutterhals) ein Instrument eingeführt, das ähnlich wie eine Häkelnadel aussieht. Damit wird die Fruchtblase angestochen und das Fruchtwasser läuft aus. Für die Schwangere ist das nicht schmerzhaft. Dieses Verfahren soll Wehen anregen.

Ist die Fruchtblase geöffnet, ist das Kind nicht mehr durch das Fruchtwasser geschützt und Krankheitserreger können in die Gebärmutter gelangen. Meist erhält die Frau zusätzlich einen Wehentropf, um die Geburt zu beschleunigen.

Nach der Eröffnung der Fruchtblase kann es zu einem Nabelschnurvorfall kommen. Dabei rutscht ein Teil der Nabelschnur am Kind vorbei in die Vagina und kann vom Kopf oder Körper des Kindes eingeklemmt werden. Dann besteht das Risiko, dass das Kind nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Es wird dann schnell mit einem Kaiserschnitt entbunden.

Wie fühlt sich eine Geburtseinleitung an und wie lange dauert sie?

Insgesamt erleben Frauen eine eingeleitete Geburt sehr unterschiedlich. Während sich die einen wieder für eine Einleitung entscheiden würden, würden andere sie bei einer weiteren Geburt lieber vermeiden.

Die Einleitung einer Geburt bedeutet nicht unbedingt, dass danach alles ganz schnell geht. Viele Frauen sind überrascht, wie lange es nach der Einleitung noch dauert, bis das Baby auf der Welt ist. Eine Geburtseinleitung macht mehr vaginale Untersuchungen nötig als üblich. Das kann unangenehm sein. Werden die Herztöne des Kindes und die Wehen mit einem CTG-Gerät überwacht, können die Kabel beim Bewegen stören.

Oft ist es hilfreich, mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten der Geburtseinleitung im jeweiligen Krankenhaus angeboten werden und welche Vor- und Nachteile sie haben. Eine Geburtseinleitung ist kein Notfall – meist ist ausreichend Zeit, sich mit dem Gedanken daran vertraut zu machen und Antworten auf alle Fragen zu erhalten.

Quellen

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