Niraparib / Abirateron (Akeega) bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Einleitung
Die Fixkombination Niraparib / Abirateron (Handelsname Akeega) ist seit April 2023 in Kombination mit Prednison oder Prednisolon für Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation zugelassen. Die Kombination wird eingesetzt, wenn keine Chemotherapie infrage kommt.
Bei Prostatakrebs benötigen die Krebszellen vor allem männliche Geschlechtshormone, um zu wachsen. Das wichtigste Hormon ist Testosteron. Die Blockade der Testosteronproduktion in den Hoden ist eine Möglichkeit, um das Fortschreiten eines Prostatakrebses zu verlangsamen. Wenn der Krebs trotz dieser Hormonblockade weiterwächst, sprechen Fachleute von einem „hormonrefraktären“ oder auch „kastrationsresistenten“ Prostatakarzinom. Bei metastasiertem Prostatakrebs haben sich bereits Tumor-Absiedlungen in anderen Körperbereichen gebildet, sodass eine Heilung nicht mehr möglich ist.
Prostatakrebs kann durch Veränderungen im Erbgut der Zellen (Mutationen) verursacht werden. Sie betreffen bei einigen Männern die Gene BRCA-1 oder BRCA-2. Die Abkürzung „BRCA“ steht für „Breast Cancer Gene“ (englisch für „Brustkrebsgen“). Männer mit verändertem BRCA-Gen erkranken häufiger und auch in jüngeren Jahren an Krebs als Männer ohne diese Genveränderung.
Niraparib und Abirateron hemmen verschiedene Eiweiße, die das Krebswachstum beeinflussen.
Anwendung
Niraparib / Abirateron gibt es als Tablette in 2 Dosierungen: 50 mg Niraparib / 446 mg Abirateron und 100 mg Niraparib / 446 mg Abirateron. Es wird mit der höheren Dosis mit 2 Tabletten täglich begonnen. Sie werden auf nüchternen Magen, mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen. Bei starken Nebenwirkungen kann die Dosis reduziert werden. Bei zu starken Nebenwirkungen oder wenn der Krebs fortschreitet, wird die Behandlung beendet.
Andere Behandlungen
Für Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs kommt in Kombination mit der üblichen Hormonblockade eine patientenindividuelle Therapie infrage. Hierbei können, je nach vorheriger Therapie, Zulassung der Arzneimittel und Art des Tumors der Wirkstoffe Abirateron oder Olaparib mit Abirateronacetat mit jeweils Prednison oder Prednisolon, Olaparib allein oder Enzalutamid eingesetzt werden.
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2024 geprüft, ob Niraparib / Abirateron für Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte hierzu eine Studie vor, aus der die Daten von 180 Männern ausgewertet wurden. Sie waren alle im Stadium des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakrebs noch nicht mit einer Therapie vorbehandelt worden. Die eine Hälfte erhielt Niraparib in Kombination mit Abirateron, die andere Hälfte ein Placebo mit Abirateron. Alle Männer bekamen zusätzlich Prednison oder Prednisolon. Die Gruppe mit Niraparib wurden 22 Monate behandelt, die Männer mit dem Placebo 14 Monate. Sie wurden bis zu 5 Jahren nachbeobachtet.
Welche Vorteile hat Niraparib / Abirateron?
Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil für die Männer hin, die nicht in einem früheren Stadium der Erkrankung mit einer taxanhaltigen Chemotherapie behandelt wurden. Mit Niraparib waren 39 von 100 Männer in der Studienzeit von knapp 3 Jahren gestorben. Ohne Niraparib waren es im gleichen Zeitraum 71 von 100 Männern.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Schwere Nebenwirkungen insgesamt: Hier gab es keinen Unterschied. In beiden Gruppen traten bei 60 bis 70 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.
Zudem zeigten sich keine Unterschiede bei:
- Stärke und Beeinträchtigung durch Schmerzen
- Gesundheitszustand
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen
- Akute myeloische Leukämie
- Knochenmarkserkrankungen (myelodysplastisches Syndrom)
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Niraparib / Abirateron (Akeega).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Niraparib/Abirateronacetat (Prostatakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A23-107. 09.02.2023. (IQWiG-Berichte; Band 1719).
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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